Ulm Ulm: Mehr Hilfe für Folteropfer

Ulm / JÜRGEN BUCHTA 06.03.2012
Das Land unterstützt erstmals das Behandlungszentrum für Folteropfer. Die Ulmer Einrichtung bekommt 60.000 Euro für ihre Arbeit in diesem Jahr.

Das Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm (BFU) wurde 1995 auf Initiative von Amnesty International gegründet. Seit 17 Jahren betreut es Frauen und Männer medizinisch, therapeutisch und psychosozial, die als Asylbewerber nach Deutschland gekommen sind und in ihren Heimatländern Opfer von Folter, Kriegen und anderen Gewalttaten wurden.

Trägerverein des Zentrums, für das heute drei Festangestellte und neun Honorarkräfte arbeiten, ist der Reha-Verein für soziale Psychiatrie. Die Mittel für die Arbeit des BFU – 270.000 Euro im vergangenen Jahr – stammen aus privaten Spenden, von Stiftungen und aus Fördertöpfen der Europäischen Union, von der Stadt Ulm und dem Landkreis Alb-Donau, von Krankenkassen sowie Amnesty International.

Allein das Land habe sich rar gemacht, berichtet Reha-Verein-Geschäftsführer Heiner Schrottenbaum. Es habe die Unterstützung der Arbeit nicht als seine Aufgabe betrachtet. Umso erfreulicher sei, dass es nach dem Regierungswechsel in Stuttgart offensichtlich einen Bewusstseinswandel gebe.

Schrottenbaum und Manfred Makowitzki, der organisatorische Leiter des BFU, dankten den beiden Ulmer Abgeordneten Jürgen Filius (Grüne) und Martin Rivoir (SPD) für ihren Einsatz in dieser Sache. Filius und Rivoir berichteten, dass das Land 2012 für die Behandlungszentren in Baden-Württemberg insgesamt 300.000 Euro zur Verfügung stellt. Neben dem BFU sind dies zwei Zentren in Stuttgart, ein Zentrum in Villingen-Schwenningen und weiteres in Karlsruhe.

Nachdem diese Einrichtungen seit Jahren gute Arbeit leisteten, wird für Rivoir damit ein „unwürdiger Zustand“ beendet. Filius erinnerte daran, dass diese Unterstützung auch im Koalitionsvertrag festgehalten und damit zumindest für die Dauer der aktuellen Regierung festgeschrieben sei. Wie hoch sie in den folgenden Jahren ausfällt, sei allerdings offen, hielten die beiden Abgeordneten fest. Die Höhe der Förderung hänge im Wesentlichen vom Geld ab, das dem Land dann zur Verfügung steht.

Makowitzki erinnerte daran, dass das BFU mehrfach darum gekämpft hatte, finanziell über die Runden zu kommen. In diesem Jahr sei man von diesen Sorgen befreit. Er führte an, dass das Ulmer Zentrum seit seinem Bestehen etwa 2000 Flüchtlinge betreute. Aktuell seien es 120, die in der Regel zwischen zwei und vier Jahren behandelt werden.

Viele dieser Frauen und Männer stammten aus Syrien, Afghanistan oder Nigeria. Zwei Drittel hätten keinen gesicherten Aufenthalt in Deutschland. Makowitzki: „Wir sehen unsere Aufgabe auch darin, die Leute auf ihrem Weg zum dauerhaften Aufenthalt zu unterstützen.“

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