Ulm / Helmut Pusch

Der Jugendpreis der Händel-Gesellschaft Karlsruhe ist seit 20 Jahren eine feste Größe. Der Wettbewerb wird vom SWR, dem Badischen Staatstheater und der Karlsruher Musikhochschule unterstützt, die Jury ist jedes Mal namhaft besetzt. Kein Wettbewerb also, an dem man eben mal so teilnimmt – sollte man meinen.

22 Musiker der Sinfonietta des Humboldt-Gymnasiums tun jetzt aber eben gerade dies. Sie und ihr Dirigent Christoph Kächele haben sich spontan angemeldet. Am Samstag spielen sie in Karlsruhe im Wettbewerb, morgen, Donnerstag, 18 Uhr, präsentieren sie im Konzertsaal der Musikschule ihr Wettbewerbsprogramm: Händels „Wassermusik“.

Ensemble für die kleine Bühne

Wie es zur Teilnahme am Jugendpreis kam? „Das Kultusministerium hatte uns gebeten, seine Weihnachtsfeier mitzugestalten“, erzählt Christoph Kächele. Das Problem: Die Bühne im Ministerium war zu klein für die komplette Sinfonietta. Kächele und die Hälfte seiner Musiker studierten einige Sätze aus Händels „Wassermusik“ für den festlichen Anlass am 16. Dezember in Stuttgart ein.

Und just einen Tag vor dem Konzert trudelte beim Dirigenten eine E-Mail ein, die Ausschreibung für den Jugendpreis der Händel-Gesellschaft Karlsruhe. Kächeles Idee: Wenn man schon ein Barock-Ensemble gebildet hat, das bereits Händels Musik einstudiert hat, dann könnte man doch auch . . .

Kächele fragte seine Musiker, und die beschlossen spontan, am Wettbewerb teilzunehmen. Das Problem: „Wir hatten zwar fürs Ministerium fünf Sätze aus den Wassermusik-Suiten einstudiert, aber das reichte nicht. In Karlsruhe brauchen wir mindestens 20 Minuten Programm“, erklärt Kächele. Die Sinfonietta-Musiker waren bereit, sich den Rest in den Weihnachtsferien draufzuschaffen.

Bis Montag waren sie in Roggenburg auf einer Orchesterklausur, morgen werden sie das Wettbewerbsprogramm, die kompletten Sätze der Wassermusik-Suiten 2 und 3, im Konzertsaal der Musikschule spielen – als Generalprobe vor dem Wettbewerb in Karlsruhe. Übrigens ohne Dirigenten, denn der sitzt am Cembalo, um für den Basso Continuo zu sorgen. Was eigentlich gegen die Statuten des Wettbewerbs verstößt, denn Erwachsene dürfen beim Jugendpreis nicht um Punkte spielen. Doch in diesem Punkt hat sich Christoph Kächele schon im Vorfeld abgesichert. „Ich habe ihnen erklärt, dass ich auf die Schnelle dafür keinen Schüler finde. Und die haben das akzeptiert – wohl auch, weil das dadurch ausgeglichen wird, dass wir dann ohne Dirigenten antreten.“ Helmut Pusch