Umwelt Ulm pflanzt in Mexiko Bäume für den Klimaschutz

OB Gunter Czisch will mehr Grün in der City – zur Not in Pflanzkübeln.
OB Gunter Czisch will mehr Grün in der City – zur Not in Pflanzkübeln. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / cst 09.06.2018

Die Stadt hat es sich zum Ziel gesetzt, ab heute genau 124 781 Bäume zu pflanzen, so viele, wie es derzeit Einwohner sind. Das kündigte Oberbürgermeister Gunter Czisch gestern beim Klimaschutztag auf dem Hans-und-Sophie-Scholl-Platz an. Die taufrische Aktion „Ulm pflanzt Bäume“ (www.ulm-pflanzt-baeume.de)  schließt sich der weltweiten Kinder- und Jugendinitiative „Plant-for-the-planet“ (Pflanzen für den Planeten) an, deren Ziel es ist, bei jedermann mehr Bewusstsein für den Klimawandel zu schaffen.

„Aber wir dürfen den Leuten keine Vorschriften machen, Klimaschutz muss Spaß machen“, betonte Czisch und pflanzte Jungbäume in einen von sechs Kübeln, die bis Juli den öden Kornhausplatz begrünen sollen, ehe die Bäume irgendwo an einem endgültigen Platz wurzeln dürfen. Dabei betonte der OB, dass in der City der Untergrund so voller Leitungen steckt, dass es nur noch acht freie Pflanzstellen gebe. Aber: 5600 Bäume – von den angestrebten 124 781 – wurden auf Initiative etwa der Ulmer Firmen Pervormance international und Trivis bereits gespendet. „Diese werden möglichst bald gepflanzt, allerdings in Mexiko“, sagte Magdalena Ulmer vom Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Denn dort gebe es noch genügend freie Flächen und dort könnten standortgerechte Baumarten viermal so viel Kohlendioxid in Sauerstoff und Blattmasse umwandeln wie in Europa.

An den 16 Infoständen des Klimaschutztages wurden aber nicht nur Stofftaschen selbst gestaltet (Greenpeace), über Müll diskutiert (Umweltgewerkschaft Ulm) oder Kleider getauscht (Hochschulgruppe für Nachhaltigkeit der Uni Ulm). Sondern der BUND stellte seine neue auf 30 Jahre ausgelegte Aktion „Vision Ulm – Stadt der Bäume“ vor (wir berichteten). Auf einem Faltblatt wird in Computersimulationen dargestellt, wo Bäume die Straßen und Plätze aufwerten würden.

Während sich die Dauer-Aktivisten Gedanken machen, finden viele junge Erwachsene Klimaschutz und Nachhaltigkeit „uncool“. Denn sie müssten dann zu viel denken, wenn sie etwa statt eines Coffee-to-go-Plastikbechers einen Mehrwegbecher verwenden. Das war am Donnerstag das Fazit einer Diskussion des Grünen-Landtagsabgeordneten Jürgen Filius mit 30 überwiegend jungen Gästen und mit Anna Bäuerle vom landesweiten Jugendbeirat Nachhaltigkeitsstrategie.

Was ist dann stattdessen cool? „Machen, was man will, sich um sich selbst kümmern, shoppen gehen“, sagte eine junge Frau frei heraus.