Stadtentwicklung Stadtentwicklung: Ulms Grenzen des Wachstums

© Foto: Giacinto Carlucci
Ulm / Harald John 06.06.2017

CDU-Stadtrat Thomas Kienle ahnt, in welche Richtung sich Ulm entwickeln könnte: „Wenn wir nicht ausreichend Platz zur Verfügung stellen, werden wir in die Höhe wachsen.“ Mit Blick auf den Bedarf an Wohn- und Gewerbeflächen warnte Kienle im Bauausschuss von einer „dramatischen Lage“. So weit wollte Baubürgermeister Tim von Winning jedoch nicht gehen. „Wir haben zum Wohnen genügend Platz – das ist die gute Nachricht.“

Das sagte er bei der Vorstellung der aktuellen Entwicklung des Flächennutzungs- und Landschaftsplanes. Anders sehe es jedoch bei den Gewerbeflächen aus.

Zuzug aus Europas Osten

Die Zahlen, die Stadtplaner Volker Jeschek dem Ausschuss präsentierte, belegen die angespannte Situation des Wohnungsmarktes in der Boomregion Ulm. Vor allem in der Stadt sind viele Neubürger dazugekommen. Lag die Zahl der Zuzügler vor 2013 noch bei rund 400 Personen, stieg sie zuletzt an: Von 2013 (1150 neue Einwohner) über 2014 (1500) bis zum Jahr 2015 (1650). Dies, so die Statistiker, liege überwiegend an Neubürgern aus Süd- und Osteuropa aufgrund der Liberalisierung des EU-Arbeitsmarktes sowie an den Flüchtlingen und Asylbewerbern. Bei Personen deutscher Staatsangehörigkeit seien dagegen leichte Rückgänge zu verzeichnen.

Landesweit, so Stadtplaner Jeschek, sähen die Prognosen weniger Zuzug bis zum Jahr 2020 vor, Münchens Oberbürgermeister hingegen rechne mit „starkem Wachstum“. Für Ulm auf der Boomachse Stuttgart-München sei es richtig, mit allen Möglichkeiten zu kalkulieren. Mit Blick auf die künftige Schnellbahnstrecke sagte Jeschek: „Wenn der Zug mal fährt, werden wir Teil des Stuttgarter Wohnungsmarktes.“ Für Ulm bedeute das, „dauerhaft auf dem Gas zu bleiben.“ In einer großen Übersichtskarte haben die Stadtplaner akribisch vermerkt, wo die Bauarbeiter in den kommenden Jahren Gas geben können: Das größte Gebiet ist die Kohlplatte westlich von Söflingen, aber auch bei Grimmelfingen, Donaustetten und südlich von Wiblingen ist neues Wohnen geplant. Im Norden werden sich westlich von Lehr sowie im Norden von Böfingen die Baukräne drehen.

Prosperierende Region

Mit Blick auf diese Entwicklung sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Dorothee Kühne: „Wir sind gut mit unserem Wohnbauland umgegangen.“ Und es sei wichtig, dass die gesamte Region prosperiere. Für die Grünen zeigte sich Michael Joukov hingegen nachdenklich: „Wir werden in den Ortschaften eine Dichte und Urbanität haben, die man dort nicht gewohnt ist.“ Es müsse mit Beschwerden gerechnet werden.

Folgt man den Berechnungen des Statistischen Landesamtes und der Ulmer Bevölkerungsvorausrechnung vom Juli 2016, sind die Stadt Ulm und Blaustein die Boom-Regionen. In den anderen Ortschaften rechnen Statistiker mit Stagnation.

Bei Gewerbeflächen wird es eng

Jobmaschine Ulm: Um 24 Prozent oder 17.000 Personen hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen in den vergangenen 16 Jahren in Ulm erhöht. Deshalb ist die Nachfrage der Betriebe nach Gewerbeflächen unverändert hoch.

Eine neue Strategie sollte nach Meinung der Stadtpolitik vor diesem Szenario diskutiert werden. „Irgendwann müssen wir darüber sprechen, welche Betriebe welche Flächen bekommen werden“, sagt Baubürgermeister Tim von Winning.

Der geplante Wegzug der Firma Mayer aus der Ulmer Oststadt nach Senden war ebenfalls Thema. Der Firma sei in mehreren Gesprächen eine neue Fläche angeboten worden, so von Winning. Man habe sich jedoch nicht einigen können.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel