Ulm/Neu-Ulm vor 40 Jahren

Pferdestopp in der Friedrichsau: An der Tanke brauchen nicht alle Benzin. Mancher holt sich sogar was zu tanken. Foto: Maria Müssig
Pferdestopp in der Friedrichsau: An der Tanke brauchen nicht alle Benzin. Mancher holt sich sogar was zu tanken. Foto: Maria Müssig
JR 28.10.2013
In der Woche vom 29. Oktober bis 3. November 1973 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über folgende Ereignisse berichtet: Türken auf die Insel Überraschende Pläne für einen prominenten Ort: Das Haus Nummer 1 auf der Insel in Neu-Ulm stand leer.

In der Woche vom 29. Oktober bis 3. November 1973 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über folgende Ereignisse berichtet:

Türken auf die Insel

Überraschende Pläne für einen prominenten Ort: Das Haus Nummer 1 auf der Insel in Neu-Ulm stand leer. Jetzt sollte es vorübergehend neu genutzt werden. Mit exklusiven Wohnungen mit Blick auf Ulm? Nein, mit einem Wohnheim für türkische Gastarbeiter. Das jedenfalls ergaben Recherchen der SWP, die dem Urheber eines Zeitungsinserats nachgegangen war: "An alle Firmen! Wollen Sie Unterkunft haben für Türken in Neu-Ulm? Einrichtung muß gestellt werden." Das Gebäude, heute Standort des Tagblatt-Biergartens, galt natürlich damals schon als " markanter Eingangspfeiler am Südausgang der Herdbrücke". Für das Gebiet gab es einen Bebauungsplan mit kühnen Aussichten. So sollte ein Fußgängersteg von der Ulmer Herdbruckerstraße her gebaut werden, der durch ein Einkaufsgebiet auf die Insel und weiter zum Donaucenter führen sollte. Eine Unterführung unter der Marienstraße hindurch sollte im Anschluss den Fußgängerverkehr zur Augsburger Straße weiterleiten.

Palmer auf der Palme

Obsthändler Helmut Palmer, bekannt geworden als Remstal-Rebell, landete mal wieder einen bürokratiekritischen Coup: Er trug ein Bündel Akten aus dem Ulmer Liegenschaftsamt hinaus, und das kam so: Palmer war dort aufgekreuzt, um sich über die "beschissene Marktordnung in Ulm" zu beschweren und eine einstweilige Verfügung gegen einen benachbarten Marktbeschicker anzukündigen. Alle Türen standen offen, aber keiner war da. "Ich habe laut gerufen. Es war kurz nach zwölf. Doch niemand kam." Er hielt das für eine unverantwortliche Sauerei. So hat er halt ein bisschen die herumliegenden Akten umgeschichtet und aus dem Vorzimmer des Chefs eine Mappe mit Akten mitgenommen. Die wollte er als Beweisstück dann um 15 Uhr beim Oberbürgermeister abgeben, aber der war auch nicht da. Weswegen Palmer sie ins Liegenschaftsamt zurücktrug.

Zeitung auf Probe

Ein Arbeitskreis des Stadtjugendrings sprach sich dafür aus, mit einer Ulmer Jugendzeitung endlich Ernst zu machen. Bisher war es bei provisorischen Ausgaben von Spontan-Redaktionen geblieben. Der Gemeinderat hatte im Haushalt zwar 10 000 Mark bereitgestellt, die aber nicht abgerufen wurden. In einer Diskussion im EinsteinHaus erklärten sich jetzt 30 Jugendliche bereit, am Projekt mitzuarbeiten, das auf eine Initiative der Jungsozialisten zurückging: Sie sahen darin einen Ersatz für die abgeschaffte Jungbürgerfeier der Stadt Ulm. Die Zeitung sollte in einer Auflage von 5000 Stück zehnmal jährlich kostenlos erscheinen, die Redaktion gewählt werden. Selbstkritische Anmerkungen unter den Machern gab es nicht zu knapp: Interessiert so eine Jugendzeitung überhaupt jemanden? Können die einzelnen Gruppen wie Lehrlinge und Schüler damit auch gleichzeitig angemessen bedient werden? Und lief die Redaktion nicht Gefahr, sich schnell zu einem intellektuellen Klüngel zu entwickeln? Nun, einen Versuch war es immerhin wert, so die Mehrheitsmeinung.

Florettle auf Abwegen

Die Hercules K 50 und das Kreidler Florett waren sehr beliebte Kleinkrafträder. Jedenfalls registrierte die Ulmer Polizei vermehrt Diebstähle dieser Typen. Deswegen erging jetzt ein Aufruf an die Bevölkerung in Ulm und im Alb-Donau-Kreis: "Wo sind in der letzten Zeit Jugendliche mit Kleinkrafträdern aufgefallen, die sie vor Wochen noch nicht hatten?" Hinweise wurden ausdrücklich vertraulich behandelt.

Tränke oder Tanke?

Ein Bierkutschengespann von Gold Ochsen machte an der Esso-Tankstelle in der Friedrichsau Station. Kommentar der SWP mit Blick auf die damalige Ölkrise, die kurze Zeit später zum Sonntagsfahrverbot führen sollte: "Keine Spur von Kraftstoffkrise."

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel