Aids Ulmer Forscher entwickeln neuen Ansatz: "Pinzette" gegen das HIV-Virus

Prof. Jan Münch forscht am Ulmer Institut für Molekulare Virologie.
Prof. Jan Münch forscht am Ulmer Institut für Molekulare Virologie. © Foto: dpa/Elvira Eberhardt
Ulm / SWP 23.08.2015
Hoffnung im Kampf gegen die Ausbreitung von Aids: Forscher aus Ulm und Pennsylvania setzen eine „molekulare Pinzette“ gegen den Erreger ein.
Unter Mikrobiziden versteht man chemische Substanzen, die Virus-Infektionen verhindern. Sie gelten als Hoffnungsträger im Kampf gegen Aids. Als Vaginal-Gele sollen sie vor allem Frauen in Entwicklungsländern die Möglichkeit geben, sich auch dann vor einer Infektion zu schützen, wenn ihr Partner kein Kondom verwendet. Allerdings haben alle bisherigen Mikrobizide in der Praxis versagt.

Jetzt präsentieren Forscher aus Ulm und Pennsylvania einen neuen Ansatz: Eine „molekulare Pinzette“, entwickelt von der Uni Duisburg-Essen, greift nicht nur das HI-Virus und andere sexuell übertragbare Viren an, sondern blockiert zusätzlich die im Sperma enthaltenen Infektionsverstärker.

Ein Großteil der Neuinfektionen mit HIV kommt durch Geschlechtsverkehr zustande. Dabei scheinen Eiweißbruchstücke eine wichtige Rolle zu spielen. Die von den Ulmer Aids-Forschern Prof. Jan Münch und Prof. Frank Kirchhoff 2007 entdeckten „Klebestäbchen“ erleichtern die Anheftung von Viren an die Zielzelle. Den Ulmer Forschern zufolge sind nur sehr wenige Viruspartikel nötig, um eine Zelle zu infizieren. Wissenschaftler um Münch und den amerikanischen Forscher Prof. James Shorter setzen nun eine „Pinzette“ ein, die die HIV-verstärkende Wirkung der Klebestäbchen blockiert. Konkret greift die Pinzette die Aminosäuren Lysin und Arginin an. Zudem bricht ein darin enthaltenes Molekül die Virenmembran auf, sodass der Erreger nicht mehr infektiös ist. In ihrer Studie konnten die Wissenschaftler diesen Effekt nicht nur bei HIV nachweisen, sondern auch bei weiteren sexuell übertragbaren Viren wie Herpes und Hepatitis C.

An der Veröffentlichung der Entdeckung waren neben den Ulmer Forschern Wissenschaftler verschiedener deutscher Unis und aus den USA beteiligt. Die Arbeiten wurden unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt.