Ulm ist Provinz. Mitunter ist das von Vorteil: Man kennt sich, redet miteinander, ist informiert. So tun sich Gelegenheiten auf. Wie etwa jetzt das neue Projekt am Neu-Ulmer Jahnufer, das Monika Fauss, Robert Förster und Herbert Dreiseidler umsetzen: ein Biergarten

Entdeckt hat ihn Förster, der wie Monika Fauss sagt, „einen Blick für schöne Orte hat“. Der 48-Jährige war an dem Gelände der Ulmer Kanufahrer vorbei gekommen und hatte das verwaiste Lokal in dem schönen Garten gesehen. Dass Förster als ehemaliger Wirt der beiden inzwischen legendären Rosi- und Olgabar in Ulm Leute kennt, ist klar. Dieses Mal jemanden von den Ulmer Paddlern, der wiederum die Kanufahrer kennt.

„Am Fluss“: Biergarten und Vereinslokal in Neu-Ulm

Heraus kam: Der Verein hatte keinen Pächter mehr und wäre froh, wenn jemand das Lokal übernähme. Ein Biergarten – dazu gehört auch eine Speisekarte. „Wir haben Heppe gefragt, ob er unser Partner wird“, erinnert sich Monika Fauss. Er sei ein alter Freund. Dann kommt wieder die Provinz ins Spiel und der Kreis schließt sich: Heppe, also Dreiseidler, hat vor Urzeiten schon einmal im Vereinslokal gekocht. Anscheinend gut. „Alle, die sich bei den Kanufahrern erinnern konnten, waren begeistert“, sagt Förster.

Gebongt. Seit 1. Mai sind die drei nun Pächter des Vereinslokals „mit einer gerechten Pacht pro Monat“ und haben ihm erst einmal einen passenden Namen gegeben: „Am Fluss“, wo er sich auch befindet auf Höhe des Kiesweges in die Donau, wo Kanufahrer, Paddler und Nabader starten.

Natürlich haben die drei erst einmal frisch gestrichen, die Küche neu ausgestattet – „da hat alles gefehlt“, sagt Dreiseidler und jetzt „suchen wir noch schöne Wirtshausstühle, falls jemand welche übrig hat“. Gesucht wird auch noch Personal, denn „Am Fluss“ hat im Sommer täglich geöffnet (sieht Info). „Mindestens 15 Leute, uns eingerechnet, brauchen wir“, sagt Monika Fauss, die seit 16 Jahren die Olgabar betreibt und das auch weiterhin tut.

Neu-Ulm: Biergarten bietet Platz für 130 Gäste

Platz ist für 130 Gäste draußen unter großen, „gut wasserdichten“ Schirmen und drinnen für etwa 64 – je nachdem, ob man sitzen will. Weil es ein Biergarten ist, wird die Speisekarte schwäbisch sein, sagt der 62-jährige Koch, der im Bühneneingang in Neu-Ulm gekocht hat, in seiner Botega und ein paar Jahre auf Fuerteventura. Vor allem Letzteres werde dazu führen, dass es am einen oder anderen Abend mal ein besonderes Essen wie Paella gibt. Ansonsten: „Wir verwenden Produkte aus der Region, der Kartoffelsalat etwa wird jeden Tag frisch zubereitet.“ Die Weine sind aus Österreich und Portugal, die „Limonade wird zum Großteil selbstgemacht“, sagt Förster. Das Bier kommt aus Schussenried.

Kleine Konzerte und Afterwork

Beim Essen soll es nicht bleiben. Förster will eine monatliche Veranstaltungsreihe auflegen: kleine Konzerte mit Bands wie etwa die „Hochzeitskapelle“ aus München. Alle zwei Wochen soll es Tanz „bereits zum Afterwork geben“, erklärt er. Ab 18 Uhr  spielt eine Band oder ein DJ legt „feinen Techno“ auf. Und natürlich wird „Am Fluss“ auch am Schwörwochenende mitspielen: „Eine Band ist gebucht.“ Die drei sind fest entschlossen, am Neu-Ulmer Ufer eine feste Größe zu werden. Die Chancen stehen nicht schlecht: „Es gibt ja sonst nicht viel an der Donau“, stellt Monika Fauss fest. Nur die „Stiege“ bei der Herdbrücke. „Die ist nicht weit.“

„Stiege“: In Ulm wird schon geputzt

Stimmt. Mit dem Rad dauert es etwa vier Minuten und dann steht man vor dem hübschen schmiedeeisernen Tor. Zurzeit ist es noch geschlossen, aber Petra Schmitt und ihr Team arbeiten bereits an der Wiedereröffnung: „Es ist eigentlich jedes Jahr eine Neueröffnung“, sagt sie. Man müsse sich das Areal zurück erobern. Der Grund: Nach dem Winter ist der Ort meist völlig marode. So stand Hochwasser in den Toiletten, das meiste muss frisch gestrichen werden. Der Boiler wird wieder eingebaut, das Wasser angeschlossen. Sauber gemacht wird mit harten Bandagen: „Erst einmal wird alles ausgespritzt.“ Dann werden Geräte geputzt und zum Schluss wird wieder möbliert, zählt die Designerin und Kuratorin auf.

In der mittlerweile sechsten  Saison der Stiege ist vieles zur Routine geworden. Nur die Kunst nicht. Unter dem Titel „Wunderschön und betörend“ hat Petra Schmitt auch in diesem Jahr mehrere Ausstellungen geplant. Der Hintergrund: Unansehnliche, urbane Plätze schöner gestalten – eben wie die „Stiege“, die ehemals eine öffentliche Toilette war. Zur Eröffnung (siehe Info) stellt sie die isländische Künstlerin Sonja Riehl vor, die sich in Berlin unter die lokale Street Art-Szene gemischt hat.

„Stiege“ in Ulm: Glasverbot und andere Probleme

Im Alltag kämpft Petra Schmitt mit profaneren Dingen. So muss sie nach einer Auflage vom Amt für öffentliche Ordnung seit vergangenem Jahr auf Glas verzichten und darf Getränke nur noch in Kunststoffbechern ausschenken. Das hat mit Umweltfreundlichkeit wenig zu tun. Aber: „Es könnte jemandem von der Mauer herunter eine Flasche auf den Kopf fallen“, fasst sie die Ansicht der Stadt zusammen. Weil deshalb auch das Bier ausgeschenkt werden musste, hat das damals zu ellenlangen Warteschlangen geführt. Inzwischen ist das Team eingespielt und sie habe den Kampf gegen diese Auflage aufgegeben. „Dafür habe ich schon 2018 Strohhalme abgeschafft.“

Ein anderes Problem: Der Weg an der „Stiege“ vorbei zum Rosengarten ist gesperrt. Und das bleibt auch so. Grund ist der schlechte Zustand der Stadtmauer. Die Statik sei nicht mehr sicher, sagt die Stadt. Seit letztem Jahr bereits laufen Voruntersuchungen in Absprache mit der EBU, der unteren Denkmalschutzbehörde und einem beauftragten Statiker, wie die Sanierung angegangen werden kann. Selbst wenn die Arbeiten begonnen werden, werde die Sperrung „mindestens bis Herbst andauern“, heißt es seitens der Stadt.

Das wird dem bunt gemischten Publikum der „Stiege“ die Laune nicht verderben. „Viele sitzen ja auch gerne unten an der Donau.“ Womit wir wieder beim Fluss wären. Es wäre schön, wenn er mehr in Alltag und Freizeit der Bewohner einbezogen wäre, sagt Petra Schmitt und freut sich, dass unweit von ihr drei Leute nun einen Teil dazu beitragen.

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Ulm/Schelklingen

Stiege und Am Fluss öffnen am Freitag


Saison Die Stiege öffnet am Freitag 10. Mai um 19 Uhr mit einer Vernissage. Ansonsten ist von Sonntag bis Donnerstag von 18 bis 23 Uhr geöffnet und freitags und samstags von 18 bis 24 Uhr. Nur bei schönem Wetter. Der Biergarten „Am Fluss“ am Jahnufer 50 in Neu-Ulm öffnet ebenfalls am Freitag seine Pforten. Um 17 Uhr geht es los mit Musik. Die Öffnungszeiten ansonsten sind: täglich von 11 bis 23 Uhr, am Wochenende bis 24 Uhr. Gekocht wird von 11.30 bis 14 Uhr und von 17.30 bis 22 Uhr.