Ulm / BERND RINDLE Brüder, zum Tresen, zur Freizeit, äh . . . zur Macht, beziehungsweise zum Mandat. Nachdem "Die Partei" mit ihrem Gründer Martin Sonneborn einen sitzen hat im Europaparlament, sahen auch Ulmer Realsatiriker die Zeit für die Gründung eines Kreisverbands gekommen.

"Die Freie Reichsstadt hat es verdient, eine Ortsgruppe zu bekommen", machte Initiator Gerhard Neuberger deutlich und kündigte politische Umwälzungen an: "Die Machtübernahme steht kurz bevor."

Vor zehn Jahren haben "Titanic"-Redakteure die "Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative" ins Leben gerufen, die seitdem nimmermüde reale Politik simuliert und inhaltsleere Phrasen der Polit-Szene mit eigenen Null-Aussagen karikiert. Die "Einführung der Faulenquote" gehört ebenso zum Basisprogramm, wie die "Abschaffung der Sommerzeit", damit man jedes Jahr eine Stunde länger ausschlafen kann. Auf Plakaten mahnt "Die Partei" zur Disziplin an der Bierflasche ("Oettinger stürzen") oder wagt sich mit ihrem eigenen "Wachturm" auf religiöses Terrain: "Wir zeugen Jehovas".

Zeugen der Ortsverbandsgründung mussten sich am Freitag im Hemperium gedulden, zumal Teile der zehn künftigen Parteigänger den Biergarten angesichts des schönen Wetters nur schleppend verließen. Überdies hatte sich der stellvertretende Parteivorsitzende Peter Mendelsohn als Taufpate verspätet.

Das Warten wurde durch denkwürdige Worte Gerhard Neubergers belohnt: "Ich sehe hier einige Demokraten vor mir, nicht nur Arbeiter und konsumgeiles Volk." Damit schien er den richtigen Ton getroffen zu haben: Er wurde zum Kreisverbandsvorsitzenden gewählt. Als Stellvertreter wurde ihm Jochen Schmidberger an die Seite gestellt, Frank Widmann ist für die Finanzen zuständig. Die genaue Mitgliederzahl ist indes noch ebenso unklar ("Mehr als ein Dutzend, genau wissen wir es nicht"), wie das Programm: "Wir wollen erst mal die Basis befragen." Ob der Weg zur Macht nun mit einem entschiedenen "sowohl als auch" oder "warum auch nicht" beschritten wird, ist also ungewiss. Verbal ist Gerhard Neuberger bereits in der Polit-Szene angekommen: "Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit - das Bier entscheidet!"