Ulm Ulmer Alt-Oberbürgermeister Ernst Ludwig gestorben

Ulm / swp 26.05.2017
Ulms Alt-OB Ernst Ludwig ist in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch im Schlaf gestorben. Politische Begleiter wie Gegner würdigen unisono seine großen Verdienste um die Stadt.

Drei Monate nach seinem 90. Geburtstag ist der frühere Ulmer Oberbürgermeister Ernst Ludwig gestorben. Ende Februar erfreute er sich noch guter Gesundheit und nahm beispielsweise an den Feierlichkeiten zum Uni-Jubiläum teil, an deren Gründung er wesentlichen Anteil hatte. Jetzt ist er in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch friedlich im Schlaf gestorben, wie die Stadtverwaltung mitteilt.

OB Gunter Czisch würdigte seinen Vor-Vorgänger als einen Mann mit eigenem Kopf, eigenem Stil und einer großen persönlichen und politischen Leidenschaft für seine Heimatstadt. „Für Ulm war er der richtige Mann zur richtigen Zeit“, sagte Czisch, der von Dienstagfrüh an im Rathaus ein Kondolenzbuch auslegen lässt, in das sich alle Bürger eintragen können.

Ludwig wird als Macher und Manager der Stadt geehrt, der in seiner Amtszeit von 1984 bis 1992 mit den Schwierigkeiten des Strukturwandels zu kämpfen hatte. Ihm war es gelungen, die durch die für Ulm traumatische Schließung von Videocolor hochgeschnellten Arbeitslosenzahlen wieder deutlich zu senken.

„Er war in seinem vielfältigen öffentlichen Wirken für uns Ulmer ein Gewinn“, sagt Ivo Gönner, der als direkter Nachfolger auf Ernst Ludwig 24 Jahre die Geschicke der Stadt bestimmte. „Durch die Entwicklungen unter seiner Zeit hat die Stadt einen kräftigen Schub nach vorne  gemacht und die Grundlage gelegt für weitere Entwicklungen“, sagte Gönner, nach dessen Worten Ulm Ernst Ludwig viel zu verdanken habe.

Beispielsweise auch die Gründung der Universität auf dem Oberen Eselsberg, woran Präsident Michael Weber erinnert. „Wir trauern sehr um unseren verstorbenen Wegbegleiter und Ehrensenator.“ Ludwig habe als Universitätsbeauftragter die Gründungsphase aktiv und entscheidend geprägt und die erfolgreiche Weiterentwicklung der Uni „maßgeblich vorangebracht“.

Schon vor seiner Zeit auf der Landesbühne war Ludwig Universitätsbeauftragter der Stadt Ulm und später Staatssekretär im Ministerium für Raumordnung, Wirtschaft und Verkehr. Auch die Gründung der Wissenschaftsstadt geht auf ihn zurück. Ludwig hatte sehr engen Kontakt zum damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth, den er zum Vorteil der Stadt einzusetzen wusste.

In seine Amtszeit fiel das so genannte Stadtqualitätsprogramm, das die Stadt grundlegend umkrempelte. Darunter fallen unter anderem der Bau des Stadthauses und die Umgestaltung des Münsterplatzes, das Congress-Centrum mit dem Hotelhochhaus Maritim sowie der Ausbau der Donauhalle und des Messegeländes. Unvergessen bleibt sein Satz aus der Schwörrede: „Stadt ist Stein.“

Ludwig hatte zu Beginn seiner Amtszeit ein hohes Arbeitstempo angeschlagen. Die Stadt war im Umbruch, Maschinen- und Fahrzeugbau steckten in der Krise, die Arbeitslosigkeit war hoch. Gemeinsam mit dem Söflinger Udo Botzenhart erkämpfte er sich Mehrheiten im Rat für den Umbau der Stadt hin zu Wissenschaft und Dienstleistung.

Aber auch im Kulturellen hat er seine Verdienste. Ludwig war von Anfang an Befürworter der Kulturhallen Roxy und setzte das erste Donaufest Ost/West durch, den Vorläufer des heutigen Internationalen Donaufestes.

Das Requiem im Ulmer Münster findet am kommenden Freitag, 12 Uhr, statt.

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