Kommentar Ulms neuer Theater-Intendant: Alles eingelöst

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Autorenfoto © Foto: Könneke Volkmar
Ulm / Jürgen Kanold 24.02.2018
Bei seiner Wahl zum Intendanten des Theaters Ulm hatte Kay Metzger ein solides Konzept vorgelegt. Sein erster Spielplan löst die Versprechen ein. Ein Kommentar.

Gewählt wurde Kay Metzger vom Gemeinderat als Intendant, weil er ein gediegenes Konzept vorgelegt hatte: weil er nicht nur mit großen Namen jonglierte, keine Heilserwartungen schürte, weil er konkret war, weil er sich auf Ulm einlassen wollte. Das alles hält Metzgers erster Spielplan.

Ob er mit Udo Zimmermanns Kammeroper „Weiße Rose“ an die Geschwister Scholl erinnern, mit dem Monolog „Judas“ am Spielort Ulmer Münster in die Debatte um die Erzengel-Skulptur eingreifen will oder eine „deutsche Wurstiade“ über den „Aufstieg und Fall des Uli H.“ in Auftrag gegeben hat – das zeigt, wie sehr es Metzger und seinem Team daran liegt, ein Theater der Bürger zu sein.

Es wird natürlich in der ersten Saison 2018/2019 eine Wagner-Oper des Wagnerspezialisten geben: „Der fliegende Holländer“. Und auch, wie bei der Wahl angekündigt, die zeitgenössische Oper „Written On Skin“ von ­George Benjamin, die Metzger schon 2012 preisgekrönt inszeniert hat. Beides sind Übernahmen aus dem Landestheater Detmold. Auch dass Metzger mit „Lucia di Lammermoor“ gleich eine Produktion seines Vorvorgängers Ansgar Haag aus Meiningen einlädt, spart Geld und Ressourcen, irritiert aber etwas. Aber dass Metzger das Theater in Ulm sofort neu erfinden will, hat niemand erwartet.

Nein, er muss mit seinem Ensemble zunächst ankommen, das Publikum gewinnen. Das kann er mit diesem Spielplan, er ist durchdacht,  verspricht Unterhaltung und Anspruch, lädt die ganze Bevölkerung ein. Die Titel aber sind längst nicht alles, es kommt darauf an, was die Regisseure, Dirigenten, Bühnenbildner mit dem Ensemble daraus machen. Vor allem der neue Ballettchef Reiner Feistel tritt ein schweres Erbe an. Die übernächste Saison 2019/2020 ist dann eine Jubiläumsspielzeit: 50 Jahre Ulmer Theater an der Olgastraße. Dann darf es richtig krachen!

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