Komisch sei der Ferienplan im Schuljahr 2018/19. Das sagte Ulrike Mühlbayer-Gässler vorneweg. Die geschäftsführende Schulleiterin aller Ulmer Grund-, Werkreal-, Real-, Gemeinschafts- und Sonderpädagogischen Schulen hat am Mittwochabend in der Sitzung des Gesamtelternbeirats den Ferienplan vorgestellt. Und zwar mit dem Ziel, acht bewegliche Ferientage zu verteilen. Die  können Kommunen festlegen, konkret liegt es in den Händen der geschäftsführenden Schulleiter. „Oft wird dem Vorschlag der Eltern entsprochen“, sagt Mühlbayer-Gässler. Komisch sei am Ferienplan 2018/19 etwa, dass die Sommerferien „nicht wie 100.000 Jahre zuvor an einem Donnerstag beginnen, sondern an einem Freitag“, sagt Mühlbayer-Gässler. Oder dass acht bewegliche Ferientage zu verteilen seien statt der üblichen sechs Tage.

In Abstimmung mit den anderen geschäftsführenden Ulmer Schulleitern hatte sie zur Sitzung sechs der acht Tage schon mal festgelegt. Wohl auch, um die Diskussion unter den Eltern abzukürzen. So wurde ein Ferientag für den 31. Mai, den Tag nach Christi Himmelfahrt, verwendet. Fünf Tage hatte Mühlbayer-Gässler für die Faschingsferien vom 4. bis 8. März 2019 verteilt. Blieben noch zwei Tage. Dachte sie.

„Warum sind die Faschingsferien gesetzt?“, fragte Dr. René Michels, Elternbeirat am Schubart-Gymnasium. Andere Eltern stimmten zu. In den Faschingsferien sei es in den Skigebieten  voll, die Preise seien hoch, Zimmer schwer zu bekommen, lauteten Argumente. Michels fährt in den Faschingsferien nicht Ski. „Das mach’ ich in den Weihnachtsferien.“ Die Trennung der Ferien vom Fasching ist ihm ein Anliegen, weil Eltern mit ihren Kindern dann stressfreier in den Urlaub fahren könnten, wenn nicht ganz Baden-Württemberg mit auf die Autobahn drängt. Michels: „Alles ballt sich immer um die Faschingstage.“

Eine Mutter führte aus, dass in Faschingshochburgen Ferien oft auf den Zeitraum von „Schmutziger Donnerstag“ bis Faschingsdienstag gelegt werden. Brigitte Röder, geschäftsführende Schulleiterin der Ulmer Gymnasien, beruhigte: „Donnerstag und Freitag ist in Ulm kein Thema.“ Die Schüler säßen „völlig ungestreift“ vom Fasching in der Schule.

Zur Abstimmung hatte Mühlbayer-Gässler diverse Modelle vorbereitet. Die meisten Eltern, nämlich 17, stimmten dafür, dass die Ferien von Fasching getrennt und auf 18. bis 22. Februar  gelegt werden.  Das heißt: 2019 wird es Winterferien zwei Wochen vor der Faschingswoche geben, die am 4. März beginnt.

Zwei Ferientage waren noch übrig. Wohin mit denen? Sie an die Weihnachtsferien anhängen? Flugkosten seien nach dem 6. Januar oft billiger, betonte Elternbeirätin Nancy Hecker-Denschlag.  Das Gremium entschied sich dafür die  Ferientage für Rosenmontag und Faschingsdienstag, 4. und 5. März, zu verwenden.

Mühlbayer-Gässler war insofern zufrieden, dass sie die Stadtwerke informieren könne, die die Termine wegen der Fahrpläne  wissen will. Bernd Jünke, Pressesprecher der Stadtwerke, geht davon aus, dass die verlegten Ferien für den Fahrplan unproblematisch seien. Schließlich komme die Ankündigung rechtzeitig.

Laut Mühlbayer-Gässler mache die Ferienvariante „pädagogisch Sinn“. Denn 2019 liegen zwischen Winter- und Osterferien 14 Wochen. „Da ist es gut, wenn der Block im Februar mit Ferien unterbrochen wird.“ Nur von einer Sache sah sie ab: Diese Variante auf fünf Jahre festzulegen, wie sie es ursprünglich geplant hatte.

Reaktion auf den Ulmer Vorstoß


Bayern Das Rumoren in Ulmer Schulleiter-Kreisen war gestern deutlich zu vernehmen, wenn sich auch kaum einer laut äußern wollte. Hauptkritikpunkt: Man liegt an der Grenze, die Ferien in Bayern sind fix. Für Eltern, deren Kinder Schulen in beiden Bundesländern besuchen, ebenso wie für Lehrer, deren Nachwuchs in Bayern zur Schule geht, ist die neue Regelung sehr schwierig.

Nachbarn Ähnliches gilt für die Gemeinden des Alb-Donau-Kreises. Vom Ulmer Vorstoß wenig begeistert zeigte sich Karl Nusser, geschäftsführender Schulleiter in Erbach. Eine Woche Ferien, eine Woche Schule, dann wieder zwei Tage frei  – diese Zerrissenheit schätzt der Leiter der Schillerschule gar nicht. Dazwischen liege dann der Glombige, der gerade in den Faschingshochburgen rund um Ehingen auch für freie Tage sorge. Ob die Erbacher mit den Ulmern mitgehen, das werden sie in bald entscheiden: „Normalerweise hängen wir uns an die Ulmer an. Aber natürlich müssen wir das nicht tun.“