Es ist eine belastende und manchmal sogar zerstörerische Erkrankung: Fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden an Depressionen, sehen nur noch das Negative. Mittlerweile lassen sich Depressionen mithilfe von Psychotherapie und Medikamenten gut behandeln, doch nicht bei allen Patienten sind diese Maßnahmen ausreichend wirksam.
Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie III des Uniklinikums Ulm beteiligt sich nun an einer Studie, die die Wirksamkeit von Magnetstimulation als Therapiemöglichkeit der Depression untersucht. Diese beeinflusst durch Magnetimpulse die Erregbarkeit von Nervenzellen der Hirnrinde und soll so zur Wiederherstellung der Balance der Hirnaktivität beitragen.

Bisher nur wenige Studien

Aufgrund bisheriger Forschungsergebnisse ist die so genannte transkranielle Magnetstimulation (TMS) als neue Therapie wissenschaftlich bereits anerkannt. Da der therapeutische Effekt aber bislang nur durch wenige klinische Studien belegt worden sei, habe sich diese Behandlungsform noch nicht in der klinischen Routine durchgesetzt, teilt die Klinik mit.
Eine spezielle Art der TMS beeinflusst die Aktivität der Nervenzellen nun mit deutlich kürzerer Stimulationsdauer. So kann die Therapie nicht nur schneller durchgeführt werden, es können auch beide Hirnhälften in einer Sitzung behandelt werden.

Fünf Minuten Behandlung

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie III beteiligt sich nun als eines von sieben Studienzentren an der Studie des Uniklinikums Tübingen. Dabei erhält die Hälfte der Teilnehmer in 30 Sitzungen über sechs Wochen eine TBS beider Stirnhirnhälften. Die Behandlung selbst dauert jeweils etwa fünf Minuten. Bei der anderen Gruppe wird die gleiche Behandlung durchgeführt, jedoch ohne wirksame Stimulation des Gehirns.
Ziel der Studie sei es herauszufinden, ob und wie stark die direkte Stimulation des Gehirns mit TBS zu einer Verbesserung der Depression führt. „Sollten wir diesen Nachweis erbringen können, bedeutet dies für Patienten eine erhebliche Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten“, sagt Prof. Thomas Kammer, der die Ulmer Sektion für Neurostimulation leitet.

Info Teilnehmen können Personen zwischen 18 und 70 Jahren, sofern sie an einer moderaten oder schweren unipolaren Depression leiden und ihre aktuelle Medikation über mindestens vier Wochen stabil ist. Ausschlusskriterien sind etwa eine weitere psychische Erkrankung, Herzschrittmacher und Schwangerschaft. Weitere Infos: Tel. (0731) 500 61 485, E-Mail: studie.tbsd@uniklinik‐ulm.de