Es gibt fast nichts, was man in Pinnns nicht reinstecken könnte: Zwischen die Schaumstoffnoppen, die an einer Plastikplatte an der Wand hängen, passen Stifte, Handy, Schlüssel, Regenschirme, Gehstöcke, Kopfhörer, Schraubenschlüssel, Zahnbürsten.

Die Idee für das erweiterbare Ordnungssystem stammt von Ihab Fleega. Der 44-jährige gebürtige Iraker bewarb sich mit Pinnns bei Regionalwettbewerb des Elevator Pitch. Am Freitag, 23. Februar, wird er gegen neun weitere Jungunternehmer antreten und seine Pinnns präsentieren.

Aus dem Irak geflohen

Fleega studierte in seiner Heimatstadt Bagdad Maschinenbau, 2002 floh er mit seiner Familie vor dem Krieg nach Deutschland. „Ich war davor bereits im Urlaub hier. Die Landschaft ist so schön, Zuhause ist alles voller Wüsten und ein paar Bäume dazwischen“, erzählt Fleega und lacht. Er arbeitete zunächst einige Jahre als Schlosser in einer Firma im Donautal, später als Lieferant. Nachdem die Firma dicht machte, ist Fleega seit Anfang des Jahres in einer Auffanggesellschaft. Er sucht derzeit wieder nach einem Job als Schlosser, seine freie Zeit fließt derweil in die Vermarktung seiner Pinnns.

Dafür ließ er vor vier Monaten 1000 Stück seiner Pinnns herstellen, die er nun auf Messen und in seinem Online-Shop vertreibt. Die Plastikteile lässt Fleega in der Türkei fertigen, die Verpackung und der Schaumstoff werden in Deutschland hergestellt. Den ersten Auftritt hatten seine Pinnns vergangenen November auf der Messe Desingliebe in Neu-Ulm. Die Idee entstand allerdings schon im April 2013. Damals kam Fleega vom Salsa tanzen nach Hause. Er wollte schnell duschen und dann ab ins Bett. Doch der Duschkopf war ihm ständig im Weg, er konnte ihn nirgends ablegen. „Das hat mich genervt“, erinnert er sich. Endlich im Bett kam ihm eine Idee, die er schnell aufzeichnete. „Am nächsten Tag ist mir die Zeichnung dann wieder eingefallen.“ Aus dem nächtlichen Einfall entwickelte er in wenigen Wochen ein Produkt, an dem er seinen Duschkopf flexibel anbringen konnte – Pinnns war geboren. „Ich merkte aber schnell, dass ich damit alles Mögliche aufbewahren kann“, erzählt Fleega. Kurzentschlossen patentierte er seine Idee.

Doch dann ging es nur schleppend voran: Dreieinhalb Jahre kämpfte er mit der Bürokratie, bis er im Mai 2017 die Firma Fleega Solutions UG gründete. Das Startkapital ermöglichte ihm ein Bankkredit. Gemeinsam mit einer Designagentur entwickelte er die Verpackung, die Internetseite mit Online-Shop und das Logo. „Der Name kommt daher, dass man Dinge an die Wand befestigen, also pinnen, kann“, sagt Fleega. Die drei n’s im Namen sind angelehnt an die Form von einer Reihe mit drei Schaumstoffnoppen. „Mit dem Aussehen der Pinnns wollte ich in Richtung der Arbeiten der Ulmer Hochschule für Gestaltung: praktische Erfindung mit schlichtem Design“, sagt Fleega. Mittlerweile hat er über 100 000 Euro in die Idee gesteckt.

Wie soll es weitergehen? „Wenn ich sie alleine vermarkte, wird es wohl viele Jahre dauern bis ich davon leben kann“, sagt Fleega. Sein Ziel ist es, dass Investoren in sein Unternehmen einsteigen oder ein Interessent die Lizenzen kauft. „Pinnns sind multifunktional. Sie können im Industriebereich, im Automobilbereich, in der Logistik, in der Hygiene oder in der Schifffahrt verwendet werden“, sagt Fleega. Pinnns könnten beispielsweise am Bett eines Patienten angebracht werden, um dort die Krücken griffbereit aufzubewahren.

Beim Elevator Pitch will Ihab Fleega Bekanntheit. „Ich brauche aber keinen ersten Platz, um von meinem Produkt überzeugt zu sein“, sagt er und grinst.

Regionale Startups messen sich beim Gründertag


Elevator Pitch Am Freitag, 23. Februar, 14.45 Uhr, findet beim Gründertag der Industrie- und Handelskammer Ulm der Elevator Pitch statt. Der Regionalwettbewerb wird vom baden-württembergischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit ausgerichtet. Die zehn Firmen mit den meisten Stimmen beim Online-Voting werden am Freitag ihre Idee in jeweils drei Minuten vorstellen: etwa die Zeit einer Aufzugfahrt. Preisgeld: 500 Euro.

Teilnehmer Diese Start­ups treten gegeneinander an: Dombi3D, Voltimer, become-a-pro GmbH, R-IoT UG, Rythmica, ClipCase, AntsInPants Tours und das Büro für Markenentwicklung, Kommunikation, Markenerlebnisse.