Seit vier Wochen schmückt eine bunte Plakatwand den Hans-und-Sophie-Scholl-Platz in der Neuen Mitte vor dem Ulmer Rathaus. „Mach doch, Ulm ...“ prangt darauf in großen Lettern. Immer wieder bleiben Passanten dort stehen und fragen sich, was es damit auf sich hat.
Demokratie-Projekt der Griesbadgalerie Mitmachen statt meckern

Ulm

Das Plakat ist das Herzstück eines neuen Projekts der Griesbadgalerie. In Zusammenarbeit mit der städtischen Koordinierungsstelle „Internationalen Stadt“ hat das Team eine Initiative gestartet, um einen Beitrag zur politischen Diskussion in der Corona-Zeit zu leisten. Der Titel: „Mach doch, Ulm“.
„Ziel ist es, die Krise als Chance aufzufassen und sich zu überlegen, wie sich unsere Stadtgesellschaft in der Zukunft weiterentwickeln kann“, sagt Projektleiterin Petra Schmitt. Zudem wolle man demokratisches Denken fördern, in einer Zeit, in der „viele Verschwörungstheorien kursieren“.
Anfang Juni hat das Team der Griesbadgalerie die erste Plakatwand auf dem Hans-und-Sophie-Scholl-Platz angebracht.
Anfang Juni hat das Team der Griesbadgalerie die erste Plakatwand auf dem Hans-und-Sophie-Scholl-Platz angebracht.
© Foto: Griesbadgalerie

Mach doch, Ulm: Denkanstöße in der Corona-Zeit

Das Budget von 11.000 Euro stammt aus dem Förderprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesfamilienministeriums. Die Plakatwand gibt Denkanstöße und lässt Platz für Antworten, die die Passanten handschriftlich eintragen können. Insgesamt gibt es vier Felder:
  • „Jetzt ist die beste Zeit, um ...“
  • „Das fehlt mir am meisten ...“
  • „So wird unsere Zukunft geil ...“
  • „Darüber denke ich jetzt anders ...“
Damit auch internationale Bürger an der Debatte teilnehmen können, wurden die Sätze auch ins Englische übersetzt. Inzwischen wurden die Felder größtenteils ausgefüllt.

„Jetzt ist die beste Zeit, um ...“

Im ersten Feld sind die Teilnehmer unter anderem der Meinung, dass jetzt die beste Zeit ist, um:
  • „die Welt zu retten“
  • „To do whatever you want“
  • „Self-care zu betreiben“
  • „einen Drogenentzug anzufangen“
  • „Themen anzusprechen und umzusetzen, die für ein solidarisches, nachhaltiges und buntes Miteinander essentiell sind“

„Das fehlt mir am meisten ...“

Im zweiten Feld schreiben die Teilnehmer unter anderem, dass ihnen folgendes am meisten fehlt:
  • „Konzerte & Festivals“
  • „Die alten Zeiten“
  • „dass jede Meinung gehört und toleriert wird“
  • „Freiheit, Frieden und Menschlichkeit“
  • „ein Leben ohne Maske“

„So wird unsere Zukunft geil ...“

Im dritten Feld werden die Teilnehmer nach ihrer Meinung gefragt, auf welche Weise unsere Zukunft „geil“ wird:
  • „Bedingungsloses Grundeinkommen“
  • „Respektvoll miteinander umgehen“
  • „Nachhaltiger leben“
  • „Im Heute leben, anstatt von morgen zu träumen“
  • „In dem wir selbst die Veränderung sind, die wir uns von anderen wünschen“

„Darüber denke ich jetzt anders ...“

Im vierten Feld berichten die Teilnehmer, über welche Dinge sie jetzt anders denken:
  • „Politik“
  • „Dass einige Privilegien kein Grund sind, um sich für die Rechte marginalisierter Gruppen einzusetzen!“
  • „Dass auch und v.a. kritische Meinung systemrelevant für ein demokratisches System ist“
  • „Meine Sicht aufs Leben“
  • „Nothing lasts forever“

Hier stehen weitere Plakatwände in Ulm - neue Fragen

Bis auf wenige stumpfe Beiträge ist Petra Schmitt mit den bisherigen Antworten sehr zufrieden. Inzwischen hat das Projektteam weitere Plakatwände an der Donauwiese, an der alten Keplerturnhalle und am Food-Court im Heigeleshof aufgestellt. Auch online kann mitgemacht werden. Am Dienstag wird die Wand am Hans-und-Sophie-Scholl-Platz ausgetauscht. „Wir haben drei mal vier Fragen vorbereitet. Es gibt danach also noch eine dritte Runde“, erklärt Schmitt.
Das Team der Griesbadgalerie sammelt und dokumentiert die Antworten. Als Abschluss des Projekts sollen die Beiträge in einem Sammelwerk präsentiert werden.