"Ich sehe nur noch Licht und Farbe bei diesem Bild, und das macht mich froh." Heinz Mack kann es sich erlauben, das so simpel und fremdwortlos daherzusagen. Es ist ja sein eigenes Bild, das da im Ulmer Museum hängt. "Großes Sternen-Spektrum", hat er das Gemälde genannt, das tatsächlich aus nichts anderem besteht als aus Farbe, die nach Licht tastet, und aus Licht, das sich in Farbe verwandelt. Unendlich könnte das so weitergehen, wenn so ein Bild keinen Rahmen hätte. Aber zum Glück gibt es die nächste Leinwand, das nächste Relief, das neue Experiment, um nach dem "Licht meiner Farben" zu suchen; so der Titel der Ausstellung im Ulmer Museum, den man ebensogut umdrehen könnte, wie Chefin Gabriele Holthuis bemerkt.

So wie diese Ausstellung für manche vielleicht "umgedreht" wirken wird - denn wer nach den Metallreliefs und Stelen sucht, mit denen man den Namen Mack verbindet, der müsste hinten im Ehinger Stadel anfangen. Dort hängen mittenmang auch jene Reliefs, die Verleger Kurt Fried für seine Sammlung ankaufte, nachdem Mack als junger Künstler im studio f ausgestellt hatte. 1960 war das, da hatte er nicht lang zuvor die Gruppe Zero mit Otto Piene gegründet und eine künstlerische "Stunde Null" ausgerufen. Da plante er noch sein Sahara-Projekt in der Wüste, das im Ulmer Museum natürlich nur auf dem Bildschirm vorkommen kann.

Wer sich vor allem für den Materialkünstler interessiert, muss zu Frieder Burda nach Baden-Baden. Ulm zeigt einen etwas anderen, aber ebenso interessanten Mack mit vielen Arbeiten, die bislang noch nie zu sehen waren - "passgenau" an die komplizierte Raumsituation angepasst, wie Holthuis sagt. Mack tritt überraschend malerisch auf, auch wenn Skulptur natürlich überall dabei ist. Nach dem Bruch mit der Tradition - "man war damals in einer Schlussphase der kulturellen Entwicklung!" - habe er lange nicht gemalt, erzählt der 84-Jährige, der sich als Handwerker "expressis verbis" bezeichnet. 1991 habe er wieder nach dem Pinsel gegriffen. Pastelle habe er nie aufgegeben, "das war für mich Kammermusik". Die immer noch abstrakt gespielt wird, selbst wenn eines der weißen Bilder die Erinnerung an eine verschneite Nacht am Rhein in ihm hochholt. . .

Das Licht kann mediterran aus einem tiefblau gestrichenen Raum strahlen, kann an den Flächen eines Bronze-Kubus' seine Spiegelfechtereien treiben, sich selbst aus schwarzen Bildern herausarbeiten. Heinz Mack erklärt wunderbar schlüssig, dass seine Licht-Räume eben keiner Zentralperspektive mehr bedürfen und warum in einer Konstellation aus Farbstäben am Ende doch das Weiß die höchste Energie besitzt - nur wegen der Farben in seiner Nachbarschaft. Wer jetzt noch die Stirn hat, den Künstler nach der Gegenständlichkeit zu fragen, der handelt sich einen geharnischten Vortrag über das moderne Weltbild und die Rolle der Naturwissenschaften ein - und über die Bedeutung der jahrtausendealten Kunst des Orients, die nämlich auch vollkommen abstrakt sei (oder vielmehr: "ganz konkret") und ebenfalls wunderbar ohne irgendwelche Figürchen auf der Wiese auskomme. Mit seiner Kunst jedenfalls komme man dort wunderbar zurecht, sagt Heinz Mack. Das könne man aktuell in Istanbul beobachten, wo erst kürzlich eine große Zero-Schau eröffnete.

Irgendwie beruhigend, das derzeitige Revival dieser klaren, lichtvollen Kunst. Und konsequent, dass Macks Illustrationen zu Goethes "West-östlichem Divan" in der Stadt mit dem höchsten Kirchturm der Welt zu sehen sind. Die kleinformatigen Bilder in Öl, Pastell, aber auch in schwarzer Tusche beschäftigen sich auf ihre Weise mit Strukturen, Mustern und Ornamenten. Die in Europa unterschätzte Form der Keramik - wiewohl "eine der ältesten Techniken der Welt!" - darf dazu nicht fehlen. Von der islamischen Tradition sollte man lernen, findet Mack, statt sich diese "arrogante Haltung" gegenüber dem Orient zu erlauben. Alle verbliebenen Haare stünden ihm da zu Berge.

Schade, dass man nicht jeden Besucher mit Heinz Mack selbst durch die Ausstellung schicken kann. Kaum gedacht, ist der alte Herr schon wieder verschwunden. Sein Botschafter bleibt da. Das Licht.

Zwei Ausstellungen

Ulmer Museum

Die Ausstellung "Mack. Das Licht meiner Farben"eröffnet morgen, Freitag, 19 Uhr in Anwesenheit von Heinz Mack. Sie läuft bis zum 10. Januar (Di-So 11-17 Uhr, Do bis 20 Uhr). www.museum.ulm.de

Galerie am Saumarkt Die Bege-Galerien Ulm eröffnen am Samstag, 17 Uhr, ebenfalls eine Mack-Ausstellung mit Grafik, Objekten und Skulpturen (Mi-Fr 11-13 Uhr und 14-18 Uhr, Sa 11-15 Uhr). Bis 21. November.