Demonstration Ulm: Schüler streiken für das Klima

Schwänzen für den Klimaschutz: Ulmer und Neu-Ulmer Schüler gestern Mittag auf dem Marktplatz. 
Schwänzen für den Klimaschutz: Ulmer und Neu-Ulmer Schüler gestern Mittag auf dem Marktplatz.  © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Christoph Mayer 19.01.2019

Es sind etwa 250 Schülerinnen und Schüler vorwiegend höherer Klassen, die sich kurz vor 12 Uhr auf dem Ulmer Marktplatz versammeln. Einige haben selbst bemalte Transparente mitgebracht. „Das Kilo Fleisch 20 Euro und keine Billigflieger“ ist darauf beispielsweise zu lesen, oder  „Der Klimawandel wartet nicht, bis wir unseren Abschluss haben“, oder „Euch gehen die Entschuldigungen aus, uns die Zeit“.

Noah Epple ist einer der lokalen Veranstalter der Aktion „Climate Strike“, die gestern in mehreren deutschen Städten stattgefunden hat  – unterstützt auch von einzelnen Umweltverbänden. Der 18-Jährige Schüler der Neu-Ulmer Fachoberschule (FOS) findet es wichtig, dass gerade junge Leute Flagge zeigen und Politikern signalisieren: So darf es nicht weitergehen. Ob Abgas-Skandal oder Klimaziel-Verfehlung: „Die Leute, die jetzt am Ruder sitzen, sind von den Folgen doch gar nicht mehr betroffen. Wir sind die Generation, die es ausbaden muss.“

Konsum als Stellschraube

Die Demo selbst dauert keine halbe Stunde. Sichtlich nervös spricht Epple ins Megaphon: „Schluss mit der Kohleverstromung“ fordert er unter Beifall. Oder fragt: „Muss es die Mallorca-Reise für 99 Euro sein?“ „Nein“, schallt es ihm wie bestellt entgegen. Im Grunde genommen sei der Verbraucher die entscheidende Stellschraube, sagt Epple zum Schluss: „Jeder von uns kann seinen Konsum überdenken und seine Handlungsweise ändern.“

Unter dem Motto „Fridays for Future“ hatten die Veranstalter Schüler sämtlicher Ulmer und Neu-Ulmer Schulen zur Teilnahme aufgerufen. Dass dennoch vergleichsweise wenige kamen, dürfte nicht allein am inneren Schweinehund gelegen haben. Sondern auch daran, dass mit der Aktion ein Schulstreik verbunden war. Frei gegeben hatten die Schulen ihren Schülern nämlich nicht, wie Bernhard Meyer, geschäftsführender  Schulleiter der Ulmer Gymnasien auf Anfrage mitteilte – allein aus rechtlichen wie auch aus versicherungstechnischen Gründen. Viel zu kurzfristig sei die Aktion angekündigt worden, man habe weder eine Rückmeldung von Eltern einholen noch das Problem der Aufsichtspflicht lösen können.

Andererseits machte der Oberstudiendirektor deutlich, dass das Anliegen der Schüler ein hehres sei: „Grundsätzlich stehen wir sowohl dem Klimaschutz als auch dem politischen Engagement von Schülern positiv gegenüber.“ Konkret bedeute dies: Wer dem Unterricht fern geblieben sei, bekomme zwar ein oder zwei Fehlstunden eingetragen. Ernsthafte Sanktionen müsse deshalb aber kein Schüler befürchten. Ein großes Thema sei der Streik an seiner Schule allerdings nicht gewesen, sagte Meyer, der das Albert-Einstein-Gymnasium in Wiblingen leitet: „Wir hatten lediglich zwei oder drei Anfragen von Schülerseite.“

Kritik von CDU-Jugend

Die Junge Union (JU) Baden-Württemberg und die ebenfalls der CDU/CSU nahestehende Schüler-Union hatten die Aktion kritisiert. Im Vorfeld der „Fridays for Future“-Demo in Stuttgart erklärten JU-Landeschef Philipp Bürkle und Michael Bodner von der Schüler Union in einer Pressemitteilung: „Mit Schulschwänzen den Klimawandel zu bekämpfen, ist in etwa so sinnvoll, wie mit dem Staubsauger durch die Sahara zu laufen. Wenn Schüler demonstrieren wollen, können Sie das selbstverständlich gerne tun, aber nicht während der Schulzeit.“ Die Lehrkräfte müssten Schulschwänzen entsprechend konsequent ahnden. „Wir fordern, solche Fehlzeiten im Zeugnis festzuhalten.“

Die Ulmer Grünen-Fraktion dagegen unterstützte den Klima­streik. „Toll, dass immer mehr junge Leute die Wichtigkeit wahrnehmen und mehr Einsatz fordern“, teilte Stadtrat Michael Joukov-Schwelling mit. Er forderte die Schulen auf, über die Fehlstunde hinwegzusehen.

Greta Thunberg ist das Vorbild

Teenager Begonnen hat die Bewegung „Climate Strike” mit der mittlerweile 16-jährigen Greta Thunberg. Die Schwedin, Tochter einer Opernsängerin und eines Schauspielers, geht seit August 2018 einmal die Woche nicht in die Schule. Stattdessen setzt sie sich mit ihren Schulbüchern vor das Parlament in Stockholm, um die Regierung aufzufordern, sich konsequenter für den Klimaschutz einzusetzen. Weltweit berichteten Medien über ihre Aktionen. Unter anderem nahm das „Time Magazine“ Thunberg wegen ihres Engagements in seine Liste der weltweit einflussreichsten Teenager des Jahres 2018 auf.

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