„Der 17. Dezember 1944 ist Teil der Ulmer DNA.“ Der Journalist Rudi Kübler hat sich viele Jahre lang mit dem Tag der Zerstörung Ulms beschäftigt, weil das Thema „die Menschen immer noch bewegt“. Nun war es „höchste Zeit, die Erinnerungen der Zeitzeugen festzuhalten“, sagte er am Sonntag im mit rund 300 Besuchern vollbesetzten Stadthaus bei der Vorstellung seines Buchs „17. Dezember 1944. Die Zerstörung Ulms“.

Im Gespräch mit Michael Wettengel vom Stadtarchiv berichtete der SWP-Redakteur über seine Recherchen in den Quellen des Archivs und seine Gespräche mit den Zeitzeugen und deren „sehr wache Erinnerungen. Mich haben diese Begegnungen berührt.“ Ausdrücklich nannte er Fritz Glauninger, Karl Gross und den inzwischen verstorbenen Reinhold Settele.

100.000 Bomben fielen in einer halben Stunde

In 38 Kapiteln zeichnet Kübler das dramatische Geschehen und die Folgen der Bombennacht – „das war das reine Inferno“ – anhand der persönlichen  Erlebnisse nach. 100.000 Bomben fielen damals in einer knappen halben Stunde auf Ulm. Sie entfachten einen gigantischen Feuersturm. „Es gab damals schon Feuerwehr, doch die konnte nicht viel ausrichten“, machte Kübler deutlich. Zwar setzten sich noch am Abend Löschgruppen aus 76 Orten der näheren und weiteren Umgebung (bis aus Augsburg und Friedrichshafen) in Bewegung, aber sie waren angesichts des Ausmaßes des Flächenbrands in der Altstadt ohnmächtig.

Außerdem waren Straßen und Wasserleitungen zerstört. „Einer solchen Katastrophe gegenüber musste alle Organisationskunst versagen“, zitierte Kübler eine Quelle aus dem Stadtarchiv.

Mehr als 700 Ulmer Frauen, Männer und Kinder tot

Die schmerzliche Bilanz des Bombenhagels am 17. Dezember waren mehr als 700 Ulmer Männer, Frauen und Kinder, die ihr Leben verloren hatten, und eine zu 80 Prozent zerstörte Altstadt.

Die Zeitzeugenberichte des Buchs umfassen auch die folgenden Tage, Wochen und Monate bis Ende April 1945.

Im Rahmen der Veranstaltung im Stadthaus gab es auch einen Vortrag. Dietmar Süß, Inhaber des Lehrstuhls für Neueste Geschichte der Uni Augsburg, sprach über den Luftkrieg und die Art, wie die Länder Europas ihre Erinnerung daran gestalten. „Der Luftkrieg hat in Ulm und vielen Städten Europas tiefe Spuren hinterlassen“, sagte Süß. Das betraf nicht nur das ungeheure Ausmaß der Zerstörungen, sondern das Erleben der Menschen, „die sich in permanentem Ausnahmezustand befanden“. Die „kollektive Verlusterfahrung“ habe auch dazu geführt, dass sich die Menschen nach 1945  als „Opfergemeinschaft“ verstanden und an vielen Orten eine besondere Erinnerungskultur entstanden ist – so auch in Ulm.

Info Das Buch „17. Dezember 1944. Die Zerstörung Ulms“ von Rudi Kübler, erschienen im Verlag Klemm + Oelschläger, ist erhältlich im Buchhandel und im Stadtarchiv für 17,80 Euro.
Für das multimediale SWP-Storytelling-Projekt „Die Nacht der 100 000 Bomben“ im Jahr 2014 haben Rudi Kübler und Christine Liebhardt den Theodor-Wolff-Preis bekommen.