Stadtentwicklung Ulm will 3500 neue Wohnungen in 5 Jahren

Bauen Wohnen Miete Giacinto Carlucci
Bauen Wohnen Miete Giacinto Carlucci © Foto: Giacinto Carlucci
Ulm / Chirin Kolb 13.05.2017

Wohnraum zu schaffen ist eine der größten Aufgaben der Stadt in den nächsten Jahren. „Ulm ist attraktiv, viele wollen hier leben“, sagte Baubürgermeister Tim von Winning im Gemeinderat. In der Stadt herrsche keine Wohnungsnot, die Mieten seien noch vergleichsweise moderat. Dennoch müssten Weichen gestellt werden, damit das so bleibt. Das hat der Gemeinderat in seiner Wohnungsdebatte getan und Richtlinien für Bauen, Mieten und Wohnen in den nächsten Jahren festgelegt.

Neubau Der Gemeinderat hat das 2016 beschlossene Ziel bestätigt, 3500 Wohneinheiten bis zum Jahr 2021 zu bauen. Das entspricht 700 Wohneinheiten pro Jahr, 70 davon als Eigenheime. 80 Prozent aller Wohnungen sollen in der Innenentwicklung entstehen: durch Nachverdichtung also.

Geförderter Wohnungsbau Der Anteil preisgünstiger Mietwohnungen im öffentlich geförderten Wohnungsbau soll sich von 20 auf 30 Prozent erhöhen. Das bedeutet: pro Jahr mindestens 120 neue, günstige Mietwohnungen geben.

Barrierefreiheit Bisher müssen auf städtischen Grundstücken sämtliche Neubauten barrierefrei sein. Diesen Zwang hat der Gemeinderat aufgehoben. Die Anforderungen der Landesbauordnung seien verschärft worden. Gegen Bedenken von Karin Graf (CDU) verteidigte der Baubürgermeister die Änderung. Barrierefreies Bauen sei teurer und brauche mehr Platz und stehe deshalb dem Ziel, günstigen Wohnraum zu schaffen, entgegen. OB Gunter Czisch ist zuversichtlich, dass Bauträger dennoch überwiegend barrierefrei bauen werden: „Sie müssen auf die Nachfrage eingehen. Das regelt der Markt.“

Große Wohnungen Bislang galt für Geschosswohnungsbau auf städtischen Grundstücken: 33 Prozent müssen große Wohnungen mit mindestens vier Zimmern sein. Diesen Anteil hat der Gemeinderat gegen die Stimmen der CDU auf 15 Prozent gesenkt. Die CDU hatte für 25 Prozent plädiert. Hintergrund der Reduzierung ist, dass große Wohnungen in Neubauten sehr teuer  und damit gerade für die Zielgruppe junge Familien kaum erschwinglich sind.

Vergabe Der Verkauf von Bauplätzen soll sich stärker an „sozialen, funktionalen und inhaltlichen Qualitäten der Baukonzepte“ orientieren. Die Hälfte der Bauplätze in Ortschaften soll wie bisher an Bauwillige gehen, die noch nicht im Ort wohnen oder von dort stammen. Timo Ried (FWG) wiederholte seine Kritik an der Vergabepraxis. Er will, dass bei der Grundstücksvergabe gleiches Recht für alle herrscht.

„Drehscheibe Wohnraum“ Zur Unterstützung von Menschen, die auf dem freien Markt schwer eine günstige Mietwohnung finden, wird das Projekt „Drehscheibe Wohnraum“ gestartet (siehe Info-Kasten). Für zunächst drei Jahre bewilligte der Gemeinderat 225 000 Euro.

Die Stadträte äußerten sich zufrieden. „Wir sind auf einem guten Weg“, befand Thomas Kienle (CDU). Der Bau von 700 Wohnungen pro Jahr sei nötig, „die Preise haben sich innerhalb von 15 Jahren teilweise verdoppelt“.

Das Konzept sei „schlüssig und richtig“, meint Annette Weinreich (Grüne), die daran erinnerte, dass sie bereits vor Jahren auf die Wohnungsknappheit hingewiesen habe. Die Preissteigerungen bei Neubauten nannte sie alarmierend. Ein Grund dafür seien ständig steigende Vorschriften und Anforderungen. Bauen müsse wieder einfacher werden, forderte die Architektin.

Gerhard Bühler (FWG) stimmte ihr zu und regte die Bildung eines „Normenkontrollrats“ an. 700 neue Wohneinheiten pro Jahr sollten das Ziel sein, „kein Muss“. Die Nachverdichtung müsse „mit Augenmaß und nicht um jeden Preis“ vorangetrieben werden.

Die SPD ist ebenfalls „im Großen und Ganzen“ einverstanden, sagte Dorothee Kühne. Der Bedarf an 700 Wohnungen sollte jährlich überprüft werden. Rose Goller-Nieberle (FDP) befand: „Ohne Neubauten gibt es keine Stadtentwicklung.“

Projekt „Drehscheibe Wohnraum“

Zielgruppe Etliche Bevölkerungsgruppen haben es schwer, auf dem freien Markt günstige Mietwohnungen zu finden: Menschen mit geringem Einkommen oder in prekären Lebenssituationen, Behinderte, Flüchtlinge, junge Erwachsene, alte Menschen, Strafentlassene. Sie will die Stadt Ulm mit dem neuen Projekt „Drehscheibe Wohnraum“ unterstützen. Gleichermaßen sollen Vermieter profitieren, die dafür günstige Mietwohnungen zur Verfügung stellen.

Förderung Die Stadt gewährt Vermietern einen einmaligen Sanierungszuschuss und sichert für zwei Jahre eine Mietausfallgarantie zu. Während eines einjährigen Probewohnens wird der Mieter von der Stadt betreut. Die Stadt unterstützt den Mieter bei allen notwendigen Anträgen beispielsweise beim Jobcenter.

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