Es war schon lange angedacht. Nun wird der Plan umgesetzt. Die ehemalige Turnhalle des Keplergymnasiums wird derzeit umgebaut, damit dort Asylbewerber untergebracht werden können. Das bestätigte die Sprecherin der Stadt, Marlies Gildehaus, auf Anfrage.

Die Turnhalle der Schule ist unbenutzt, weil daneben eine neue entstanden ist, die jüngst eingeweiht worden ist (wir berichteten). Nun werden Versorgungsleitungen, die zuvor gekappt wurden, wieder verbunden. „Ein Geräteraum wird zur Essensausgabestelle umgebaut“, sagt Marlies Gildehaus. Des Weiteren werde eine Abtrennung zur neuen Halle hin gebaut. Insgesamt seien nur geringfügige Umbauten notwendig.

Bezugsfertig soll die Turnhalle ab Oktober sein. Dann rechnet Werner Fischer, Koordinator der Stadt für Flüchtlinge, wieder mit einem neuen Kontingent an Flüchtlingen und damit, dass der Platz in der Turnhalle gebraucht wird. „Im September kommen wir noch über die Runden“, sagte er auf Anfrage. Ein Grund sei, dass doch einige Flüchtlinge freiwillig in ihre als sicher eingestuften Heimatstaaten zurückgekehrt seien. Deshalb sind Plätze in den Unterkünften frei geworden und rund 50 Neuankömmlinge im September kommen unter.

Im Oktober jedoch brauche man die Turnhalle, sagt Fischer. Zum zugeteilten Kontingent können Ulm noch immer Flüchtlinge zugeteilt werden, die am vergangenen Wochenende aus Ungarn nach Baden-Württemberg kamen. Die etwa 20 000 wurden in die vier Erstaufnahmestellen im Land verteilt. Derzeit sei nichts bekannt, dass aus dieser Gruppe auch welche nach Ulm kommen – aber: „Die Infos aus Karlsruhe haben derzeit eine kurze Halbwertszeit.“

Auch in Stadt und Landkreis Neu-Ulm werden zurzeit Turnhallen für Flüchtlinge hergerichtet oder bereits belegt. So sind am Donnerstag rund 70 Flüchtlinge in die Turnhalle der Berufsschule in Illertissen eingezogen. Zudem werde die Dreifach-Turnhalle am Muthenhölzle, in der die Schüler der Emil-Schmid-Schule Sportunterricht haben, für die Aufnahme von rund 200 Flüchtlingen vorbereitet, sagt der Pressesprecher des Landkreis Neu-Ulm, Jürgen Bigelmayr. Es werde eine Art Kantine installiert, wo die Donauklinik das Essen ausgibt, Betten und Spinde aufgestellt. Außerdem wird ein Sichtschutz außen angebracht. „Die Flüchtlinge werden im Laufe des Oktobers kommen und danach.“ Für den Sportunterricht der Schüler und das Vereinstraining würden gerade Möglichkeiten für Ersatzorte sondiert, teilt die persönliche Referentin des Neu-Ulmer OB, Daniela Reuther, mit.

Für die Stadt Ulm und den Landkreis gilt: Beide suchen dringend nach Wohnungen für Flüchtlinge. Die Belegung der Turnhallen sei eine Lösung, die niemandem gefalle. „Uns bleibt nichts anderes übrig, weil uns nach wie vor kein Wohnraum in ausreichender Größe und Zahl zur Verfügung steht“, bittet Karen Beth, die Asyl-Koordinatorin des Landkreises Neu-Ulm, die betroffenen Bürgerinnen und Bürger um Verständnis.

In Ulm appelliert Werner Fischer an die Bürger, freie Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten, deren Verfahren bereits abgeschlossen ist, die anerkannt sind und in Deutschland bleiben können: „Wir brauchen Möglichkeiten auf dem privaten Wohnungsmarkt.“

Grüne bestehen auf Sondersitzung

Gemeinderat Soll das Thema Lage der Flüchtlinge in Ulm in einer Sondersitzung des Gemeinderats behandelt werden? Das wollen Grüne und CDU. Oder soll es breiten Raum einnehmen in der ersten regulären Sitzung nach der Sommerpause am 14. Oktober? Das möchten FWG und OB Ivo Gönner. Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Michael Joukov sagte, seine Fraktion habe Verständnis für die Terminzwänge der FWG, deren halbe Fraktion kommende Woche auf einer Tagung in Berlin weilt. Deshalb bestünden die Grünen nicht auf 16. September, den Termin, den sie vorgeschlagen hatten. Sehr wohl aber pochten sie auf eine Ratssitzung, die ausschließlich diesem Thema gewidmet sei. „Da steht so viel an, das nicht noch andere Themen besprochen werden sollten.“