Landeskirche Ulmer Kirchen wollen Segen für homosexuelle Paare

Evangelische Gemeinden der Ulmer Innenstadt wollen auch homosexuelle Paare segnen.
Evangelische Gemeinden der Ulmer Innenstadt wollen auch homosexuelle Paare segnen. © Foto: Michael Reichel/dpa
Ulm / Verena Schühly 06.08.2018
Die evangelischen Gemeinden der Innenstadt wollen auch homosexuelle Paare segnen. Damit stellen sie sich gegen die Landeskirche.

Gleichgeschlechtliche Paare sollen in Ulm einen Segnungsgottesdienst feiern dürfen, sobald es vom Kirchenrecht her möglich ist. Die evangelische Gesamtkirchengemeinde Ulm hat jetzt einen solchen Entschluss gefasst, das hat Dekan Ernst-Wilhelm Gohl bei einem Pressegespräch bekannt gegeben.

Das bedeutet, dass sich die Ulmer für eine Änderung des Kirchenrechts aussprechen. Bei der evangelischen Landeskirche Württemberg (ELKW) ist ein solcher Antrag in der Herbstsynode 2017 gescheitert: „Drei Stimmen haben zur nötigen Zweidrittelmehrheit gefehlt“, bedauert Gohl. „Doch das Thema ist noch nicht durch.“ Die Debatte läuft seit Jahren. Die ELKW ist die einzige der 20 Landeskirchen in Deutschland, die homosexuellen Paaren den Segen für ihre bürgerliche  Eheschließung verweigert.

„In unserer Gesellschaft ist Homosexualität Gott sei Dank  kein Tabuthema mehr“, sagt der Dekan. Seiner Auffassung der Bibel nach ist es nicht gerechtfertigt, gleichgeschlechtlichen Paaren, die „heute verbindlich und verantwortlich miteinander leben wollen“, eine kirchliche Segnung ihres Vorhabens vorzuenthalten: „Jesus hat sich mit keinem Wort zur Homosexualität geäußert.“

Eine Weigerung verletze die Betroffenen, das steht für Gohl außer Frage. Längst ist es anerkannte Realität, dass Kirchengemeinden Mitglieder, Kirchengemeinderäte, Pfarrerinnen und Pfarrer haben, die in homosexuellen Beziehungen leben.

„Es muss sich was bewegen“

Mit ihrem Beschluss hoffen die Ulmer, dass sich andere Kirchengemeinden  im Land anschließen. „Hier muss sich was bewegen“, hofft Gohl. Ein Aufruf zum Bruch des Kirchenrechts sei das nicht, sondern Ausdruck der Hoffnung, vielleicht auf einem anderen Weg zum Ziel zu kommen. Zum Beispiel über Gottesdienst-Ordnungen, denen der Oberkirchenrat in Stuttgart zustimmt – und für die, anders als für Änderungen im Kirchenrecht, keine Zweidrittelmehrheit nötig ist.

Für den Dekan ist es ein wichtiges Thema, auch wenn es nur wenige betreffe: Eine oder zwei Anfragen gebe es in Ulm pro Jahr. „Aber wie wir an der Basis sehen: Wir brauchen hier eine Lösung.“ 

Info Die evangelische Gesamtkirchengemeinde Ulm umfasst die sechs Gemeinden im Gebiet der Kernstadt und sie hat knapp 20 000 Mitglieder. Die Landeskirche Württemberg hat rund zwei Millionen Mitglieder.

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