Vor nicht ganz drei Jahren wurde der Braunbär „Cheppo“ mit fast 28 Jahren eingeschläfert, vor kurzem seine Schwester „Susi“ im Alter von fast 31 Jahren. Damit hat Ulm in der Friedrichsau seit 1939, also seit 80 Jahren, keinen Braunbären mehr. Werden wieder Bären einziehen in das erst 2003 gebaute Gehege mit mehr als 2700 Quadratmetern Freifläche, Badeteich und Innenboxen für die Winterruhe? Denn nachdem Cheppo gestorben war, hieß es damals, weitere Bären werde es im Ulmer Zoo nicht mehr geben.

Kein Asyl für Problembären

Die Trauer ist noch groß unter den Tierpflegern, so dass Tiergartenleiterin Stefanie Kießling nur sagen kann: „Die Ära Braunbären in Ulm macht erst einmal eine Pause.“ Ob in das Gehege wieder welche einziehen oder andere Tierarten, sei noch unklar. Sicher ist nur eins: „Von Bayern eingewanderte Problembären werden wir nicht aufnehmen.“

Christian Giers, Leiter der zuständigen Abteilung Grünflächen, kann ebenfalls nichts Konkretes sagen. „Derzeit beschäftigt uns noch das Abschiednehmen von Susi. Grundsätzlich ist auch wieder ein Braunbär denkbar, genaues wissen wir aber noch nicht.“

„Ulm braucht keine Bären“

Was sagen Ulmer Tierschützer dazu? Denn sie hatten sich jahrelang dafür eingesetzt, bis endlich das Geschwisterpaar Susi und Cheppo am 10. September 2003 vom alten Betonzwinger in der Nähe des Forts ins neue Gehege beim Tiergarten umziehen konnte. Pedro de la Fuente von der Aktionsgruppe Biber findet: „Ulm hat weder in der Vergangenheit Bären gebraucht, noch braucht es Bären in der Zukunft. Oder hat sie jemand in letzter Zeit vermisst?“

Nicht mehr zeitgemäß

In dem Gehege sollten nach Auffassung der Aktionsgruppe auch keine anderen Tiere „zur Schau gestellt werden“. Das sei nicht mehr zeitgemäß. Aber: „Wir könnten uns dort allenfalls die Unterbringung beschlagnahmter Tiere vorstellen, bei denen eine Rückführung in ihre Ursprungsländer für die Tiere selbst unzumutbar ist.“

Dagmar Kaufmann-Widder, die erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Ulm/Neu-Ulm, geht noch weiter: „Nein, Ulm braucht keine Wildtiere in Gefangenschaft, deren Lebensraum auf ein paar Quadratmeter beschränkt ist.“ Bären aus tierschutzwidrigen Haltungen fristeten ein jämmerliches Leben, etwa als Attraktion einer Gaststätte oder in viel zu engen Käfigen oder Betongräben kleiner Tierparks.

Große Anziehungskraft

Der Ulm/Neu-Ulmer Tourismus-Chef Wolfgang Dieterich bringt eine etwas andere Sichtweise ein. Zu einem attraktiven Tiergarten gehören seiner Meinung nach auch Lebewesen, „die etwas spektakulärer sind als Fische oder die üblichen Streichelzoo-Tiere“. Die Bären im Ulmer Zoo hätten jedenfalls eine hohe Anziehungskraft – auch auf Touristen – ausgeübt. Der Tourismus-Geschäftsführer spricht sich zwar gegen Exoten aus: „Elefanten und Tiger wären unpassend.“ Dass im Gehege künftig wieder Bären angesiedelt werden könnten, hält er aber nicht für ganz abwegig. Denkbar seien für ihn alle Tiere, die in der weiteren Region heimisch sind oder wieder werden, zum Beispiel auch Wölfe.