Geduld: Die mussten all jene mitbringen, die am Samstag vor Pfingsten beim „Ulmer Zelt-Flohmarkt“ in der Friedrichsau Dinge verkaufen wollten. Staus und Wartezeiten von zwei bis drei Stunden ließen bei manchem den Geduldsfaden reißen, zumal viele bereits seit halb fünf Uhr morgens in der Warteschlange auf dem Gelände des Ulmer Zelts gestanden hatten.

Was besonders schlecht ankam, war jedoch, dass Anbieter, die sich nach Stunden im Stau bis zur Schranke vorgekämpft hatten, abgewiesen wurden, während hinter ihnen stehende Beschicker durchgewinkt wurden. Ging es etwa nicht mit rechten Dingen zu? Wurden manche bevorzugt?

Mitarbeiter des Ulmer Zelts beim Flohmarkt bevorzugt?

Diese Vorwürfe erheben zumindest zwei Frauen gegenüber der SÜDWEST PRESSE. Isa Fauss sagt, „dass mir so etwas in all den Jahren noch nicht passiert ist“. Der Flohmarkt sei zwar öffentlich, doch offenbar hätten die Veranstalter „Leuten mit Vitamin B“ Sonderrechte eingeräumt. Sprich: Zelt-Mitarbeiter, aber auch deren Freundesfreunde hätten auch dann noch durchfahren und ihre Stände aufbauen dürfen, als für die breite Masse schon alles dicht gewesen sei. „Ein Ordner hat uns auf ziemlich arrogante Weise wissen lassen, dass 120 Zeltmitarbeiter beziehungsweise deren Angehörige separat als Aufsteller zugelassen seien und sich nicht anstellen müssten.“

Auch Andrea Putz macht ihrem Ärger nachträglich Luft. „Ich verkaufe schon seit vielen Jahren auf diesem Flohmarkt, aber was ich diesmal erlebt habe, war der Gipfel der Unverschämtheit“, sagt die Ehingerin. Etwa jeder dritte Beschicker sei abgewiesen worden, „aber für bestimmte Gesichter hat die Durchfahrt geklappt“.

Adrian Büsselmann, Sprecher des den Flohmarkt veranstaltenden „Ulmer Zelt-Vereins“, hält die Anschuldigungen für deutlich überzogen und spricht von einem „optischen Problem“. Geöffnet worden  sei um sechs Uhr in der Frühe, die mehr als 300 Standplätze vergebe man seit Jahr und Tag nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Nur ein kleiner Bereich von genau 30 Plätzen sei Zelt-Mitarbeitern vorbehalten, die sich tatsächlich nicht schon im Morgengrauen anstellen müssten. „Viele unserer Ehrenamtlichen arbeiten bis nachts um zwei, die dürfen dann auch gerne erst um acht Uhr kommen.“

Gleichwohl räumt auch Büsselmann ein, dass der Andrang am Pfingstsamstag außergewöhnlich hoch war. „Mit so vielen Anbietern hatten wir nicht gerechnet, in den Vorjahren gab es ja auch nie nennenswerte Probleme.“ Schon um kurz nach sieben sei der Platz diesmal voll gewesen, „wir mussten an die 100 Fahrzeuge wieder wegschicken“. Woran es gelegen hat, vermag Büsselmann nicht zu sagen. Allerdings beobachtet er, „dass die Leute von Jahr zu Jahr früher aufstehen“.

Beim Ulmer Zelt wird über ein Anmeldesystem nachgedacht

Gesprächsbedarf sieht man ob der jüngsten Ereignisse allerdings auch beim Ulmer Zelt. „Wir müssen da wohl was tun“, sagt Büsselmann. Möglicherweise werde es für den nächsten Flohmarkt im kommenden Jahr ein wie auch immer geartetes Anmeldesystem geben. „Aber das ist ein schmaler Grat.“ Man wolle nämlich auf jeden Fall vermeiden, dass vorher fest vergebene Plätze nicht in Anspruch genommen würden – etwa weil es regnet. „Dann kommt womöglich kaum einer, und das wollen wir vermeiden.“

Das könnte dich auch interessieren:

Schwäbisch Hall

Edelfummel nur mit Anmeldung 


Anbieter Zweimal im Jahr – im Frühjahr und im Herbst – veranstaltet der Inner Wheel Club seinen „Edelfummelflohmarkt“ im Roxy. Auch dort übersteige die Zahl der Anbieter regelmäßig die Zahl der zu vergebenden 42 Plätze, sagt die Ulmer Inner-Wheel-Club Präsidentin Uta Woernle. „Wir hatten auch schon bis zu 70 Bewerber.“  Um Frust zu vermeiden, setzten die Veranstalter seit jeher auf ein Anmeldeverfahren. Für den nächsten Termin am  26. Oktober etwa kann man sich von 15. August bis 20. September anmelden.

Formular Anmeldeformulare gibt es ab 15. August auf der Homepage des Clubs, frühere Anmeldungen werden nicht berücksichtigt.