Aus mehr als 100 eingesendeten Bildern wurde die gläserne Zentralbibliothek in der Innenstadt Ulms von den Zuschauern des Kulturmagazins „Aspekte“ zu Deutschlands „schönster Bausünde“ gewählt. Nachdem die Architekturexpertin Turit Fröbe Ende August die aus ihrer Sicht 20 zeigenswertesten Gebäude ausgewählt hatte, konnten die Zuschauer bis Sonntagabend für ihre ganz persönliche Bausünde stimmen.
 
Dass die 35 Meter hohe Glaspyramide im Fokus der Öffentlichkeit steht, ist nichts Neues: Seit ihrer Fertigstellung 2004 wurde in Ulm immer wieder darüber diskutiert, ob das hochmoderne Bauwerk das historische Stadtbild verunziert oder ob moderne Architektur in einer alten Stadt unverzichtbar für ein gutes Lebensgefühl ist.
 
Der Großteil der „Aspekte“-Zuschauer jedenfalls sieht die gläserne Zentralbibliothek im Vergleich zu den anderen nominierten Gebäuden klar vorne. Weder ein skurriles Haus auf der Ostseeinsel Zingst auf dem zweiten Platz, noch die Katholische Hochschulgemeinde in Köln auf Platz drei konnten den wenig ruhmreichen Sieg der Glaspyramide gefährden.
 
„Der Bau fügt sich in Bezug auf Proportionen,  Materialien und Gestaltung nicht in die historische, denkmalgeschützte Altstadt ein“, gibt der Marburger Professor Karl-Reinhard Seehausen als Grund für die Nominierung der Glaspyramide an. Seehausen hatte ein Bild der Ulmer Stadtbibliothek vor Beginn der Sommeraktion an die „Aspekte“-Redaktion geschickt und darf als Einsender der „Gewinner-Bausünde“ sein Fundstück – die gläserne Bibliothek in Ulm – in einer „Aspekte“-Sendung am 28. September vorstellen.