Abkühlung für Tiere Ulmer Tiergarten: Auch Fische kämpfen mit Hitze

Der Nandu ist auch bei dieser Hitze frech und neugierig.
Der Nandu ist auch bei dieser Hitze frech und neugierig. © Foto: Amrei Groß
Ulm / Mareike Hauser 02.08.2018
Nicht nur die Menschen stöhnen bei den aktuellen Temperaturen: auch viele Tiere im Ulmer Tiergarten suchen Abkühlung.

„Den meisten Tieren geht es nicht anders als den Menschen.“, erzählt Stefanie Kießling, Sachgebietsleiterin des Tiergartens. „Die Affen, Laufvögel oder auch der Braunbär haben mit der Hitze zu kämpfen .“ Und das sieht man auch: Affen faulenzen in Hängematten oder lassen sich erst gar nicht blicken, Laufvögel sitzen gemütlich am Boden und der Braunbär zieht sich in sein Haus zurück. Es herrscht viel Ruhe im Außengehege des Zoos. Zur Abkühlung bekommen die Tiere viel Wasser: Sprenkelanlagen, kleine Wasserbecken oder tiefgefrorenes Wasser mit Futter.

Seit 2008 bietet der Donautunnel ein besonderes Erlebnis für Fisch und Mensch.
Seit 2008 bietet der Donautunnel ein besonderes Erlebnis für Fisch und Mensch. © Foto: Amrei Groß

Warmes Wasser wird zur Gefahr

Während sich die einen Tiere über Wasser als Abkühlung freuen, schwimmen die anderen ihr Leben lang im kühlen Nass. Das ist allerdings nicht immer so erfrischend, wie es sich anhört. Die Aquarien der Fische erwärmen sich bei den hohen Temperaturen – und das wird für einige Tiere gefährlich. Denn warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff als kaltes. Die Fische sind mehr damit beschäftigt, Sauerstoff aufzunehmen und werden dadurch inaktiver. Jede Fischart geht mit Wärme unterschiedlich um. Einheimischen Fische mögen eine Wassertemperatur von circa 10° bis 17° Celsius. Daher sorgt Tierpfleger Thomas Kellhofer für „Wohlfühlzonen“ im Donautunnel, dem größten Aquarium des Ulmer Tiergartens. An verschiedenen Ecken kann er frisches, 8 Grad Celsius kaltes Brunnenwasser hineinlaufen lassen und so verschiedene Zonen schaffen. Einheimische Fische wie Welse, Hechte oder Karpfen können dann nach Belieben durchs Becken schwimmen. Pro Stunde laufen im Sommer 50.000 Liter Wasser durch das 280.000 Liter umfassende Aquarium. „Den Fischen im Donautunnel geht es gerade besser als den Fischen in der Donau.“, erklärt Kellhofer. Denn die Donau führt derzeit sehr wenig Wasser. Dadurch fließt sie langsamer und die Wassertemperatur steigt. Von „Wohlfühlzonen“ können die Fische dort also nur träumen.

Die Axolotl im Ulmer Tiergarten haben sogar eine eigene Kühlung.
Die Axolotl im Ulmer Tiergarten haben sogar eine eigene Kühlung. © Foto: Amrei Groß

Axolotl genießen das kalte Nass

„Am besten erwischt haben es die Axolotl“, meint Thomas Kellhofer. Die wärmeempfindlichen mexikanischen Schwanzlurche haben in ihrem Aquarium seit zwei Jahren eine eigene Kühlung. Auf 17,4° Celsius wird das Wasser gerade gesenkt: die Axolotl können also weiterhin ganz entspannt und nahezu reglos im Wasser verweilen.

„Wärmer dürfe es nicht werden“

Schwieriger gestaltet sich die Abkühlung bei Seewasserfischen. Nur sehr zaghaft kann das Wasser durch kälteres ersetzt werden, da die Tiere stehendes Wasser gewöhnt sind. Mit einer Raumlüftung und der Befeuchtung der Böden versuchen die Tierpfleger, die allgemeine Raumtemperatur zu senken, um so auch die Wärme in den Aquarien gering zu halten. „Wärmer dürfe es nicht werden.“, betont Thomas Kellhofer jedoch besorgt.

Die Perleidechsen sind bei hohen Temperaturen besonders hungrig und aktiv.
Die Perleidechsen sind bei hohen Temperaturen besonders hungrig und aktiv. © Foto: Amrei Groß

Freude bei wechselwarmen Tieren

Ganz anders geht es den Tieren in der Terraristik: Die Eidechsen, Schildkröten, Schlangen und Insekten werden bei Wärme aktiver. „In der Terraristik stehen alle auf Sonne.“, erzählt Tierpflegerin Katrin Walch. Die beiden Perleidechsen sonnen sich und fressen bei diesen Temperaturen mehr als sonst. Auch die griechischen Landschildkröten rennen geradezu auf ihre Pflegerin zu und klettern ihr auf den Schoß, um noch mehr Leckereien abzubekommen. „Schweißtreibend ist es bei dieser Hitze nur für mich, da bin ich froh, wenn ich die Wasserbecken frisch machen kann.“ , stöhnt Walch.

Mehr Platz für die Tiere

Knapp 2000 Tiere aus 200 Arten leben im Ulmer Tiergarten. Die Anzahl soll allerdings in den nächsten Jahren eher verringert werden, damit alle Tiere mehr Platz haben, berichtet Biologin Stefanie Kießling. Im Moment heißt es also für Tier und Mensch: ab in den Schatten.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel