Der Besuch des Münsters ist kostenlos. Aber wer auf den Turm will, wird zur Kasse gebeten: Ein Aufstieg kostet 5 Euro pro erwachsener Nase (Kinder sind frei, Schüler und Studenten zahlen 3,50 Euro, Gruppen kriegen Ermäßigung).

"Wir brauchen das Geld für die Turmsanierung. Das ist eine riesige Aufgabe, auch finanziell - die Menschen sehen das auch", sagt Dekan Ernst-Wilhelm Gohl auf die Frage, warum der Preis heuer um einen Euro angehoben wurde. "Es gab keine Proteste."

Wer auf den Turm steigt, tut etwas doppelt Gutes, findet Gohl: "Einmal für sich selbst, um die schöne Aussicht zu genießen; zum anderen für die Kirche." Er versichert: Das Eintrittsgeld "fließt eins zu eins in den Bauunterhalt. Die Kirche bereichert sich nicht daran."

Nach dem Lösen der Karte - die mittlerweile ein Automat ausgibt - wird es anstrengend: Einen Lift gibt es nicht und wird es auch nicht geben. Vor jedem Besucher stehen 768 Stufen - macht also etwas mehr als 0,65 Cent pro Stufe für die, die ganz hoch hinaus wollen. Von der einen Million Münsterbesuchern pro Jahr machen sich erfahrungsgemäß 170.000 an den Aufstieg. Einnahmen von rund einer halben Million Euro sind im Etat des Unterhalts ein "fest gesetzter Posten".

Wie sehen eigentlich die Preise der Konkurrenz aus? Das Besteigen des Freiburger Münsterturms ist günstiger als Ulm: 333 Stufen für 2 Euro pro Erwachsenem macht 0,60 Cent pro Stufe. Kostspieliger ist es hingegen in Köln mit 0,75 Cent: 533 Dom-Stufen für 4 Euro.

Gohl merkt an, dass es Italien, Frankreich oder England gängige Praxis ist, Eintritt für Kirchen zu verlangen. Auch hiezulande kommt das vor: Im Berliner Dom heißt auf der Homepage der Eintritt von 7 Euro ausdrücklich "Domerhaltungsgebühr". Unverblümt schreiben die sexy, aber armen Hauptstädter: "Wir benötigen tägliche Einnahmen von 12.500 Euro, um die Ausgaben für Bauunterhaltung, Heizung, Strom und Personal am Dom zu tätigen. Da wir nur geringe Unterstützung vom Staat und der Kirche bekommen, sind wir auf den Beitrag angewiesen." Ergo beträgt der Bauunterhalt 4,5 Millionen Euro.

Umgerechnet auf Ulm müssten pro Tag 5479 Euro her. Punktsieg für die Schwaben, die zwar solide, aber halt unsexy sind.