Ulm/Neu-Ulm vor 40 Jahren

Da gehts ab: Für Offiziere aus aller Welt gab es von der Bundeswehr in der Rommelkaserne eine Kostprobe in Nahkampfaufnahme. Foto: Simon Resch
Da gehts ab: Für Offiziere aus aller Welt gab es von der Bundeswehr in der Rommelkaserne eine Kostprobe in Nahkampfaufnahme. Foto: Simon Resch
JR 24.03.2014
In der Woche vom 25. bis 30. März 1974 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über folgende Ereignisse berichtet:

Kanonenfutter
Die Gulaschkanone fand natürlich auch reges Interesse. Aber dafür waren die 32 Offiziere aus aller Welt eigentlich nicht in die Rommelkaserne gekommen. Die durchweg in der Bundesrepublik akkreditierten Heeresattachés informierten sich über die Ausbildung beim Panzerregiment 200 sowie über den technischen Stand der Truppe. So bekamen sie auf dem Lerchenfeld Einblick in die Einzelausbildung von Panzergrenadieren und einen nachhaltigen Eindruck von der Kanone des Leopard-Panzers. Außerdem fesselte eine Übungspatrone die Aufmerksamkeit, die bis auf 100 Meter wie ein scharfes Geschoss wirkte, danach aber ungefährlich sein sollte. Beim Eintopf aus der in allen Heeren üblichen Gulaschkanone konnte man sich dann leicht verbrüdern, vom Eidgenossen eines schweizerischen Generalmajors bis hin zum Sozialisten eines jugoslawischen Obersts.

Wohnbaumisere
Zwischen 500 und 700 neue Eigentumswohnungen standen in Ulm, Neu-Ulm und dem engeren Drumrum leer, schätzten Experten, allein 200 waren es im Neubaugebiet am Tannenplatz. "Die Wohnbautätigkeit stagniert fast völlig." Der Markt habe sich verengt. Während der Trend allgemein weg von der Eigentumswohnung ging, waren von Eigenheimbauern nur noch Randlagen gefragt. Gleichzeitig lag der Mietwohnungsbau am Boden. Für private Unternehmen war er unrentabel, soziale gingen wegen eines Landeswohnbauprogramms am Stock, "das nicht an der Realität ausgerichtet ist".

Klinikknatsch
Das ehemalige Klinikgelände rund um die Chirurgie m Safranberg liegt derzeit brach und wartet auf seine Wiederauferstehung als Wohngebiet. Vor 40 Jahren wurde vor, hinter und neben dem damals noch städtisch geführten Krankenhaus gebaut, weil es aus allen Nähten platzte. Es fehlte Raum für Patienten, Ärzte, medizinische Geräte und Pflegepersonal, gebaut wurde auch am Personalwohnheim. In der Diskussion war der provisorische Leichtbau eines Isolierhauses für sterile Betten, in dem wegen einer Abwehrschwäche infektgefährdete Patienten unterkommen sollten. Die Stadt war gegen einen solchen Bau, nicht zuletzt, weil die Universität dafür keine Folgekosten übernehmen wollte. FWG-Stadtrat Udo Botzenhart beschwor die Gefahr, dass mit jedem weiteren Provisorium am Safranberg die Universität den Bau ihres Uni-Klinikums auf dem Eselsberg hinausschieben könnte. Die Stadt sah sich langsam auch fachlich überfordert. Bürgermeister Gerhard Stuber sagte, dass fast jeden Tag ein Chirurg der Uni komme, um nach einem Raum zu fragen, während der Dermatologe noch immer nach Betten für seine Hautpatienten suche. Was aber sei für die Krankenversorgung wirklich am Wichtigsten? "Das sollte ein ärztlicher Direktor entscheiden."

Frühlingsfehlalarme
Die Ulmer Feuerwehr verzeichnete wieder mehr Fahrten ins Blaue hinein. "Erfahrungsgemäß wächst im Frühjahr die Zahl der mutwilligen Fehlalarme über die öffentlichen Feuermelder." Bei einem Alarm in der Söflinger Waidstraße stellten die Feuerwehrleute vor Ort fest, dass das Schutzglas des Feuermelders offenbar schon länger gefehlt hatte. So gesehen kein schlechter Knopfdruck auf die Sirene, wie die SWP fand: "Auch eine Art, auf ein fehlendes Stück Glasscheibe aufmerksam zu machen."