Preis Ulmer Wissenschaftler trotz verpassten Zukunftspreises stolz

Dipl.-Ing. Manuel Michel, Dr.-Ing. Patrick Izquierdo, Dipl.-Ing. (FH) Bernd Zapf (von links nach rechts).
Dipl.-Ing. Manuel Michel, Dr.-Ing. Patrick Izquierdo, Dipl.-Ing. (FH) Bernd Zapf (von links nach rechts). © Foto: Deutscher Zukunftspreis
Christoph Mayer 30.11.2016

Hochspannung bis zur letzten Sekunde: Nicht einmal Joachim Gauck weiß, welches der drei nominierten Teams den „Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten“ gewinnen wird, als Jury-Vorsitzender Prof. Ferdi Schüth ihm am Mittwoch kurz vor 19 Uhr den verschlossenen Umschlag in die Hand drückt. Das Staatsoberhaupt kann seinen Satz dann nicht mal zu Ende sprechen, er geht im Applaus des Publikums unter. Daimler-Ingenieur Dr. Patrick Izquierdo, Sprecher des Ulmer Teams, hat in diesem Moment allerdings schon eine richtige Vorahnung, wie er später erzählt. „Ich habe gesehen, wie alle Fernsehkameras plötzlich in Richtung des Dresdner Teams schwenkten. Da war mir klar: Der Preis geht nicht an uns.“

Von Enttäuschung dennoch keine Spur: Izquierdo und seine beiden Mitstreiter Manuel Michel und Bernd Zapf ist der Stolz anzusehen. „Schon die Nominierung ist eine Auszeichnung, ich gönne unseren Mitbewerbern den Preis von ganzem Herzen“, sagt Izquierdo, und klappt die Urkunde auf: „Sie sind in den Kreis der drei Besten aufgenommen“, steht da, und dass Gauck noch ein paar persönliche und tröstende Worte findet, tut ein Übriges. Was er gesagt hat? „Dass mehr Ingenieure in die Politik gehen sollten“, verrät der Daimler-Ingenieur und grinst.

Der Deutsche Zukunftspreis, 1997 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog ins Leben gerufen und seither jährlich vergeben, gehört zu den wichtigsten Wissenschaftsauszeichnungen in Deutschland. Er ist mit 250 000 Euro dotiert, ihn erhält, wer ausgehend von exzellenter Forschung überzeugende und marktfähige Produkte entwickelt. Das gilt in diesem Jahr einmal mehr für alle Nominierten. Izquierdo und sein Team haben einen reibungsarmen Zylinder gebaut (wir berichteten). Der Energieverlust in diesem Teil des Motors wird dadurch um etwa die Hälfte reduziert. Keine Peanuts: Würden alle Fahrzeuge weltweit mit der sparenden Technik ausgerüstet, ginge der CO2 – Verbrauch um eine Milliarde Tonnen jährlich zurück, haben die Forscher berechnet. Gleichwohl: Ist das im Zeitalter der aufkommenden Elektromobilität wirklich eine so zukunftsträchtige Erfindung, will Maybrit Illner wissen, die die Preisverleihung moderiert. Ja, sagt Izquierdo. Auch er ist ein Freund von Batterie-Autos. Aber er ist auch Realist und weiß: „Bis zur Umstellung auf Elektromobilität vergehen noch ein paar Jahre.“ Jährlich werden 95 Millionen Neuwagen produziert, fast alle mit konventionellen Motoren. Und um nicht weniger gehe es: sehr viele Motoren sehr viel umweltfreundlicher zu machen. Das gemeinsam mit der Nürtinger Maschinenfabrik Heller entwickelte und patentierte Verfahren namens Nanoslide wird übrigens nicht nur von Daimler verwendet. Izquierdo: „Die ganze Welt soll von unserer Idee profitieren.“

Das trifft auch auf das Münchner Team um Dr. Carsten Setzer zu. Gemeinsam haben Forscher von BMW und Osram den weltweit ersten Autoscheinwerfer mit Laserlicht entwickelt. Er kann die Sicht von Autofahrern bei Dunkelheit signifikant verbessern – und so das besonders nachts hohe Unfallrisiko verringern.

Das Sieger-Team um den Dresdner Ingenieur Prof. Manfred Curbach hat nicht minder dicke Bretter gebohrt. Es hat eine robuste Alternative zum korrosionsanfälligen Stahlbeton geschaffen: Carbonbeton. Er ist langlebig, umweltschonend und vielfältig einsetzbar.

Gauck sagt zum Schluss, was er an allen drei Teams besonders schätzt: Dass die beteiligten Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen und sich für ihr jeweiliges Projekt zusammengetan, über den eigenen Tellerrand geblickt haben. Es klingt ein bisschen wie ein Vermächtnis. Auch er genießt den Applaus. Es ist schließlich das letzte Mal, dass er den Zukunftspreis verleiht.