Ulm Ulmer Oratorium und Kulturhauptstadt Paphos: Komponist Elia wehrt sich

Sein Oratorium wird nicht aufgeführt, aber kommt es zu einer friedlichen Einigung zwischen Komponist Marios Joannou Elia und der Stadt Ulm?
Sein Oratorium wird nicht aufgeführt, aber kommt es zu einer friedlichen Einigung zwischen Komponist Marios Joannou Elia und der Stadt Ulm? © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / MAGDI ABOUL-KHEIR 12.05.2015
In Ulm wurde sein Oratorium abgesagt, in Paphos ist er nicht mehr als künstlerischer Leiter der Kulturhauptstadt tätig. Zufall? Komponist Marios Joannou Elia ist sich da nicht so sicher – und wehrt sich.
Die Nachricht sorgte in Ulm Ende vergangener Woche für Aufsehen: Marios Joannou Elia, dessen Oratorium zum Münsterturmjubiläum abgesagt wurde, ist auch nicht mehr als künstlerischer Leiter für die Europäische Kulturhauptstadt Paphos 2017 tätig. Der 36-jährige zyprische Komponist will das so aber nicht auf sich sitzen lassen.

Unmittelbar nach Absage des „Ulmer Oratoriums“ sei es zwischen ihm und Paphos 2017 zu einem Konflikt gekommen: Er habe dort nie einen schriftlichen Vertrag als künstlerischer Leiter erhalten, obwohl er das seit 19 Monaten angemahnt habe. Für die letzten 13 Monate habe er nicht einmal Honorar bekommen. Dabei habe er in dieser Funktion zahlreiche Vorarbeiten für Paphos geleistet, und auch selbst als Künstler Programm-Highlights konzipiert.

Doch gibt es einen Zusammenhang zwischen den Querelen in Paphos und Ulm, wo Elias Oratorium abgesagt wurde, weil er die Komposition nicht fristgerecht fertiggestellt habe? Dass die Ulmer Kulturabteilung sage, man habe bereits 2014 gerüchteweise von Problemen bei der Umsetzung von Elias Projekten auf Zypern gehört, entbehre „jeder Grundlage“, betont Elia. Er frage sich, von wem diese „Gerüchte“ stammen sollen „und wie die städtische Kulturabteilung solche Gerüchte ernstnehmen kann, ohne ihren Wahrheitsgehalt auch nur ansatzweise zu überprüfen“.

Elia geht noch weiter: Er gehe davon aus, dass es Informanten gibt, die gezielt Neuigkeiten zwischen Ulm und Paphos lancieren.

Das weist die Leiterin der städtischen Kulturabteilung, Sabrina Neumeister, entschieden zurück: „Wir haben mit Elias Tätigkeit in Paphos nichts zu tun. Und wir haben auch in keiner Weise eine Verbindung zur dortigen Kulturhauptstadt-Organisation.“

Vergangene Woche war Elia noch einmal zu einem Gespräch mit Oberbürgermeister Ivo Gönner in Ulm. Ziel sei es, zu einem fairen Ausgleich oder Verfahren zu kommen, sagt Gönner, spruchreif sei aber noch nichts.

Die Stadt Ulm hatte Anfang März den Vertrag mit Elia gekündigt und die für den 29. und 30. Mai geplanten Aufführungen des Oratoriums abgesagt – die Komposition sei nicht rechtzeitig fertiggestellt worden, um so ein komplexes Werk mit 400 Musikern und Sängern noch proben zu können. Stattdessen gibt es nun das recht kurzfristig zusammengestellte „klangfest@125“.

Elia sagt, dass er die fertige Gesamtkomposition in Form von Computerdateien bereits am 2. Februar an die Kulturabteilung geschickt habe. Und mit den schon zuvor gesendeten Teilen der Dirigierpartitur (ein Drittel des Werks) hätten die Proben wie vertraglich vereinbart am 1. Februar beginnen können. Elia kritisiert zudem, dass die Stadt aus Kostengründen keinen professionellen Projektleiter installiert habe, obwohl er das aufgrund seiner Erfahrung in früheren Projekten mit Nachdruck gefordert habe.

Auch hätten die Ulmer Akteure in die Originalkomposition eingegriffen und gravierende musikalische Änderungen gefordert, nicht etwa kleinere „Korrekturen“, sagt Elia. Die beteiligten Ensembleleiter hingegen betonen, es sei um die Spielbarkeit der Partitur gegangen.

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