Leitartikel Eröffnung der Linie 2: Jetzt darf gefeiert werden

Den Bau der Linie 2 findet unser Chefredakteur Ulrich Becker rückblickend erträglich, vor allem im Vergleich zu anderen Großprojekten. Trotzdem müsse Ulm auch von außerhalb gut erreichbar sein.
Den Bau der Linie 2 findet unser Chefredakteur Ulrich Becker rückblickend erträglich, vor allem im Vergleich zu anderen Großprojekten. Trotzdem müsse Ulm auch von außerhalb gut erreichbar sein. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Ulrich Becker 08.12.2018
Der Bau der Straßenbahnlinie 2 hat den Bürgern einiges abverlangt. Jetzt rollt die Bahn endlich und das ist Grund zum Feiern. Aber: Ein Mobilitätskonzept muss folgen, meint Ulrich Becker.

Ulm feiert sich am Samstag – zu recht! Nach gut drei Jahren Bauzeit, dreieinhalb Jahre nach dem Beschluss des Gemeinderates am 6. Mai 2015, rollt ab Samstag – und von Sonntag an im Alltagsbetrieb – die Linie 2 vom Kuhberg bis zum Oberen Eselsberg. 9,3 Kilometer Strecke, quer durch die Stadt. 269 Millionen Euro teuer. Eröffnung am 9. Dezember, ein Datum, das schon vor über zwei Jahren von den Planern festgelegt worden war. Und ganz nebenher entstand mit der Kienlesbergbrücke noch ein neues architektonisches Wahrzeichen der Stadt.

Berlinern wird bei diesem Zahlenwerk ganz schwindelig. Die Geschwindigkeit, mit der die Bauarbeiten vorangingen, kennt man nur aus wenigen Regionen Deutschlands. Selbst die Kostensteigerungen blieben in einem erträglichen Rahmen. Auf 269 Millionen Euro beläuft sich die Gesamtrechnung – 44 Millionen mehr als ursprünglich geplant. 20 Prozent Aufschlag sind nicht wenig, aber die Hälfte davon floss in die Sanierung maroder Kanäle, die im Laufe der Arbeiten entdeckt worden waren. Also alles erträglich, vor allem im Vergleich zu anderen Großprojekten, die oft das Drei- oder Vierfache der veranschlagten Kosten verschlingen.

Dank gebührt der wichtigsten Gruppe: den Bürgern

Doch bevor am Samstag im Theater Ulm die Dankesreden an Politiker, Planer, Baufirmen und alle anderen Beteiligten zu großartig ausfallen, sollte man vor allem der wichtigsten Gruppe danken: den Ulmer Bürgern. Denn trotz aller Bemühungen von Verwaltung und Bauleitung – die Stadt hat Autofahrern, Anwohnern und dem Handel einiges abverlangt. Da halfen auch Beschwichtigungen aus dem Rathaus wenig: Zeitweise glich Ulm einer Festung, aus der man zumindest mit dem eigenen Auto weder hinein- noch hinauskam. Für eine Stadt, die vom Einkauf, vom Handel mit den Menschen aus dem Umland lebt, eine gefährliche Situation.

Deshalb kann die Tram nur ein Teil des Mobilitätskonzepts sein. Ulm öffnet mit der Linie 2 neue Möglichkeiten, Schulen, Uni, Klinik und Gewerbegebiete schnell zu erreichen – innerhalb der Stadt. Genauso wichtig ist aber die Erreichbarkeit von außerhalb, vor allem aus dem Umland, für das Ulm Oberzentrum ist. Hier hilft allein kein noch so gutes Regio-S-Bahn-Konzept oder eine Schnellbahnstrecke. Auch für Autofahrer muss der Weg nach Ulm attraktiv bleiben. Wer schlau ist, kann dann vom Park&Ride-Platz bequem in die City fahren – mit der Linie 2.

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