Schule Ulm: Berufliche Schulen feiern 50-jähriges Bestehen

Sie erzählten vom Lernen an einem Beruflichen Gymnasium (von links): Judith Fülle, Prof. Thomas Neidlinger, Moderator Ulrich Becker, Mathias Brugger und Rolf Geiger.
Sie erzählten vom Lernen an einem Beruflichen Gymnasium (von links): Judith Fülle, Prof. Thomas Neidlinger, Moderator Ulrich Becker, Mathias Brugger und Rolf Geiger. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Beate Rose 14.01.2019

Die Technische Oberschule – für Rolf Geier ein „Glücksfall“. Er war einer der ersten Absolventen der Technischen Oberschule, die im Sommer 1969 in der Pionierkaserne ihren Betrieb aufgenommen hatte und mit zur Ferdinand von Steinbeis-Schule gehörte. Geier erzählte davon am Samstag während der Feier „50 Jahre Berufliche Gymnasien und Technische Oberschule in Ulm“. Im gut gefüllten Kornhaus wurden vier Schulen gefeiert, die Steinbeis-, Robert-Bosch-, Listschule, deren Träger die Stadt Ulm ist, und die Valckenburgschule, deren Träger der Alb-Donau-Kreis ist.

Geier gehörte zu jenen, die beim Festakt auf dem Podium auch davon berichteten, was sie mit dem Schulabschluss angefangen haben. Er stammt aus einfachen Verhältnissen, mit 13 Jahren absolviert er eine Lehre zum Schlosser. „Ich wollte schon immer Lehrer werden“, erzählte er. Dass gerade die Technische Oberschule in Ulm eröffnet hatte war für ihn „ein Glück“, denn die nächste, jene in Stuttgart, zu besuchen, kam aus finanziellen Gründen nicht in Frage. Nach dem Abschluss studierte er und unterrichtete 32 Jahre lang als Berufsschullehrer. „Bildung ist etwas Tolles“, schwärmte von der Möglichkeit nach einer Berufsausbildung die Fach- oder Hochschulreife zu erlangen. „Als Beitrag zur gesellschaftlichen Gerechtigkeit?“, fragte Moderator Ulrich Becker, Chefredakteur der SÜDWEST PRESSE. „Unbedingt, ja“, sagte Geier.

„Schule des sozialen Aufstiegs“ nannte Susanne Pacher vom Regierungspräsidium Tübingen die Beruflichen Gymnasien und die Technische Oberschule. Schließlich können dort Schüler nach einem mittleren Schulabschluss weiterlernen und im G9-Zug die Hochschulreife erlangen. Im vergangenem Schuljahr legten in Ulm an diesen Schularten allein 528 Schüler das Abitur ab, sagte Pacher. Diese Schulen seien ein Erfolgsmodell, betonte Lorenz Schulte, geschäftsführender Schulleiter in Ulm. Landesweit lege inzwischen jeder dritte Schüler das Abitur an einer beruflichen Schule ab, berichtete er.

Der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch ist übrigens Absolvent der Friedrich-List-Schule, „was kein Fehler ist“, wie er bekannte. Er sieht die beruflichen Schulen als Einrichtung, in der Talente junger Menschen besonders gefördert werden. Ebenfalls ein bekennender Fan ist Landrat Heiner Scheffold als Absolvent eines Wirtschaftsgymnasiums.

Jedes Berufliche Gymnasium war von einem ihrer Absolventen beim Podiumsgespräch vertreten. Judith Fülle, Abitur an der Valckenburgschule, arbeitet heute als Produzentin für Film und Fernsehen. Thomas Neidlinger, Abitur an der Bosch-Schule, lehrt inzwischen als Professor für Informationstechnik an der Dualen Hochschule in Heidenheim. Mathias Brugger, Abitur an der List-Schule und einer der besten Zehnkämpfer europaweit, studiert Bauingenieurwesen.

Auf die Frage des Moderators, ob Prof. Neidlinger das Berufliche Gymnasium empfiehlt, sagte er: „Natürlich.“ Seine Kinder haben sich jedoch gegen Technik entschieden. Er habe ihnen zwar Lego-Technik hingelegt, „aber die Barbie war besser“. Womit er leben könne, denn Kinder sollen das finden, was ihnen liegt. Oder, wie er es formulierte, befragt nach den Wünschen für die Schulart: „Ich wünsche vielmehr den Schülern, dass sie die Schule finden, die zu ihnen passt.“

Markt der Möglichkeiten für künftige Schüler

Information Welches Berufliche Gymnasium bietet was? Darüber konnte man sich beim „Markt der Möglichkeiten“ am Samstag in der List-Schule informieren. Dort war auch Ute Krewinkel mit Tochter Juline unterwegs. Das Mädchen lernt in einer 10. Klasse an einem bayerischen Gymnasium. „Die Freude am Lernen ist ihr etwas abhanden gekommen“, sagt die Mutter. Ein Schulwechsel soll der Tochter zu neuem Schwung verhelfen. Nun wollen Mutter und Tochter die Infoabende  der Schulen besuchen.

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