Ulm Ulmer Citybahnhof mit Verspätung

Ulm / HANS-ULI THIERER 09.08.2012
Citybahnhof Ulm: Hinter diesem Begriff steckt das größte städtebauliche Projekt der kommenden Jahre. Es gerät erst einmal ins Stocken: Weil umfangreichere Voruntersuchungen nötig werden als gedacht.

"Die Pläne zur Umgestaltung des Bahnhofs, das Projekt Citybahnhof Ulm, nehmen weiter Gestalt an . . . Nun wird in enger Partnerschaft mit der Deutschen Bahn ein Realisierungswettbewerb vorbereitet. Die Vorbereitung wird noch einige Zeit dauern. Ende nächsten Jahres planen wir die Auslobung des Wettbewerbs." Ivo Gönner in seiner Schwörrede am 23. Juli. Eher beiläufig tat der Ulmer Oberbürgermeister kund, dass der Architektenwettbewerb, der Ergebnisse für erste konkrete Schritte zur grundlegenden Neugestaltung des Ulmer Hauptbahnhofs und der ihn umgebenden Areale bringen soll, frühestens Ende 2013 ausgeschrieben wird. In bisherigen Zeitplänen war von 2012 ausgegangen worden. Es kommt also zur ersten Verspätung.

Noch im April hatte Baubürgermeister Alexander Wetzig die ehrgeizige Hoffnung ausgedrückt, diesen Planungswettbewerb sogar noch vor den Sommerferien auf den Weg bringen zu können. Die von Wetzig seinerzeit postulierte Voraussetzung: Man müsse sich mit der Deutschen Bahn (DB) wegen der Grundstücke einigen.

Die Stadt strebt den großflächigen Kauf von Bahn-Immobilien an - 65.000 Quadratmeter -, um eigenständig und unabhängig planen zu können. Speziell im Fokus: das Bahnhofsgebäude. Denn den Stadtoberen schwebt vor, woran die sich zunehmend auf ein reines Transportunternehmen reduzierende DB kein gesteigertes Interesse hat: ein repräsentativer Neubau, der Reisende und Gäste empfängt.

Die sich in die Länge ziehenden Grundstücksverhandlungen sind ein Grund für diese Verzögerung, zu der es beim Vorhaben Citybahnhof Ulm nun kommt. Ein anderer liegt in der Komplexität des Gesamtprojekts. Wie Gönner auf Anfrage erläuterte, "muss einfach zuerst mal alles erfasst werden, was da an Kabeln und Kanälen, Röhren und Schächten im Boden steckt, welche Funktionen was hat und welche Schraube benötigt wird während des Umbaus". Zu klären sei unter anderem, ob interimsweise ein eigenes Technikgebäude notwendig wird, um den Bahnbetrieb aufrecht erhalten zu können.

Gönner verkennt nicht, dass der Aufwand für diese General-Inventur, wie er die Bestandsaufnahme nennt, unterschätzt worden ist. Freilich habe sich erst zuletzt im Zuge einer Machbarkeitsstudie gezeigt, welche im wahrsten Sinne des Wortes tiefschürfenden Erkenntnisse gewonnen werden müssen, um beispielsweise ein Vorhaben wie eine zwölf Meter breite, sieben Meter tiefe und 300 Meter lange Passage unter den Bahngleisen hindurch zur Schillerstraße angehen zu können - sei es auch nur planerisch.

Hinzu kommt - die Erfahrungen während des Baus des Bahnhofsstegs haben es gezeigt -, dass auf dem Bahngelände immer mit unliebsamen Überraschungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gerechnet werden muss; nämlich mit Blindgängern, Bomben also, die während der Luftangriffe auf den Bahnhof nicht gezündet haben. Gönner: "Das ist alles unspektakulär, aber es braucht Zeit."

Was diese Verzögerung für die Zeitabläufe insgesamt bedeutet, vermag derzeit niemand abzuschätzen. Ohnehin gehen die Stadtplaner von einem Gesamtzeitraum von 15 Jahren aus, ehe der neue Citybahnhof realisiert ist. Bislang ist das Vorhaben eingeteilt in drei Entwicklungsphasen und 13 Einzelbausteine. Die erste Phase, der der nun verschobene Realisierungswettbewerb gewidmet wird, bilden der Neubau einer Bahnhofshalle und die Passage zur Schillerstraße.

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