Der Auftakt der kommunalpolitischen Karriere des Ulmer AfD-Kandidaten Markus Mössle war reichlich feucht. Nachdem er sich bereits zuvor Buh-Rufe hatte anhören müssen, als OB Gunter Czisch die Namen der gewählten Stadträtinnen und Stadträte vorlas. Auf die Rufe „Nazis raus“ antwortete er „Undemokraten raus“, Mössle stand im Kreis seiner wenigen Getreuen meist isoliert am Rande des Rathaus-Foyers.

Als er nach Bekanntgabe des Ergebnisses ein erstes Interview gab, wurde er von einem Unbekannten, der einen Parteisticker „Die Linke“ am Revers hatte, mit einem Glas Orangensaft übergossen. Im Vorbeigehen hatte ein jüngerer Besucher das Glas von der Theke genommen und dem AfD-Mann halb ins Gesicht, halb auf den Oberkörper geschüttet. Der reagierte in einem ersten Impuls und wollte hinterherstürmen, ließ sich von seiner Frau aber schnell wieder beruhigen.

Mössle bezeichnet sich selbst als Ex-Nazi

„Einen Mann mit meiner Biografie sucht man weit in einem deutschen Parlament“, sagte er. Mössle ist als Bankräuber vorbestraft und bezeichnet sich selber als Ex-Nazi. „Da war ich 20 Jahre alt. Heute bin ich 56 Jahre, habe eine Frau, drei Kinder und ein kleines Unternehmen aufgebaut.“

Mehr als das Glas auf seiner Brust, reut ihn aber der Ausgang der Wahl. Hätte es um seine Person nicht so viel Streit im Vorfeld gegeben, „stünde heute eine Fraktion hier“. Schuldig indes nennt er die Landespartei, die seine Kandidatur von Anfang an habe verhindern wollen. Darin bekommt er übrigens Rückendeckung vom Ortsverbandsvorsitzenden Joachim Dürre: „Schuld ist der Landesvorstand. Ohne den hätten wir drei Kandidaten in den Rat gebracht.“