Bis ins Jahr 1551 reicht die Tradition der Ulmer Bindertänze zurück, die seit etwa 150 Jahren von der Ulmer Küferinnung organisiert wurden. Warum? Nun, im Mittelpunkt der alle vier Jahre um Schwörwoche und Schwörmontag herum aufgeführten Tänze steht bekanntlich ein rollendes Fass – und mit Fässern kennen sich Küfer aus. Sie sind als Handwerker schließlich Fassmacher beziehungsweise Fassbinder, wie es früher hieß.

Acht-Minuten-Spektakel

Auch bei der nächsten Bindertanz-Saison, die am kommenden Wochenende mit mehreren Aufführungen in den Ulmer Stadtteilen beginnt, wird sich den Zuschauern das altbekannte, jeweils gut acht Minuten dauernde Schauspiel bieten. Wilfried Buchele wird ein 120-Liter-Fass auf der Kante vor sich her rollen, 16 in barocker Tracht gekleidete Tänzer-Paare tragen eine halbkreisförmige Girlande und führen einen Reiftanz auf. Allerdings: Die Küferinnung ist formal nicht mehr für das Spektakel verantwortlich. Als oberste Choreographin wird, wenn man so will, erstmals die Stadt fungieren. Denn die Ulmer Küferinnung hat sich nach 150 Jahren aufgelöst, berichtet Karl Faßnacht, der der Vereinigung in den vergangenen 30 Jahren als Obermeister vorgestanden hatte. „Als ich das Ehrenamt übernommen habe, gab es in Ulm und Region noch gut 30 Innungsbetriebe, überwiegend Mostereien und Schnapsbrennereien.“ Doch wie bei vielen anderen alten Handwerksberufen habe es auch bei den Küfern ein Branchensterben gegeben. „Wir wurden immer weniger, zuletzt waren wir noch drei Betriebe, einer in Ulm, einer in Ravensburg und einer in Aalen.“

Erfolgreiche Verhandlungen mit der Stadt

Weil im vergangenen Jahr auch Faßnacht selbst seinen Söflinger Betrieb altershalber aufgegeben hat, parallel dazu sein Obermeister-Amt niederlegte, stellte sich die Frage: „Was machen wir mit den Bindertänzen?“ Denn dass die beim Publikum beliebte Traditionsveranstaltung auf jeden Fall weiterlaufen müsse, sei allen Beteiligten klar und zu keinem Zeitpunkt umstritten gewesen. Die Verhandlungen mit der Stadt seien „konstruktiv und erfolgreich“ gewesen, sagt Faßnacht, der sich freut, „dass die Bindertänze in einem sicheren Hafen gelandet sind“. Angesiedelt ist deren Organisation jetzt bei der Abteilung Heimatgeschichte der Stadt Ulm. Im Ablauf des Veranstaltungsreigens ändere sich dadurch nichts, sagt Faßnacht. Auch diesmal habe man wieder eine Truppe von Tänzern zusammenbekommen, darunter freilich nicht nur (ehemalige) Küfer, sondern auch andere Handwerker und  sogar einen Bankkaufmann.

Die Tänzer und übrigen Mitstreiter stammten nicht nur aus Ulm, sondern überwiegend aus dem Alb-Donau-Kreis. Für die Proben – insgesamt 10 – und die Aufführungen – insgesamt 12 – bekommen sie von der Stadt eine kleine Aufwandsentschädigung.

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Der Tanz im Lauf der Jahre


Unterbrechung Als Ulm 1802 aufhörte, Freie Reichsstadt zu sein, war es mit Schwörtag und Bindertanz erst mal vorbei. Wiederbelebt wurden die Tänze 1921, als die Ulmer Geschäftswelt dem Publikum mit einer „Schauwoche“ etwas Besonderes bieten wollte, heißt es auf der Homepage der Stadt.

Nationalsozialismus In den Jahren danach wurde der Bindertanz sporadisch aufgeführt. 1935 legten die Nationalsozialisten ihn auf den Schwörmontag, um ihn ideologisch für ihre Ziele zu vereinnahmen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der Bindertanz an den Schwörmontag angegliedert.

Gegenwart 1968 wurde der Bindertanz in einen Vier-Jahres-Turnus gebracht. Er findet seither abwechselnd mit dem ebenfalls alle vier Jahre aufgeführten Fischerstechen statt.

Termine Die Bindertänze werden am nächsten Sonntag, 14. Juli, in den Ulmer Stadtteilen und auf dem Neu-Ulmer Rathausplatz aufgeführt; am Schwörsonntag, 21. Juli, sind die Tänze in der Ulmer Innenstadt; an Schwörmontag findet eine Aufführung im Rahmen der Schwörfeier auf dem Weinhof statt.