Ulm Ulmer Münster: Gleichberechtigung durch Jims und Mims

Mädchen sind im Ulmer Münster auf dem Vormarsch - wenngleich das Foto der jungen Sänger eher das Gegenteil zu beweisen scheint. Foto: Matthias Kessler
Mädchen sind im Ulmer Münster auf dem Vormarsch - wenngleich das Foto der jungen Sänger eher das Gegenteil zu beweisen scheint. Foto: Matthias Kessler
Ulm / LISA MARIA SPORRER 22.05.2013
Wer versteht einen Jugendlichen besser als ein Jugendlicher? Unter diesem Motto werden im Ulmer Münster Führungen angeboten.

Mädchen sind doof. Und Jungs total beknackt. Solche Drittklässler-Allüren scheinen sich nun auch in eines der ehrwürdigsten Gemäuer der Welt eingeschlichen zu haben: ins Ulmer Münster. Seit 2008 bietet dort eine Gruppe von Jugendlichen Führungen für Kinder und Jungendliche an. Die Gruppe besteht allerdings nur aus Jungs. Die Gegenbewegung ließ ein paar Jahre auf sich warten: Zu den Jims (Jugend im Münster) gesellen sich ab nächsten Monat die Mims, die Mädchen im Münster. Auch sie werden dann Interessierten das Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt erläutern.

Chauvinistische Tendenzen sind aber "völliger Quatsch", sagt Manuel Königsdorfer. Er war der Initiator von "Jugend im Münster". Als einmal eine Münchner Familie im Münster auf ihn zukam und sich einige Erklärungen zum Bau erfragte, kam ihm die Idee, selber Führungen anzubieten. Dass es ausschließlich fünf Jungen waren, die sich spontan diesem Gedanken anschlossen, beschreibt er als "Eigendynamik". An ihnen sei eine gemischte Gruppe schließlich nicht gescheitert. "Wir hätten jeden genommen, der interessiert gewesen wäre", sagt der Student.

Tabea Frey, die Tourismuspfarrerin, bietet seit gut elf Jahren spezielle als auch touristische Rundgänge im Münster an. "Bei Führungen kommt bei mir manchmal einfach die Theologin raus. Kinder erklären das Kindern viel besser", sagt sie. Sie war es, die geholfen hat, die Mädchengruppe auszubilden und sie wird auch am 1. Juni der Premierenführung beiwohnen.

Anstatt sich Jahreszahlen zu merken, können die Jugendlichen, mit einem Kompass ausgestattet, Fragen erkunden, wie: Warum ist eine Kirche nach Osten ausgerichtet, und wie viele Kinder braucht man, um eine Säule zu umfassen.

Das "J" für Jugend in Jims kann sich nun ruhig in Jungs umbenennen. Denn ob gewollt oder nicht: Ab Juni ist die Gleichberechtigung im Münster eingezogen.

Info Dieses Jahr gibt es neben dem Prospekt "Führungen" und "Kirchenmusik" erstmals ein eigenes Programmheft für Kinder. Ab sofort erhältlich unter anderem im Münster, Stadthaus und im SWU-Center.