Ulm Ulmer Denkanstöße zur Erlebnisgesellschaft beginnen

Ulm / JAKOB RESCH 11.03.2014
Jung und Alt, Ich und Wir, Leben und Arbeit - das alles waren schon Themen bei den Ulmer Denkanstößen. Zur siebten Auflage in dieser Woche geht es nun um den Glücksbegriff in der Spaßgesellschaft.

Wahnsinn: Das Oktoberfest und die Fußballbundesliga sind Themen der diesjährigen Ulmer Denkanstöße im Ulmer Stadthaus. Außerdem erzählt der Literaturkritiker Hellmuth Karasek Witze und der Musiker Joey Kelly spricht über einige seiner 100 Marathons und etliche Kilometer mehr. Auf was soll dieses Potpourri der Gefühle hinauslaufen, das die Veranstalter von Universität und Stadt Ulm da zusammengestellt haben? Ganz einfach: Auf die Frage nach dem "Zwang zum Glück", dem sich die Menschen in der Erlebnisgesellschaft unterwerfen. Damit widmen sich die Denkanstöße einem weiteren gesellschaftlichen Phänomen der Zeit.

Kulturbürgermeisterin Iris Mann spricht vom "großen Drang zum Glück" und der allgemeinen Erwartungshaltung, dass es einem gut geht. "Aber passt dieses subjektive Empfinden auch zu den objektiven Rahmenbedingungen?"

Prof. Renate Breuninger vom Humboldtstudienzentrum für Philosophie und Geisteswissenschaften an der Uni Ulm sagt, dass die "subjektive Befriedigung durch Güter" alles zum Erlebnis werden lässt. Wohnerlebnis, Badeerlebnis, Erlebnisbad, Erlebnisgastronomie. Die Steigerung dieser Erlebnisgesellschaft sei die Spaßgesellschaft, die fordert: "Du musst Dein Leben zum eigenen Projekt machen!"

Die Denkanstöße wollen dafür nun mitnichten ein weiterer Ratgeber sein, sondern die Sache über vier Tage mit ausgewiesenen Experten von verschiedenen Richtungen her angehen, mal philosophischer, mal populärer. Morgen geht es los.

Mittwoch: Start ist mit einem Film zum Thema im Xinedome: "Alles, was wir geben mussten." 18 Uhr.

Donnerstag: Eröffnung im Stadthaus mit einem Festvortrag von Ex-Kulturstaatsminister Prof. Julian Nida-Rümelin: "Glück, Spaß, gelungenes Leben." 19.30 Uhr.

Freitag: Von 14.30 Uhr an lautet das Thema "Der Zwang zum Glück in der Masse." Prof. Annemarie Pieper fragt, wie viel Glück der Mensch überhaupt braucht; die Psychologin Brigitte Veiz aus München berichtet von ihren jahrelangen Feldstudien zum "Wiesenwahnhsinn" des Oktoberfestes; Prof. Wolfram Pyta widmet sich der "atemberaubenden Karriere des Fußballbundesliga" und spielt dazu Szenen ein. 17 Uhr: Lesung mit Hellmuth Karasek: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht". 20 Uhr: Kabarettabend mit Hans Holzbecher zum "Risiko Leben".

Samstag: Von 13.30 Uhr lautet das Thema "Events - Struktur und Funktion". Prof. Felicitas Romeiß-Stracke spricht über die Entwicklung im Tourismus vom Spaß- zum Sinnfaktor; Christoph Köck ist auf der Spur der im Menschen angelegten Abenteuersuche; Wolf Lotter geht dem Nutzen von Verschwendung nach. 16 Uhr: Abschlussvortrag mit dem Extremsportler Joey Kelly aus der Kelly-Family: "No limits: Wie schaffe ich mein Ziel."

Gesponsert wird die Veranstaltung wie immer von der Sparda-Bank Baden-Württemberg über deren Stiftung Kunst und Kultur. Vorstandsvorsitzender Martin Hettich: "Einen Wertewandel stellen wir in der Bankenwelt auch fest." Da geht es allerdings um die Finanzkrise. Den Denkanstößen 2014 wünscht er einstweilen: "Viel Glück!"

Info Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei - bis auf den Kabarettabend. Spenden gehen an die Stiftung "Gänseblümchen" für sozial benachteiligte Kinder in der Region.

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