Ulm Ulmer Elternvertreter diskutieren über Schulthemen mit Iris Mann

Ulm / VERENA SCHÜHLY 04.03.2013
Was tut sich im Bereich Schule in Ulm? Antworten auf seine Fragen bekam der Gesamtelternbeirat (GEB) der Ulmer Schulen bei einem Treffen mit Bildungsbürgermeisterin Iris Mann im Rathaus.

Bei der jüngsten ordentlichen Sitzung des GEB war die Bürgermeisterin verhindert gewesen, deshalb gab es jetzt eine außerordentliche Sitzung, in der Iris Mann mit den Ulmer Elternvertretern die aktuelle Situation in der Bildungspolitik vor Ort diskutierte. Manche Eltern freuten sich, auch einmal am runden und "historischen Tisch", so Mann, des großen Ratssaals sitzen zu können, an dem die Gemeinderäte ihre Entscheidungen fällen.

Zuerst ging es ums Thema neunjähriges Gymnasium (G9). Die Bürgermeisterin berichtete, dass es ab dem nächsten Schuljahr am Wiblinger Albert-Einstein-Gymnasium zwei fünfte G9-Klassen geben werde. Manche Eltern äußerten sich kritisch, ob die 60 Plätze in den beiden Klassen ausreichen. Sie fürchten, dass viele Interessierte leer ausgehen. Denn viele erwarten einen großen Andrang. Bezüglich der Festlegung von Auswahlkriterien sagte Iris Mann, dass diese in der alleinigen Verantwortung der Schule liege.

Generell müsse man jetzt abwarten, wie das Anmeldeverhalten der Eltern in Sachen G9 tatsächlich ist. Sollte sich zeigen, dass die Nachfrage viel größer als das Angebot ist, sei zu überlegen, welche Möglichkeiten es zum Nachsteuern gebe. Mann: "Aber das ist ein politisches Thema, bei dem es auf die Haltung des Kultusministeriums ankommt."

Marius Weinkauf sagte in seiner Eigenschaft als stellvertretender geschäftsführender Schulleiter der Ulmer Gymnasien, es sei politisch gewollt, dass Gymnasiums-Kinder auf die neue Gemeinschaftsschule gehen und dort auch die Möglichkeit haben, ihr Abitur nach neun Jahren abzulegen. Als weitere G9-Alternative bleibe nach wie vor die Möglichkeit, nach der Realschule über ein berufliches Gymnasium ebenfalls in neun Jahren die allgemeine Hochschulreife zu erwerben.

Ein weiteres Thema der Diskussion war der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung. Diese hat in Ulm zwar nicht zu einem Ansturm auf Gymnasium geführt (es blieb bei etwas mehr als 50 Prozent Übertrittsquote); dafür stieg der Anteil der Realschüler, während die Werkrealschule immer weniger gefragt ist. Ein Vater äußerte Bedenken, dass deshalb das Niveau der Realschule sinke.

Dem hielt Jürgen Volz, geschäftsführender Schulleiter der Real- und Werkrealschulen, folgendes entgegen: Erstens gelten nach wie vor die zentralen Standards für den Unterricht und die Prüfungen. Zweitens sei es schon längst so, dass auf die Realschule neben Kindern mit Werkrealschul-Empfehlung auch solche mit einer fürs Gymnasium gehen, um dem Druck im G8 zu entgehen.

"Heterogenität muss kein Nachteil sein", sagte auch Weinkauf. "Aber man muss damit umgehen können." Das sei ein erklärter Anspruch der Gemeinschaftsschule. In Ulm wird es ab September drei Schulen des neuen Typs geben: Spitalhof-, Ulrich-von-Ensingen- und Berblinger-Gemeinschaftsschule. Die Bürgermeisterin hoffte, dass die Eltern der neuen Schulart Vertrauen schenken: "Hier werden wirklich neue Wege beschritten, die drei Schulen sind hochmotiviert." Auch wenn sich am Anfang noch manches entwickeln müsse.

Eine Mutter kritisierte, dass die Gemeinschaftsschulen ausdrücklich inklusive Schulen seien (die also Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf aufnehmen). Aber bei den drei Ulmer Schulen vermisse sie solche Ansätze. Daraufhin warb Iris Mann für Verständnis, dass die Schulen dafür noch Zeit brauchen, weil derzeit viele rechtliche Rahmenbedingungen nicht geklärt seien.