Jetzt sangen sie doch noch im Freiburger Konzerthaus: beim Preisträgerkonzert des Deutschen Chorwettbewerbs. Am Himmelfahrtstag waren die Ulmer Spatzen zunächst im akustisch eher suboptimalen Forum Merzhausen angetreten, wo sich die besten Mädchen- und Jugendchöre (gleiche Stimmen, Kategorie D2) der Jury stellten. Dann mussten sie warten bis Samstagmittag. Dass der Jugendchor eine tolle Leistung geboten hatte, war klar. Aber wie urteilte die Jury? Riesenjubel bei der Ergebnisbekanntgabe: 23 von 25 Punkten, ein 1. Preis. Keiner ist deutschlandweit besser, der Kinder und Jugendchor der Landeshauptstadt Magdeburg aber wurde ebenfalls mit 23 Punkten bedacht.

Na ja, dass sein Chor erfolgreich sein würde, hatte Dirigent Hans de Gilde bereits am Freitagabend erfahren, per Telefon. Das Organisationsteam des Deutschen Chorwettbewerbs informiert jene Ensembles vorab, die in einem Preisträgerkonzert mitwirken sollen – um die Stücke fürs Programm zu besprechen. Nur kam lange kein Anruf.

Hans de Gilde und sein Team waren im Hotel „Löwen“ in Staufen, wo die Spatzen seit Mittwoch logierten, schon beim Wein, wohl auch um einen gewissen Frust hinunterzuspülen, als um Viertel nach elf dann doch noch das Handy klingelte. „Wir sind total ausgeflippt“, erzählt der 61-Jährige von einer Spontan-Party. „Der Chor hat sich wahnsinnig gefreut“, sagt de Gilde.

Kommentar Jürgen Kanold zum Erfolg der Ulmer Spatzen Ulmer Musikleben: Glücksfall Hans de Gilde

Ulm

„Das war  in Freiburg ein sehr, sehr positives Erlebnis, wir sind jetzt müde, aber der Chor hat viel gelernt, der Wettbewerb hat alle wieder weiter gebracht“, bilanziert er. Gesungen hat der Jugendchor dann am Samstagabend im Freiburger Konzerthaus die Renaissance-Motette „Pueri Hebraeorum“ von Palestrina sowie Max Regers spätromantische Mörike-Vertonung „Er ist’s“. Und Urkunden gab’s auch. Gestern fuhr der Jugendchor mit einem Bus, den das Logo des Ulmer Spatzen Chors schmückte, wieder zurück – am frühen Nachmittag euphorisch am Atlantis-Parkplatz auf dem rotem Teppich empfangen.

So geht die Erfolgsgeschichte der Spatzen unter Hans de Gilde, der seit 1998 in Ulm wirkt, weiter. Zuletzt vor vier Jahren in Weimar hatte der Kinderchor sensationell einen 1. Preis geholt (weshalb er als Titelverteidiger in Freiburg nicht antreten durfte) und der Jugendchor einen 3. Preis. Diesmal aber setzte die hochkarätige Jury, angeführt von Raimund Wippermann, Rektor der Düsseldorfer Musikhochschule und Leiter des Mädchenchors am Essener Dom, die Spatzen zusammen mit den Magdeburgerinnen auf Platz eins. Ziemlich perfekte Intonation, ausgewogener Klang, sehr gute Aussprache und ein anspruchsvolles wie schönes Programm hatten die Spatzen geboten – das überzeugte.

Die sehr fein singenden, aber etwas brav, nicht so mitreißend auftretenden Magdeburgerinnen hatten viele Zuhörer nicht so weit oben auf der Rechnung – mit dieser Wertung überraschte die Jury. Der Mädchenchor Hamburg erhielt mit 22,4 Punkten einen 2. Preis, der Jugend-Mädchenchor der Chorakademie am Konzerthaus Dortmund mit 21,8 Punkten einen 3. Preis.

Spatzen-Jubiläum mit Gästen


Festtage Mit zahlreichen Open-Air-Auftritten in der ganzen Stadt, mit einem „Offenen Singen“ und einem Festkonzert feiert der Ulmer Spatzen Chor am 23. und 24. Juni sein 60-jähriges Bestehen. Höhepunkt ist am Samstag, 23. Juni, 19 Uhr, ein Abend im Congress Centrum Ulm, an dem auch der Mädchenchor Luzern, der Philharmonische Kinderchor Dresden und der Mädchenchor am Kölner Dom teilnehmen. Unter anderem wird die dem Ulmer Spatzen Chor gewidmete Komposition „Preise die kühlende Liebe der Luft“ von Kurt Bikkembergs nach Texten von Rose Ausländer uraufgeführt.