Neu-Ulm Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen

Neu-Ulm / SOPHIE JANJANIN 24.09.2015
Wie hilft man traumatisierten Flüchtlingen? In einer Fortbildungsreihe für ehrenamtliche Betreuer referierte Psychotherapeutin Regina Kurth.

Wie können Ehrenamtliche einem traumatisierten Flüchtling helfen? Regina Kurth, therapeutische Leiterin des Ulmer Behandlungszentrums für Folteropfer (BFU), referierte am vergangenen Dienstag im Landratsamt Neu-Ulm zum Thema "Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen - Chancen und Risiken".

Der Vortrag war die zweite von sieben Veranstaltungen - eine Fortbildungsreihe für ehrenamtliche Betreuer von Flüchtlingen, organisiert von Mirjam Schlosser, Integrationsbeauftragte des Landratsamts Neu-Ulm, und Sigrun Grüninger von der Diakonie Neu-Ulm. Zu Themen, die in der Arbeit mit Flüchtlingen wichtig sind, wurden Experten verschiedener Fachgebiete eingeladen.

Es geht um interkulturellen Umgang, Gewalt und Deeskalation, berufliche Anerkennung, Gesundheitsvorsorge, häusliche Gewalt und Traumatisierung. "Als Integrationsbeauftragte des Landratsamts Neu-Ulm ist es meine Aufgabe, dem Informationsbedarf der ehrenamtlichen Betreuer nachzukommen", sagte Schlosser. "Wir möchten, dass bei den Ehrenamtlichen ein Hintergrundwissen im Umgang mit Flüchtlingen besteht", sagte Grüninger. Die Resonanz ist groß: "Es besteht ein unwahrscheinliches Interesse bei Helfern aus dem Landkreis Neu-Ulm und Ulm", berichtete Grüninger. So war der Vortrag zum Thema Traumatisierung mit knapp 50 Anmeldungen ausgebucht.

Was ist ein Trauma? Ein Trauma ist ein Ereignis, welches das Leben und die körperliche Unversehrtheit bedroht. Es wird ausgelöst durch höhere Gewalt, wie etwa Naturkatastrophen, oder durch "man made disasters", also Gewalttaten. Die Reaktionen sind Hilflosigkeit, Kontrollverlust, Angst. Ein Trauma führe nicht zwangsweise zu einer psychischen Störung, sagte Psychotherapeutin Kurth. Aber: "Je früher, länger und schlimmer das Trauma, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, eine Störung zu entwickeln."

Früher, länger, schlimmer - genau so eine "sequentielle Traumatisierung" sei bei vielen Flüchtlingen festzustellen, besonders bei denen aus dem afrikanischen Raum. In ihrem Lebenslauf kommt es oft bereits im Heimatland zu traumatischen Erlebnissen durch Gewalt als einziges Modell und Vorbild - Gewalt sei in vielen Familien dort Alltag. Auf der Flucht erleben die Menschen dann ein Trauma durch die Trennung von Familie und Heimat, Lebensgefahr und schließlich die belastende, ungewisse Situation im Aufnahmeland, etwa durch das langwierige Asylverfahren und die schwierige Wohnsituation. Das Trauma zeigt sich in Alpträumen und Flashbacks. Auch leben die Patienten in einer ständigen Anspannung, haben Schlafstörungen, leiden unter Schmerzen.

Wie geht man mit diesen traumatisierten Menschen um? Hilfreich sind, so Kurth, klare Grenzen und Strukturen. In der Begleitung von und der Arbeit mit Flüchtlingen sei das Aufrechterhalten einer emotionale Distanz wichtig. Wer diese nicht halten kann, soll sich Gesprächspartner suchen, denen er anvertrauen kann, was ihn belastet. Auch eine klare Aufgabenverteilung im Helferkreis sei von Bedeutung, erklärte Kurth.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel