Ulm Ulm wird Hauptstadt der Physik

Ulm / CHRISTOPH MAYER 06.09.2016
Für fünf Tage wird Ulm zum Groß-Laboratorium. "Highlights der Physik" heißt das Wissenschaftsfest, zu dem Top-Forscher und bis zu 30.000 Besucher erwartet werden.

Mit dem Image der Physik ist es nicht zum Besten gestellt. Unter den schulischen Hassfächern rangiert es gemeinsam mit Mathe stets vorne. Das bleibt auch im weiteren Verlauf des Lebens so. Im allgemeinen öffentlichen Bewusstsein gilt die Disziplin als schwierig, als angestaubt – und als Männer- oder gar Nerd-Domäne. Ein bisschen sind die Physiker auch selbst daran schuld. Locker vom Hocker plaudernde Kommunikationstalente findet man selten unter ihnen, sieht man vielleicht mal vom berühmtesten aller Physiker ab, dem gebürtigen Ulmer Albert Einstein. Prof. Christoph Gebhardt, Biophysiker an der Uni Ulm bringt es auf den Punkt: „Am liebsten veröffentlichen wir Fachaufsätze und tauschen uns mit Kollegen aus.“

Das Bundesforschungsministerium und die Deutsche Physikalische Gesellschaft versuchen das Image der Physik deshalb aufzupolieren. Unter der Überschrift „Highlights der Physik“ schicken sie seit 2001 jährlich ein mehrtägiges Wissenschaftsfestival quer durch die Großstädte der Republik. Es erreicht nach Angaben der Veranstalter Jahr für Jahr 30.000 Besucher. Ziel ist es, nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene für Physik zu begeistern: mit Vorträgen, Ausstellungen, Experimenten und auch ein bisschen Tamtam. Oder wie soll man es sonst nennen, wenn „Magic Andy“ Quantenteilchen präsentiert und dazu Gratiskuchen serviert?

Es überrascht nicht, dass Uni und Stadt sich für die Highlights der Physik 2016 beworben – und den Zuschlag bekommen haben. Die in den vergangenen Jahren an Renomee gewonnen habende Physik, insbesondere die Quantenphysik, ist eines der Zugpferde der Universität, Forscher wie Quantenoptiker Fedor Jelezko gehören mittlerweile zu den weltweit meistzitierten Wissenschaftlern ihrer Disziplin. So richtig angekommen ist das in der Stadt aber nicht.

Hinzu kommt, dass die Uni nächstes Jahr 50 wird, was zahlreiche Feierlichkeiten auf dem Campus und in der Stadt mit sich bringt. Mit dem Physikfestival lässt sich also schon mal üben, wie man Wissenschaft unters Volk bringt. Dafür ist viel Vorarbeit notwendig, wie Prof. Christoph Gebhardt als lokaler Ansprechpartner und Organisator der „Highlights“ berichtet. Schließlich stellen Ulmer Physikprofessoren, Doktoranden und auch Studenten mit rund 200 Teilnehmern das Gros der Akteure. Sie zu motivieren und die Themen mit den Dachorganisatoren abzustimmen, ist derzeit seine Hauptaufgabe.

Vom 27. September bis zum 1. Oktober wird Ulm gewissermaßen zum „öffentlichen Laboratorium“, sagt Gebhardt. „Passend zu unseren Schwerpunkten stehen Themen aus der Quanten- und Biophysik im Mittelpunkt.“ Dreh- und Angelpunkt ist dabei der südliche Münsterplatz. Dort wird eine ganze Zeltstadt aufgebaut. Drinnen gibt es Ausstellungen zu vielfältigen Themen rund um das Thema „Mikrokosmos“. An jedem der rund 50 Exponate stehen Wissenschaftler aus Ulm und der gesamten Bundesrepublik für Fragen der Besucher zur Verfügung und erklären laiengerecht die Grundlagen der Bio- und Quantenphysik.

Im benachbarten Stadthaus und auf einer Bühne am Judenhof finden zudem von morgens bis abends Workshops, Bühnenshows sowie öffentliche Vorträge von prominenten Physikern wie Harald Lesch (München) oder Barbara König (Zürich) statt. Es geht dabei nicht nur um Physik im engeren Sinn. In einer all-abendlichen Vortragsreihe mit dem Titel „Gott würfelt doch“ (Mittwoch bis Samstag im Kornhaus, jeweils von 17.30 bis 18.30 Uhr) diskutieren Physiker, Literaten und Theologen über die Bausteine des Lebens und die Evolution.

Zum Auftaktabend am Dienstag, 27. September, geht es in die Ratiopharm-Arena nach Neu-Ulm. Dort präsentiert der  ARD-Wissenschaftsmoderator Ranga Yogeshwar um 18.30 mit Gästen aus Politik und Wissenschaft die „Highlights-Show“. Was genau geplant ist, halten die Organisatoren noch geheim. Da soll die Spannung verständlicherweise hochgehalten werden. Unterhaltsam dürfte es aber auf jeden Fall werden. Zu dieser Veranstaltung sind Eintrittstickets erforderlich, die es allerdings gratis gibt.

Generell gilt: Der Eintritt zu sämtlichen Veranstaltungen ist frei.

Warum nicht mal ein Tauchboot bauen?

Wettbewerb Im Zusammenhang mit den Highlights der Physik gibt es einen Wettbewerb für Schüler ab Klasse 5: „Exciting Physics.“ Dabei sollen sie etwa belastbare Papierbrücken, autonome Tauchboote oder andere ungewöhnliche Apparaturen konstruieren.

Anmeldung Der Wettbewerb wird gemeinsam von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und der Universität Ulm veranstaltet. Sowohl Teams als auch einzelne Teilnehmer sind dabei willkommen. Während des Wissenschaftsfestivals werden die Schülerarbeiten von einer Jury bewertet. Zu gewinnen gibt es auch etwas: Experimentierkästen, Mediengutscheine und viele weitere Sachpreise. Sechs Aufgaben stehen zur Wahl.

Weitere Infos: www.exciting-physics.de.

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