Ulm Ulmer Mediziner besuchen Klinik in Namibia und wollen helfen

Die Ärzte Christine und Roland Bartmuß haben in Namibia Improvisieren gelernt, weil es in der Klinik an allem gefehlt hat. Foto: Beate Storz
Die Ärzte Christine und Roland Bartmuß haben in Namibia Improvisieren gelernt, weil es in der Klinik an allem gefehlt hat. Foto: Beate Storz
BEATE STORZ 06.08.2012
Namibia braucht dringend Nachhilfe in seiner medizinischen Versorgung. Ulmer Ärzte machten sich ein Bild in Südwestafrika und wollen helfen. Als erstes soll ein Krankenwagen her.

Wenn es für alle Ulmer 30 Ärzte gäbe, so hätte Ulm in etwa die Ärztedichte des südwestafrikanischen Staates Namibia: 30 Ärzte auf 100 000 Einwohner. Wenn es in Ulm kaum einen Notarztwagen gäbe, so hätten wir die Notarztwagendichte Namibias. Unvorstellbar für Ulm, Realität in Namibia. Das Ärzteehepaar Christine und Roland Bartmuß realisierte diesen Missstand, machte im Rahmen eines Vortrags in der SÜDWEST PRESSE-Galerie darauf aufmerksam und will Abhilfe schaffen. Mitstreiter bei diesem humanitären Hilfsprojekt ist der Ulmer Support-Verein. Er besteht seit 2005 und unterstützt die Medizin in der Dritten Welt.

Die Arztfamilie Bartmuß war im Sommer vergangenen Jahres für zwei Monate in der Otavi Health Clinic in Nordnamibia tätig. Doch das Wort Clinic bedeutet dort nicht das Gleiche, was man in Deutschland darunter versteht. In der so genannten Clinic gibt es nicht einmal einen Arzt, sondern nur fünf Krankenschwestern. Die nächste "richtige" Klinik ist 120 Kilometer von Otavi entfernt in Otjiwarongo. Dort arbeiteten genau drei Ärzte.

Christine Bartmuß ist Kinderärztin, ihr Ehemann Roland Urologe. Ihre Aufgabe in Namibia war, sich ein Bild von der dortigen Gesundheitsversorgung zu machen und Verbesserungsvorschläge einzubringen, das Personal weiterzubilden und Patienten zu behandeln. In Otavi, wo die "Clinic" mit den fünf Schwestern alleine zuständig ist, leben 15 000 Menschen. Einfachste Hilfsmittel wie Brandsalbe oder Plastikbecher für die Abgabe von Urin fehlten, ebenso einfachste Schmerzmittel, die in Deutschland nicht einmal rezeptpflichtig sind.

Laut Bartmuß ist das Problem nicht etwa ein Medikamentenmangel, sondern die Regelung in Namibia, dass nur Ärzte die Arznei in Apotheken bestellen dürfen. In Otavi gibt es aber keinen Arzt, der dies erledigen könnte. Das Ärztepaar Bartmuß hatte Patienten mit Mangelernährung, Herz- und Kreislauferkrankungen, Stoffwechselstörungen, Aids oder Tuberkulose. In Otavi gibt es keinen Krankenwagen. Sollte ein Patient dringend in eine richtige Klinik müssen, hat er einfach Pech gehabt. Bartmuß: "Ich habe einmal einen Krankenwagen telefonisch angefordert, nach 14 Stunden war er da." Bartmuß hat eine Notfallfortbildung vorbereitet, aber bis heute hat er keine Genehmigung, diese abhalten zu können. Der Urologe erklärte den rund 60 Besuchern, dass in Namibia ein öffentliches Rettungswesen fehle. Auch bräuchte das Land wesentlich mehr Ärzte und Krankenschwestern. Fortbildungsmöglichkeiten für das Klinikpersonal gibt es nicht. Bartmuß: "In den zwei Monaten habe ich das Improvisieren gelernt. Medizinische Instrumente waren entweder nicht da oder kaputt."

Der Vorsitzende von Support Ulm, Heinz Maier, hat sich mit dem Gesundheitsministerium in Namibia in Verbindung gesetzt. Gemeinsam wollen sie an der Weiterbildung des Klinikpersonals arbeiten. Maier verspricht: "Für Otavi gibt es bald einen Krankenwagen."