Blindgänger Um 14.11 Uhr war die Bombe entschärft

Neu-Ulm / Von Edwin Ruschitzka 13.04.2018
Die Kampfmittelbeseitiger fordern jetzt besser abgestimmte Sondierungen im Bereich des „Südstadtbogens“.

Die erfolgreiche Bomben-Entschärfung gestern in Neu-Ulm wird für die Ulmer Baufirma Realgrund ein Nachspiel haben. Was Dr. Andreas Heil, der Betriebsleiter der Kampfmittelbeseitigungsfirma Tauber in Nürnberg, zu sagen hatte, war nicht von Pappe. Er forderte dringend mehr Sorgfalt beim Untersuchen des Geländes „Südstadtbogen“. Zum dritten Mal innerhalb von nur sechs Wochen musste dort eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden: am 2. und 18. März, am 13. April.  Jedes Mal mit umfangreichen Evakuierungen und damit verbundenen hohen Kosten im jeweils wohl sechsstelligen Bereich. „Das muss nicht sein“, sagte Heil, der vermutet, dass noch weitere Bomben auftauchen. Irritiert war er, dass nach der Entschärfung vom 18. März wieder schwere Baufahrzeuge im Einsatz waren. Er schlug vor, jetzt Baufelder zu bilden und akribisch zu untersuchen.

Rückblick auf Entschärfung der Weltkriegsbombe

Am Ende war es doch Routine, auch wenn Sprengmeister Roger Flakowski davon nicht sprechen wollte. Nach einer Dreiviertelstunde hochkonzentrierter Arbeit war um 14.12 Uhr die 500-Kilo-Bombe entschärft. Am schwierigsten sei es gewesen, den angerosteten mechanischen Zünder zu säubern, bevor er herausgeschraubt werden konnte. Die fortgeschrittene Korrosion, so sein Chef Andreas Heil, sei der Grund gewesen, warum die Entschärfung am Freitag und nicht am Sonntag stattfinden musste. Das war zuvor von Gewerbetreibenden und Ärzten kritisiert worden.

An die 640 Kräfte der Polizei, der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks und des Bayerischen Roten Kreuzes hatten die Straßen zur Sicherheitszone um 7.50 Uhr abgesperrt, akribisch wurde ab 8.20 Uhr überprüft, dass sich niemand in seiner Wohnung aufhält. Zig Geschäfte, Büros, Arztpraxen und die Arthrosklinik waren geschlossen. Die Innenstadt, vor allem die Ludwigstraße, wirkte wie ausgestorben. Die Geschäfte dort öffneten nach der Entschärfung nicht mehr. Anders die Glacis-Galerie, die in Teilen offen blieb. Dort ist morgen, als Dank an die Kundschaft, das Parken umsonst. Auch andere Geschäfte wollen sich etwas einfallen lassen.

Bevölkerung zeigt viel Verständnis

Christian Holz aus dem Realgrund-Vorstand reagierte auf die Vorhaltungen der Kampfmittelbeseitiger. Auf dem Areal seien die Verhältnisse extrem schwierig. Es sei voller Eisenteile. „Wo es Verdachtspunkte gab, haben wir sondiert, aber nichts gefunden. Das war aus unserer Sicht die richtige Vorgehensweise.“ Er sicherte zu, sich am Montag mit Verantwortlichen der Stadt zusammenzusetzen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Genau so sieht es auch die Stadtverwaltung, wie Thomas Nägele vom Fachbereich Bürgerdienste erklärte.

Die Stadt Neu-Ulm zog am späten Nachmittag ein positives Fazit: Die Bevölkerung habe bis auf wenige Ausnahmen viel Verständnis und Geduld gezeigt. Dennoch gab es Vorfälle: Zwei Männer, 34 und 35 Jahre alt, seien uneinsichtig gewesen und wollten in den Gefahrenbereich. Beide wurden in Gewahrsam genommen, einer war per Haftbefehl gesucht. Eine 65-Jährige schlug auf die Polizisten mit einem Regenschirm ein, weil sie den abgesperrten Bereich betreten wollte.

Evakuierung und Entschärfung: Wer zahlt was?

Kosten Was die Evakuierung und Entschärfung gestern gekostet hat, weiß die Stadt Neu-Ulm nicht. Und wie hoch der Schaden durch Verdienstausfälle in den geschlossenen Geschäften, Büros und Arztpraxen ist, kann auch keiner beziffern. Thomas Hofmann, der Justiziar der Stadt Neu-Ulm, konnte auf Anfrage darüber aufklären, wer was bezahlt. Fürs Sondieren auf dem Baugrundstück sei der Bauherr zuständig, auch fürs Absichern nach dem Fund. Das Entschärfen durch die Kampfmittelbeseitiger werde der Freistaat Bayern übernehmen. Anders sieht es aus, was die Kosten für die Evakuierung betrifft. Dabei waren gestern 640 Kräfte im Einsatz. Etwa  die Hälfte waren Beamte auch der Bereitschaftspolizei in Eichstätt und Dachau. Diese Kosten, so Hofmann, trage der Freistaat. Was die Feuerwehr betrifft, sei die Stadt Neu-Ulm zuständig. Das Technische Hilfswerk, eine Bundeseinrichtung, und das Bayerische Rote Kreuz werden die Kosten zuerst einmal übernehmen, dann aber weiterleiten. Unklar ist, ob an die Stadt oder den Freistaat. In jedem Fall trägt der Steuerzahler die Kosten für den ganzen gestrigen Einsatz. Anders sieht es bei den geschlossenen Geschäften aus: Wer nicht zum Arbeiten gehen konnte, hat teilweise Urlaub oder Freizeitausgleich nehmen müssen. Die Lebenshilfe, die den CAP-Markt im Donaucenter betreibt, gab ihren Beschäftigten frei. Die Arthrosklinik verlegte Operationen auf den heutigen Samstag.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel