Fußball Ulmer Kroaten im Fußballfieber

Ulm / Christoph Mayer 14.07.2018
Ulms Kroaten setzen für Sonntag auf Sieg. „Dann ist hier die Hölle los“, sagt Dzoni Zrillic vom kroatischen Fußballclub.

Glückwunsch zum Kantersieg! Da ist es vielleicht nicht mal übertrieben, wenn Dzoni Zrillic sagt: „Wir sind zurzeit die mit Abstand beste Mannschaft.“

WM? I wo, Kreisliga. 5:0 hat Croatia Ulm am Sonntag gegen Berghülen gewonnen. Na gut, es war nur ein Testspiel, aber auch in der Kreisliga B2 Donau/Iller läuft es gerade rund. Platz 5 hinter Wiblingen, Ermingen, Dellmensingen und dem VfL Ulm/Neu-Ulm. „Unser Ziel heißt  Bezirksliga“, sagt Zrillic, der Vereinsvorsitzende. Beim Blick auf die Liste mit dem 25-köpfigen Spielerkader (den man sich vorab von einem Kollegen aus der Sportredaktion besorgt hatte) muss man dann aber erst mal schlucken. Der Torwart ist schon 58, in der Abwehr dominieren 70er-Jahrgänge. Zrillic lacht: „Sie haben den falschen Zettel, das ist die Reserve.“

Fußballverrückte Kroaten

Fußballverrückt sind die Ulmer Kroaten nicht erst seit klar ist, dass sie im Endspiel der Weltmeisterschaft stehen. „Am Sonntag wird in Ulm die Hölle los sein“, verspricht der 44-Jährige, der seit 1986 in Deutschland lebt und als Zerspanungsmechaniker bei Gardena arbeitet. Sein Tipp: „Wir schlagen die Franzosen 2:1.“ Mag ja sein, dass die Gallier als Favoriten ins Finale ziehen. „Aber wir bringen mehr Leidenschaft mit.“ Das dürfte auch für die in Ulm und drumherum gut 6000 Mitglieder zählende kroatische Gemeinde gelten, von denen sich am Sonntagabend ein Großteil zum Autokorso auf dem Altstadtring aufmachen wird – so Zrillics Prognose in Erfüllung geht.

Knapp 100 Mitglieder hat der KKS Croatia Ulm 1990, der im Donautal trainiert und dessen Trikot- und Vereinsemblem, das rot-weiß karierte kroatische Wappenschild, dem der Nationalmannschaft gleicht. Zrillic ist begeistert von den vielen neuen jungen Spielern im Ulmer Kader. „Wir haben acht, neun Top-Leute, alle aus Kroatien, darunter zwei ehemalige Profis“.

Der Zulauf habe viel mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage in seinem Heimatland zu tun, erzählt er. Der Beitritt zur EU vor fünf Jahren habe in dem 4,2-Millionen-Einwohner-Staat an der Adria eben auch Verlierer produziert. „Vor allem kleine Unternehmen, Handwerker und Landwirte haben Probleme. Sie kommen mit den Dumpingpreisen nicht zurecht.“ Die Folge seien Arbeitslosigkeit und Abwanderung speziell junger Leute. In der Boomregion Ulm gebe es genügend gute Jobs. Bloß mit den Wohnungen sei das so ein Problem. „Aber die meisten wollen dauerhaft hier bleiben.“ Der Verein fungiere auch als eine Art Aufnahme- und Vermittlungsstation. „Einer hilft dem anderen.“

Zu kroatischem Fußball fiel manchem Teutonen in der Vergangenheit ja wenig Schmeichelhaftes ein. Legendär das Berti-Vogts-Zitat von 1998, kurz bevor die Karierten um ihren damaligen Star Davor Suker die Deutsche Nationalmannschaft mit 3:0 aus der WM fegten: „Die Kroaten sollen ja auf alles treten, was sich bewegt . . .“ Doch diese Zeiten sind ein für allemal vorbei, sagt Zrillic. „Jetzt sind die Jungs technisch so stark, die haben das nicht mehr nötig.“ Überhaupt kommt er ins Schwärmen, wenn er von Modric, Rakitic und Co. spricht: „Wir haben das beste Mittelfeld der Welt.“ Allein aus seiner Geburtsstadt Zadar, keine 100.000 Einwohner, kämen fünf aktuelle Nationalspieler. „Das muss man sich mal vorstellen!“

Was Zrillic macht, wenn Kroatien Weltmeister wird? „Dann nehm’ ich mir am Montag einen Tag Urlaub.“

Und wenn Kroatien tatsächlich den Titel holt?

Polizei „Wir sind gut vorbereitet“, sagt ein Polizeisprecher. Man rechne wie schon beim Halbfinale mit 1000 kroatischen Fans in der City – falls es zum Autokorso auf dem Altstadtring kommt, mit 300 Fahrzeugen. Bisher hätten kroatische Fans in Ulm keinen Ärger gemacht.

Donaufest Das Donaufest endet um 18 Uhr – mitten im Spiel also (Beginn 17 Uhr). Dann ist an beiden Ufern auch tatsächlich Schluss, sagt Festivalleiter Sebastian Rihm. Für die zahlreichen kroatischen Marktbeschicker werde es aber „im kleinen Rahmen“ Public Viewing und geben.

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