Oben, unter der Decke, verlaufen die Belüftungsrohre, unten am Boden läuft der Tontechniker. Nebenan ist das Kino, gegenüber die Halle, irgendwo steht ein Haufen Sofas versehentlich recht installativ herum. Irgendwas bewegt sich offenbar immer im notorisch unaufgeräumten Organismus namens Roxy.

Ein "abgeschotteter Galerieraum" könne das hier nicht sein, sagt Laurence Lachnit. Ein Ort der feierlichen Kunst-Andacht wäre wohl tatsächlich fehl am Platze - und so passt sich das Konzept der neuen "59:00 Galerie" im Roxy ein in den bunten, improvisierten Fluss, der den langgezogenen Raum mit dem charmanten Oberlicht umspült. Als "temporär" ist die Galerie angekündigt, und das nicht nur, weil eine gewisse Vorläufigkeit gerade chic ist, sondern aus pragmatischen Gründen. Im laufenden Roxy-Betrieb könne sie unmöglich einen Raum konstant mit einer Galerie belegen, sagt Lachnit. Aber drei bis vier Künstler sollen pro Jahr schon darin ausstellen können.

Dass es im Roxy Kunst zu sehen gibt, ist dabei nichts Neues. Bis dato hatte Peter Segerer seinen "Kunstschalter" an selber Stelle. Vereinzelt werde Segerer vielleicht noch Ausstellungen hier zeigen, wie Lachnit meint. Doch der sei eher ein Ansprechpartner für gehobene Klientel. Nun wolle man sich auch einem neuen, jüngeren Publikum öffnen: nicht nur klassische "Kunst-Konsumenten", sondern, wie die Roxy-Chefin es formuliert, "Menschen, die offen sind für kreative Impulse". Und gern auch mal feiern, weshalb zu jeder Vernissage eine Party mit DJ gehört. Auch sonst sind die Grenzen fließend. Gefragt sind Künstler aus unterschiedlichen Genres, Städten, Ländern, "Künstler, die sich als Grenzgänger verstehen", erklärt Lachnit. Von einer Grenze erzählt ja auch die namengebende Zeitangabe "59:00", die knapp vor dem Stundenwechsel steht.

Gerade als man auf die Idee verfallen sei, habe sich Florian Schröder mit einem ähnlichen Ansinnen gemeldet, erzählt Laurence Lachnit. Der Werber und Filmer sprang als künstlerischer Berater mit ins Boot und macht die erste Ausstellung "Without A Reason", die am Wochenende eröffnet hat. Sie ist als erster Teil einer Reihe unter dem Titel "Wokasoma" konzipiert, in der sich Schröder mit Strömungen der zeitgenössischen Kunst auseinandersetzen will. Angefangen hat er mit "neodadaistischer Pop Art", einer Reflexion auf Reproduktion: Schwarz-weiß Kopien von Werken, die Ikonen der (Pop-) Kultur zitieren und - oft mittels exzentrischer Kopfbedeckungen - verfremden: Schwarzenegger hat als "Conan, the Calamarian" einen Oktopus-Helm, Karl Lagerfeld trägt Wurst, Beuys Saftpresse und Meister Warhol selbst eine Katze. Im weitesten Sinne sei das eine Collage, meint Schröder, deutungsoffen, "without a reason", Dada eben.

Die ersten Künstler für die folgenden Monate haben Lachnit und Schröder angesprochen, schließlich wollen sie sich inhaltlich positionieren. Mit Werken, die nicht überall zu sehen, nicht angepasst, nicht langweilig und übrigens auch nicht zu teuer sind. Kunst, die sonst nicht unbedingt in Ulm gezeigt würde. Der Maßstab, den Schröder anlegt, klingt dabei einfacher, als er ist: "Es muss nicht immer polarisieren, aber es muss gut sein."

Info Die 59:00 Galerie im Roxy (Schillerstraße 1/12) ist Di bis Fr, 10 bis 19 Uhr, und Sa/So, 16 bis 20 Uhr, geöffnet. Die Ausstellung "Without A Reason" ist bis 27. Januar zu sehen.