Die Chororgel des Ulmer Münsters steht seit dem vergangenen Freitag zum Verkauf. Händler Andreas Ladach aus Wuppertal bietet das Instrument auf seiner Homepage an – für 35.000 Euro plus Mehrwertsteuer. Die Orgel sei gut gepflegt, heißt es in der Produktbeschreibung. Allerdings sei die nächste Reinigung und Überholung fällig.

Orgel des Ulmer Münsters wird in kleine Puzzleteile zerlegt

Ladach rechnet daher damit, dass diejenige Kirchengemeinde, die die Orgel kaufen wird, mit Gesamtkosten von knapp 100.000 Euro rechnen muss. Schon allein der Abbau und Transport – das ist nicht bei den 35.000 Euro dabei – schlage mit rund 18.000 Euro zu Buche.

Die Orgel

  • wiegt circa sechs Tonnen,
  • ist sieben Meter hoch
  • und 3,5 Meter breit.

Mindestens vier Personen werden eine Woche mit dem Abbau im Ulmer Münster beschäftigt sein. „Das muss man sich wie ein Puzzle vorstellen. Die Orgel wird in ihre Einzelteile zerlegt. Alle Teile müssen beschriftet und sorgfältig verpackt werden. Das ist reine Handarbeit“, erklärt Ladach. Die Kosten für den Wiederaufbau am neuen Standort kommen dann übrigens noch extra dazu.

Chororgel des Ulmer Münsters: Zwei Interessenten gibt es schon

Zwei Interessenten gibt es laut Ladach schon. „Am Wochenende geht der Newsletter an 2000 Abonnenten raus, dann erst wird der Ansturm kommen“, ist sich der Orgelexperte sicher. So ein Verkauf könne eine Weile dauern, aber er ist zuversichtlich, dass es einen Abschluss geben wird.

Ladach geht davon aus, dass die Orgel nicht in Deutschland bleiben, sondern in Spanien oder Frankreich einen neuen Platz finden wird. „Dort gibt es Kirchen, die so groß und alt sind wie das Ulmer Münster. Da passt die Orgel gut rein“, begründet der Wuppertaler.

Warum wird die Orgel überhaupt verkauft?

Der Chorraum im Ulmer Münster wird momentan saniert. Ursprünglich sollte die Chororgel dabei gereinigt und technisch überholt werden. „Anfangs hatten wir nicht vor, die Orgel zu verkaufen“, sagt Friedemann Johannes Wieland, Erster Organist und Münsterkantor in Ulm. Die Orgel hätte aber fast komplett auseinandergebaut werden müssen. Sie steht auf einer Betonempore und ist durch Stahlträger an der Wand befestigt. Deshalb sei das Instrument schwer zugänglich.

Ein Gutachten kam weiterhin zu dem Schluss, dass die Orgel grundlegend saniert werden müsste. Laut Ernst-Wilhelm Gohl, Dekan am Ulmer Münster, stünden die „Kosten hierfür in keinem Verhältnis zur Qualität der Orgel und keine der angefragten Orgelfirmen sah sich in der Lage zu garantieren, dass nach der Sanierung alle Probleme behoben sind. Hätte die Orgel repariert werden können, hätte sich das Münster selbstverständlich die neue Orgel sehr gerne gespart.“

Es stellte sich also die Frage, ob die Orgel im Münster bleibt oder verkauft wird. „Vor einem Jahr erstellte ein Sachverständiger der Landeskirche das Gutachten. Vor vier Wochen stimmte das Landesdenkmalamt den Abbau und Verkauf zu. Die Entscheidung war also kein Schnellschuss“, betont Münsterkantor Wieland.

Die neue Orgel kann bis zu 500.000 Euro kosten

Die alte Orgel soll durch eine neue ersetzt werden. Die Kirchengemeinde rechnet mit Kosten in Höhe von 500.000 Euro. Wieland geht davon aus, dass es bis 2021 dauern könnte, bis das Ulmer Münster wieder eine Chororgel hat. Erst muss der Verkauf abgewickelt und ein statisches Gutachten erstellt werden. Danach steht die Ausschreibung an.

„Es kommt dann darauf an, wie die Auftragslage des Orgelbauers aussieht, der den Auftrag bekommt“, sagt Wieland. Als Zwischenlösung werde die Altarorgel im Chorraum aufgestellt. Dort steht momentan ein Gerüst, das den Abbau der Chororgel möglich macht.

Die Kirchengemeinde sammelt Spenden für die neue Orgel

Wer für die neue Chororgel spenden möchte, kann den Betrag auf folgendes Konto überweisen:

Evangelische Gesamtkirchengemeinde Ulm
IBAN DE 68 6305 0000 0000 100498
BIC SOLADES1ULM

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