Ulm/Neu-Ulm vor 40 Jahren

Wieder nix: Wie sein Vorgänger Albrecht Berblinger landete Manfred Herter in der Donau, und das nun schon zum zweiten Mal. Foto: Maria Müssig/Archiv
Wieder nix: Wie sein Vorgänger Albrecht Berblinger landete Manfred Herter in der Donau, und das nun schon zum zweiten Mal. Foto: Maria Müssig/Archiv
JR 06.08.2012

In der Woche vom 7. bis 12. August 1972 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über folgende Ereignisse berichtet:

Zweiter Absturz

Oje: Manfred Herter landete auf den Spuren Albrecht Ludwig Berblingers schon wieder in der Donau. Mit einem Fluggerät, das dem des Schneiders von Ulm nachgebaut war, wählte er diesmal die Herdbrücke als Startplatz, nachdem er drei Wochen zuvor von der Adlerbastei herunter gescheitert war. Half aber nichts: Nur kurz schwebte er über dem Wasser, dann verdrehten sich die Flügel und er stürzte senkrecht in die Fluten. Reaktion des 37-Jährigen: "Im nächsten Jahr probier ichs wieder." Sein Flugapparat tauchte nicht mehr auf.

Olympische Heimspiele

In nächster Nachbarschaft standen die Olympischen Spiele in München vor der Tür. Die Ulmer planten aber nicht, hinzugehen: Zu teuer die Karten, wenn man denn überhaupt welche bekomme. Dabei sein wollten dennoch alle. Also verlegten sie sich aufs Fernsehen, was ohnedies als die bequemere Variante geschätzt wurde.

Letztes Testspiel

Die gerühmte deutsche Basketballmannschaft bekam in Ulm einen Dämpfer. Beim letzten vorolympischen Testspiel in der Ballspielhalle setzte es vor 400 Zuschauern ein 93:103 gegen Israel. Kapitän des Teams mit dem Spitzen-Center Norbert Thimm war Holger Geschwindner, heute persönlicher Trainer von NBA-Star Dirk Nowitzki. Danach wollten die müden Spieler nur mehr heim und vertieften sich folglich nicht in das Bankett, das die deutsch-israelische Gesellschaft gab. Das Team wurde in München dann Zwölfter, Israel hatte sich nicht qualifizieren können, Olympiasieger wurde die Sowjetunion.

Bedrohte Radler

Von einer fahrradfreundlichen Stadt war Ulm noch weit entfernt, und das, obwohl das Radeln boomte. Die SWP: "Radfahrer haben auf den Ulmer Straßen nichts zu lachen." Abgesehen davon, dass sie "auf zu engen Fahrbahnen von zu vielen Autos an Bordsteine gedrängt, gefährdet und auch umgefahren" würden, fehlten Radwege und Fahrradständer. Warnschilder allerorten sorgten für den Rest: "Fahrräder anlehnen verboten!"

Gesuchtes Bordell

"Ulm braucht ein Bordell." Das stellte die Stadtverwaltung fest, suchte dafür aber weiter nach einem "für die Einwohner unschädlichen Standort". Ein Etablissement in der Schülinstraße war aufgelöst worden, was jetzt den Straßenstrich in der Schillerstraße aufblähte. Der Plan für ein Eros-Center an der Lupferbrücke, ebenso umstritten, schien sich zerschlagen zu haben.

Umstrittener Obolus

Die Touristen staunten nicht schlecht übers Ulmer Münster. Zum einen über das Bauwerk an sich natürlich, zum anderen aber darüber, dass sie Eintritt zahlen mussten, um ins Kirchenschiff zu kommen. Ein Reiseleiter aus Schweden: "Habe noch nie gehört, daß man Geld braucht, um in die Kirche zu gehen." Bislang 30, kostete die Karte nun 50 Pfennige. Das sorgte bisweilen für richtige Rangeleien an der Pforte.

Neues Regionalamt

In seiner ersten Pressekonferenz kündigte der neue Oberbürgermeister Hans Lorenser "bei Whisky und Sprudel" an, dass Ulm Sitz eines Regionalamtes sein wolle. Hintergrund: Nach einer Verwaltungsreform sollten die vier Regierungspräsidien Baden-Württembergs durch bis zu acht Regionalämter als Mittelinstanz der Landesverwaltung ersetzt werden. Die Region Ulm umfasste nach Vorstellung im Rathaus Ostwürttemberg, das Gebiet Donau-Iller und Oberschwaben.

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