Verkehr Raser aufgepasst: Ulm schafft zweiten mobilen Blitzer an

Der mobile Blitzer in Aktion. Künftig gibt es in Ulm zwei solcher Geräte.
Der mobile Blitzer in Aktion. Künftig gibt es in Ulm zwei solcher Geräte. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Chirin Kolb 04.05.2018
Das mobile Gerät zur Geschwindigkeitsmessung hat sich in Ulm bewährt. Nun soll ein weiterer mobiler Blitzer her.

Das war mal eine gute Anschaffung. Eine so gute, dass sie gleich wiederholt wird. In dieser Einschätzung sind sich die Ulmer Stadtverwaltung und die Stadträte einig. Die „teilstationäre Geschwindigkeitsmessanlage“, der mobile Blitzer also, hat sich bewährt. Nun kauft die Stadt nach einstimmigem Beschluss im Hauptausschuss einen zweiten.

Wo immer es aufgestellt war, hat das Gerät für Aufsehen gesorgt bei Autofahrern, Anwohnern und Passanten. Seit Mai 2017 ist es im Einsatz und kann die Geschwindigkeit in beiden Fahrtrichtungen gleichzeitig messen. In diesem ersten Jahr stand der Blitzer häufig am Altstadtring, besonders in der Olgastraße und Frauenstraße, wo die Klagen über Raser und Rennen besonders groß waren.

Gerade an diesen Stellen habe der Blitzer Wirkung gezeigt, sagte Rainer Türke, der stellvertretende Leiter der Bürgerdienste, in der Sitzung. „In der Frauenstraße und Olgastraße gibt es deutliche Verbesserungen. Das Gerät ist sehr effektiv.“ Insgesamt blitzte die Anlage zwischen Mai und Dezember 12.500 Mal.

Auch wenn die mobile Anlage mal über Wochen nicht in der Innenstadt zu sehen ist: Sie ist im Einsatz. In den Ortschaften, in Wohngebieten, entlang der Umleitungsstrecken für den Straßenbahnbau – überall, wo sich Anwohnerbeschwerden häufen oder die Stadt vermehrt Geschwindigkeitsüberschreitungen feststellt.

Aufgemotzte Autos aus dem Verkehr gezogen

Zudem fährt die Stadtverwaltung eine weitere Strategie. Sie tut sich für „gezielte Aktionen“, wie Türke es ausdrückt, mit der Polizei und der Dekra zusammen. Diese Kontrollen dienen vor allem dazu, die Tuner- und Raserszene aufzumischen. Dabei wurden schon mehrfach aufgemotzte Autos aus dem Verkehr gezogen und stillgelegt. Das schmerzt die jungen Fahrer. Und ein ebenfalls schmerzhaftes Bußgeld kommt noch obendrauf: laut Türke 1000 bis 1500 Euro zuzüglich der Kosten für den Gutachter. Diese Aktionen zeigten Wirkung, „das spricht sich herum in der Szene“.

Die Geschwindigkeitsmessungen richten sich aber nicht nur gegen die Raserszene, sondern auch gegen normale Autofahrer, die sich nicht ans Tempolimit halten. Beschwerden kommen aus allen Stadtteilen. Der Stadtverwaltung gehe es nicht darum, Bußgelder einzunehmen, betonte Türke. Sondern „um Lärm und Sicherheit“. Rückendeckung bekommen die Bürgerdienste von den Stadträten. „Es ist keine Abzocke, Leute zu verwarnen, die sich nicht ans Gesetz halten“, sagte Michael Joukov (Grüne). Mit Gewinnerzielung haben die Kontrollen nichts zu tun, meint auch Martin Rivoir (SPD). Wer sich nicht an Regeln halte, müsse mit Konsequenzen rechnen und sie tragen. „Es ist gut, wenn kontrolliert und durchgegriffen wird.“

Probleme in der Neuen Mitte

Nach Beobachtung einiger Stadträte und der Verwaltung kristallisiert sich ein neuer Problembereich heraus. Demnach wird in der Neuen Mitte, wo höchstens Tempo 20 erlaubt ist und viele Fußgänger und Radler queren, wieder schneller gefahren. Die Bürgerdienste wollen diese Stelle im Auge behalten und in der Neuen Mitte mit dem mobilen Blitzer häufiger kontrollieren.

Die mobile Anlage, die auf einem Anhänger montiert ist, kann bis zu zehn Tage lang am Stück eingesetzt werden. Personal ist dazu nicht nötig, das Gerät muss lediglich regelmäßig auf Beschädigungen hin kontrolliert werden. Weil es immer wieder woanders steht, trete bei Autofahrern auch kein Gewöhnungseffekt wie bei stationären Blitzern ein. Das Gerät der Firma Jenoptik kostet 240.000 Euro.

Einnahmen decken die Kosten

Bußgelder Die Stadt Ulm hat im vergangenen Jahr rund 4,9 Millionen Euro an Bußgeldern eingenommen. Liegt das Ergebnis für 2018 ähnlich hoch, sind die Kosten für die Anschaffung des zweiten mobilen Blitzers schon fast zur Hälfte gedeckt. Das Gerät kostet 240 000 Euro.

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