Lösung Ulmer Privatinvestors: Griechenhilfe ohne deutsche Steuergelder möglich

Edip Türkoglu macht immer wieder in Ulm Station. Sein Loft im Stadtregal hat er aber vermietet und die Zelte in Istanbul aufgeschlagen.
Edip Türkoglu macht immer wieder in Ulm Station. Sein Loft im Stadtregal hat er aber vermietet und die Zelte in Istanbul aufgeschlagen. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / FRANK KÖNIG 21.08.2015
Wenn es nach den Vorstellungen des Ulmer Privatinvestors Edip Türkoglu geht, bräuchte man Griechenland nicht mit deutschen Steuergeldern subventionieren.

Er hat vielmehr einen unkonventionellen, wenn auch sicher kontroversen Vorschlag für die Sanierung des Landes: den Verkauf von Staatsbürgerschaften, wie ihn auch Malta praktiziert. So könne Griechenland vom Schuldenstaat auf einen Schlag zum reichsten EU-Land werden.

Der 37-Jährige ist eine schillernde Figur in seiner Geburtsstadt Ulm, vor allem seit er beim Verkauf des von ihm aufgebauten Postdienstleisters Direkt Express - Umsatz zuletzt 100 Millionen Euro - an die Pin Group zum Multimillionär wurde. Legendär sind die in Erding zugelassenen Ferraris, Kennzeichen: ED-IP.

Türkoglu betrachtete sich zeitweise als einen der größeren Aktionäre der Deutschen Bank und widmet sich inzwischen ausschließlich Geldanlagen an der Börse, in Unternehmen und Immobilien. Sein Hobby ist das Studium der Kapitalmärkte: "Die Finanzmärkte sind mein Steckenpferd." Eine entscheidende Kennzahl für Türkoglu ist das Verhältnis der Schulden eines Landes zum Privatvermögen der Bürger - im Notfall könnte der Staat sich über eine zwangsweise abgebuchte Vermögensabgabe sanieren.

In Griechenland sei die Lage aber hoffnungslos, weil die Griechen ihr Geld außer Landes bringen: "Griechenland hat nichts zu bieten." Das Land gehöre aber zur "exklusiven Familie von 28 EU-Staaten" und könnte sich über den Verkauf von Staatsbürgerschaften und Reisepässen retten - aus Sicht Türkoglus die einzige Chance für das Land.

Der Preis für einen Pass könnte nach seinem Kalkül 30.000 Euro betragen, so kämen Milliarden in die Kasse. Dabei spielt eine Rolle, dass die Auflagen für Angehörige von Nicht-EU-Staaten, die zur Einreise in den Euroraum ein Schengen-Visum brauchen, sehr hoch sind. Türkoglu, der nach abgebrochener Einbürgerung mit türkischem Pass und einer deutschen Aufenthaltserlaubnis auf seinen Weltreisen unterwegs ist - mit Wohnsitzen nun in Istanbul und Miami -, kann ein Lied davon singen. So habe er zuletzt bei der Einreise in Spanien Probleme gehabt: Türken brauchen ein Visum.

Das Interesse an einem Eintrittsticket in die EU wäre aus seiner Sicht enorm: vor allem in Ländern wie China, Russland, Indien, alle visumpflichtig. Die Pass-Vergabe brauche nicht die Zustimmung der EU, und: "Griechenland hat sowieso nichts mehr zu verlieren."