Ulm / Harald John  Uhr
Das Turbo-Internet 5G soll Ulm zur „Zukunftskommune“ machen. OB Czisch vereinbart in Estlands Hauptstadt Tallinn dazu neue Kooperationen.

Seit 25 Jahren treibt das kleine Estland im Baltikum die Digitalisierung konsequent voran, Breitbandausbau und ein gut ausgebautes Mobilfunknetz sind an der Ostsee selbstverständlich. Wie wichtig solche schnellen Netze für den Ausbau einer Kommune sind, davon hat sich Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch jetzt ein Bild machen können. Als Vorsitzender des Verwaltungsrates der Datenzentrale Baden-Württemberg, dem wichtigsten Softwaredienstleister für mehr als 1000 Kommunen im Südwesten, war Czisch mit einer Delegation drei Tage zu Gast in Tallinn, der Hauptstadt Estlands.

„Die Esten sind sehr ergebnisorientiert und weniger misstrauisch, wenn es um den digitalen Wandel geht“, hat Czisch beobachtet. Diese Affinität gegenüber dem Internet ziehe sich durch alle gesellschaftlichen Schichten und Altersstufen des 1,3-Millionen-Einwohner-Landes. So seien es die Esten gewohnt, keine Formulare mehr auszufüllen, sondern in allen Lebenslagen eine „IC Card“ einzusetzen. Czisch zeigt sich angetan: „In Estland gründet man in zwei Minuten eine Firma und erledigt in der gleichen Zeit seine Steuererklärung.“ Schließlich lägen alle Daten elektronisch vor. Auch Rezepte in der Apotheke gebe es per Knopfdruck, Ärzte können im Notfall sofort in die Patientenakten von Verunglückten sehen.

Basis ist die „X-road“

Basis des Ganzen ist die „X-road“, eine Datendrehscheibe, über die alle Informationen fließen. Zu diesem und anderen Projekten habe man über mögliche Kooperationen gesprochen, so OB Czisch. Schließlich habe sich Ulm als Digitale Zukunftskommune mit dem Projekt „Digitale Stadtquartiere Ulm, Innovation aus der Stadt, für die Stadt“ beworben. Bei diesem Wettbewerb, dessen Gewinner Anfang Mai verkündet werden, haben sich viele Städte und Kommunen aus dem Südwesten beworben, der Wettbewerb gilt als hart. Auch deshalb will Czisch den Ausbau des Turbo-Internets 5G forcieren.

Der neue Mobilfunkstandard, der die zehnfache Übertragungsgeschwindigkeit der bisherigen LTE-Technologie haben wird, soll die Basis für sämtliche Entwicklungen der Stadt sein. Es komme, so Czisch, nicht auf eine einzelne App oder ein einzelnes, autonom fahrendes Auto an, sondern auf ein System in einer Stadt oder einem Quartier, das alle genannten Lösungen möglich macht. So könne man künftig mit einem 5G-Handy einen hochauflösenden Film in weniger als einer Sekunde herunterladen.

Derzeit laufen Planungen, gemeinsam mit Nokia und dem Alb-Donau-Kreis ein Testfeld für den 5G-Mobilfunk zu gründen.