Mit dem Umzug von Abt in die Hirschstraße geht an diesem Samstag eine 140-jährige Geschichte am Ulmer Münsterplatz zu Ende. Eigentümer Erwin Müller verlagert das Traditionskaufhaus in das ebenfalls ihm gehörende ehemalige Domizil von K+L Rupert. Was aus Abt wird, ist derweil völlig ungewiss. Von Abriss und Neubau bis hin zu einer Kernsanierung ist vieles vorstellbar. Doch in der Müller-Zentrale in Jungingen gibt man sich bedeckt. „Aktuell gibt es nichts, was wir an Informationen an die Öffentlichkeit geben können“, heißt es dort.

Noch kein Bauantrag für Gebäude am Münsterplatz

So weiß auch bei der Stadtverwaltung niemand so genau, in welche Richtung es gehen wird. Baubürgermeister Tim von Winning spricht zwar davon, dass es Gespräche gebe, die auch sehr konstruktiv seien, ein konkreter Bauantrag aber liegt der Stadtverwaltung nicht vor. Und auch von irgendwelchen Absichten Müllers ist im Rathaus derzeit noch nichts bekannt. Von Winning: „Das ist natürlich ein wahnsinnig wichtiger Ort in der Stadt. Das Gebäude begrenzt einen der wichtigsten Plätze. Da wird man sich schon intensiv damit beschäftigen müssen.“

Verschiedentlich kursierten in der Vergangenheit Überlegungen, wonach der Drogerist an Stelle des alten Abt-Baus eine komplette Neubebauung des gesamten Gevierts mitsamt einer großen öffentlichen Quartiersgarage favorisiere. Allerdings hat die Stadt da schon mal vorsorglich signalisiert, dass Zu- und Ausfahrt in dem engen Viertel schwierig sei. Der Baubürgermeister rät in diesem Zusammenhang zu einem Gutachten, um vernünftig planen zu können. Wie auch immer die Pläne aussehen werden, es wird noch lange dauern, bis sich an der prominenten Stelle an der Ecke zur Platzgasse etwas tut.

Wie lange können sich Stadt und Handel Leerstand leisten?

Allein das Verfahren von der Einreichung eines Bauantrags bis zum Baubeginn dauert mehrere Monate. Die Frage ist, wie lange sich Stadt und Innenstadthandel einen Leerstand leisten können. Immerhin war Abt mit seiner Tradition und seinem breiten Angebot ein wichtiger Frequenzbringer, von dem die ganze Innenstadt profitiert hat. Von Winning glaubt aber an das kaufmännische Interesse Müllers, das Abt-Gebäude bis zu einer endgültigen Entscheidung zu nutzen. „Ich habe schon die Hoffnung, dass es keinen langen Leerstand geben wird.“

Jetzt aber geht die Zeit am Münsterplatz zu Ende. Die Abt-Abteilungen haben bereits mit dem Zusammenpacken begonnen, auch wenn am Samstag der letzte Verkaufstag am alten Standort ist. Von Montag an soll die Ware per Lkw oder Rollcontainer ins K+L-Gebäude transportiert werden. Alles werde mit Bordmitteln gestemmt, sagt Abt-Filialleiter Thomas Jacobi. Also mit Beschäftigten von Abt oder Müller. Was im alten Abt-Gebäude noch verbleibt, ist die Tavola-Kochschule. Ansonsten gehen alle 110 Beschäftigten bei Abt (Vollzeit-, Teilzeit- und Pauschalkräfte) mit in die Hirschstraße.

Auf einen Ausverkauf der Ware hat Abt verzichtet. Nur vereinzelte Artikel werden am Samstag noch im Abt-Untergeschoss verbilligt angeboten. Dort hatte Abt schon länger einen Schnäppchenmarkt eingerichtet für Angebote, die nicht so gut gelaufen sind. „Das Meiste werden wir eins zu eins im  neuen Haus übernehmen.“ Dort ist die Verkaufsfläche mit etwa 4300 Quadratmetern etwas kleiner als im Abt-Gebäude mit 5000 Quadratmetern. Fast alle Sortimente gingen mit Ausnahme der Gartenmöbel mit. Das Geschäft werde man in Zukunft dem Möbelfachhandel überlassen.

Die direkte Nähe zum angestammten Müller-Kaufhaus schräg gegenüber in der Hirschstraße sieht Jacobi entspannt: „Wir werden sehen, wie der Verbraucher reagiert.“ Ansonsten habe man sich darauf eingerichtet, dass es für Abt im K+L-Haus längerfristig weiter geht. Für den  Start im neuen Gebäude gewährt Müller einen „Willkommensrabatt“ von zehn Prozent. Und zwar in der Zeit vom 25. bis 27. Juli.

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Lange Tradition am Münsterplatz


Haushaltswaren 1879 hat das Kaufhaus Abt am Münsterplatz seine lange Geschichte begründet, die jetzt am Wochenende zu Ende geht. Begonnen hatte Carl Abt zunächst mit Eisenwaren. Im Laufe der Jahre verbreiterte sich das Angebot immer mehr. Schließlich wurde Abt mit der im Obergeschoss untergebrachten Kochschule Tavola und dem Glockenspiel an der Außenfassade nicht zuletzt auch ein Touristenmagnet. Vor allem die Eisenwaren-Abteilung im Untergeschoss haben eine Vielfalt an Schrauben und Kleinstgegenständen feilgeboten, wie sie weithin nicht zu finden waren. Müller hatte das Gebäude erst im August 2017 vom Vorbesitzer Hermann Hutter gekauft.