Ulm Umgestaltung des Bahnhofsplatzes: Ulmer Architekten vorn mit dabei

Ulm / VERENA SCHÜHLY 13.04.2014
Die gute Nachricht ist: Künftig wird niemand mehr nass, der vor dem Ulmer Bahnhof auf die Tram oder den Bus wartet. Die großflächige Überdachung des Bahnhofsplatzes war Vorgabe im Realisierungswettbewerb.

Das Preisgericht hat es sich am Freitag nicht leicht gemacht. Die Jury tagte fast 13 Stunden lang, ehe ihre Entscheidung feststand: Den ersten Preis im Realisierungswettbewerb für den Ulmer Bahnhofsplatz hat die Arbeitsgemeinschaft Hummert Architekten Dortmund mit Hullak und Rannow Architekten Ulm gewonnen.

„Das filigrane Tragwerk ist ein klassischer Entwurf, der an ein zweites Bahnhofsdach erinnert“, sagte Prof. Fritz Auer in seiner Wertung des Modells. Der Architekt hatte den Vorsitz der Jury. Hummert, Hullak und Rannow haben eine 120 Meter lange und oben leicht geschwungene Stahlkonstruktion ersonnen, die wie ein feines Gitternetz angelegt ist und die Glasscheiben trägt. Damit werden die beiden Bahnsteige der Bus- und Tram-Haltestelle auf der gesamten Länge überdacht. „Das ist ein guter Wetterschutz“, so Auer weiter.

Die Überdachung war von der Stadt im Wettbewerb als Vorgabe gemacht worden. Ebenso der Wunsch, die künftige Unterführung und die Tiefgarage mit Tageslicht zu versorgen. Hummert, Hullak und Rannow wollen dies durch gläserne Würfel auf dem Boden erreichen, die Licht in die erste unterirdische Etage bringen und nachts illuminiert werden können.

Die Entscheidung für den ersten Platz ist laut Auer „in seltener Einmütigkeit“ der elf stimmberechtigten Jury-Mitglieder gefallen. Abstimmen durften fünf Vertreter der Gemeinderatsfraktionen sowie sechs Fachleute: Architekten und Landschaftsarchitekten.

Auf Platz zwei kam ebenfalls eine Arbeitsgemeinschaft: AP Plan Stuttgart, Kienleplan Stuttgart und Fuhrmann Consultants Berlin. Ihr Modell ist eine „ganz eigenständige Antwort“, lobte Auer. Die Form wirkt amöbenhaft-organisch und überdacht große Teile des Platzes, nicht nur die Haltestelle. Als Material haben die Planer eine luftgefüllte Membran gewählt, eine Art riesiges Luftkissen ähnlich der Hülle der Allianz-Arena. Die Form sei aber „nicht willkürlich gewählt, sondern beschütze alle wichtigen Bereiche, so auch den Abgang in die unterirdische Passage“, sagte Auer weiter. „Alles wirkt sehr leicht“.

Mit dem dritten Preis zeichnete die Jury den Entwurf von WBP Landschaftsarchitekten aus Bochum aus. Auf dem Modell fallen zwei Baumhaine ins Auge, „die der Platz durchaus verträgt“, meinte Auer. Wobei die Bäume gewollt geometrisch angeordnet sind. Der Rest des Entwurfs sei „sehr funktional“.

„Sympathisch und transparent“ findet Auer den Vorschlag von der Hager Partner AG aus Zürich, die für ihre zweiteilige vollverglaste Überdachung mit dem vierten Preis beohnt wurden.

Mit gleich drei Dach-Teilen wartet der fünfte Preisträger auf. Der Ostfilderner Landschaftsarchitekt Thorsten Gesswein hat in seinem Entwurf drei lange Dachmodule vorgesehen. Je eines pro Gleis über der Haltestelle und ein drittes direkt vor dem Bahnhofsgebäude. „Die Elemente haben eine gewisse Verwandtschaft“, lautete Auers Wertung. Die Flachdächer sind aus dem mineralischen Verbundwerkstoff Corian, in die quadratische Glasöffnungen wie eingestanzt sind. „So wirkt es nicht massig.“

Insgesamt hatte die Jury 35 Entwürfe zu bewerten, die Planungsbüros für den Wettbewerb eingereicht hatten. Wie es jetzt weitergeht, erläuterte Baubürgermeister Alexander Wetzig: Mit den fünf Preisträgern wird für Anfang Mai ein gemeinsamer Termin ausgemacht, an dem jedes Büro seinen Vorschlag präsentiert. Dann wird endgültig über die Vergabe entschieden. Die Entscheidung des Preisgerichts zählt dabei 70 Prozent. Die restlichen 30 Prozent machen die Kriterien der Präsentation aus: Honorar, Leistungsfähigkeit des Büros und die Gesamtvorstellung des Teams, erläuterte Wetzig weiter. Durch die Art des Verfahrens sei es für die anderen Teilnehmer schwer, den ersten Preisträger zu überholen.

Der Gemeinderat selbst hat nichts mehr zu entscheiden; die Räte erteilen am Ende lediglich den Auftrag. Bis Mitte Juni soll die Entscheidung gefällt sein, und voraussichtlich wird für den 1. Juli eine Info-Veranstaltung für die Bürger anberaumt. Geplant ist bislang, dass der Bahnhofplatz bis 2018 neu gestaltet sein soll. Erst in einem zweiten Schritt wird dann die Umgestaltung des Bahnhofsgebäudes in Angriff genommen.

Info
Alle 35 Wettbewerbsbeiträge werden von heute bis Mittwoch, 24. April, im Kornhaus ausgestellt. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 14 Uhr und 17 bis 19 Uhr, Samstag/Sonntag 10 bis 14 Uhr. Am Karfreitag ist geschlossen, sonst ist täglich geöffnet.